wollte . Larkens hoffte durch jenen ausgedachten , wohlgemeinten Streich teils bei der Gräfin jeder möglichen Neigung gegen Theobald vorzubeugen , teils glaubte er , sie müßte von nun an , eingedenk des Verhältnisses mit Agnes , durch ihr Betragen unzugänglich für Nolten selber werden . Nun hatte zwar Larkens , zufolge der mißtrauischen Verschlossenheit seines Freundes mit der wahren Lage der Dinge unbekannt , sich in seinem Plane etwas geirrt ; er hätte , wäre er besser unterrichtet gewesen , vielleicht einen ganz andern Weg eingeschlagen , aber auch auf diesem erreichte er , wie wir gesehen haben , seinen Hauptzweck vollständig , nur freilich auf eine grausamere Art , als er sich vorgestellt hatte . Sehr übereilt und tadelnswert würden wir seine eigenmächtige Handlungsweise nennen müssen , wenn er eine Ahnung von den großen Fortschritten gehabt hätte , welche Theobalds neue Liebe bereits gemacht hatte , weil Larkens jene Rechte der Braut nur auf große Kosten der Ehrlichkeit seines Freundes aufdecken konnte ; übereilt und unsicher müßten wir sein einseitiges Verfahren auch insofern schelten , als er ja nicht wissen konnte , ob Nolten , wenn er sich auch bis jetzt noch gegen Constanze zurückgehalten , doch in kurzem nicht vielleicht ihr sein Herz anbieten werde , da er dann notwendig im zweideutigsten Lichte vor ihr erscheinen müßte ; allein fürs erste hatte Larkens nicht die mindeste Vermutung davon , wie weit bereits das Verständnis der beiden gediehen war , und fürs zweite , was die Zukunft betrifft , ging er neuerdings ernstlich mit dem Gedanken um , Theobalden die Zeugnisse für Agnesens Unschuld vorzulegen , ihn zu näherer Prüfung der Sache zu vermögen , ihn im Notfall damit zu bedrohen , daß er die Gräfin selbst zur freundschaftlichen Schiedsrichterin darüber aufrufen werde . Vor allen Dingen widmete er der Frage , inwiefern es geraten sei , Theobalden schon jetzt seine Pflichten für die Verlobte aufzudringen , eine reifliche Überlegung . - Wir überlassen ihn jetzt seinen Gedanken und kehren in das Zarlinsche Haus zurück . Dort meldete sich des andern Tages gegen Abend ein vornehmer Besuch . Herzog Adolph erschien , und Constanze , in Abwesenheit ihres Bruders , empfing ihn allein . Das ungewöhnlich blasse und verstörte Aussehen der schönen Frau mochte ihm sogleich auffallen , er erkundigte sich auf das angelegentlichste nach ihrem Befinden , ging dann mit einer leichten Wendung auf sein eigenes Anliegen über und erzählte mit sichtbarem Verdrusse , was ihm gestern von einer höchst ärgerlichen Sache bekannt geworden , wobei er bedaure , daß sie gerade in diesem , ihm so höchst schätzbaren , Hause habe vorfallen müssen . Der König , sein Bruder , dessen Ehre dabei beteiligt wäre , sei auf das genaueste davon unterrichtet und aus dessen eigenem Munde habe er es gehört . Constanze erschrak , erklärte , wie sie zwar an jenem Abende die allgemeine Bewegung der Gesellschaft wahrgenommen , wie auch sie nachher den Grund davon erfahren , wie sie aber an einen solchen Frevel von solchen Männern nicht sogleich habe glauben können . Sie bat , man möge doch wenigstens sie aller Stimme dabei überheben , da Leute von besserer Einsicht , von bedeutenderem Urteil zugegen gewesen . Aber der Herzog gestand , daß der König die vorläufige Ausmittelung der Sache ihm anbefohlen , daß er das Manuskript und was dazugehöre , bereits in Beschlag genommen , daß er aber nach wiederholtem Lesen und genauer Prüfung alles einzelnen noch nicht ganz habe mit sich einig werden können . Er sei zuletzt auf den Einfall geraten , alles von der Entscheidung einer » ebenso scharfsinnigen , als unbefangenen Dame « abhängen zu lassen , und er werde diesfalls auf seiner Bitte beharren , ihrem Ausspruch werde er unbedingt vertrauen . » Freilich « , setzte er mit einem pikanten Akzente hinzu , » freilich , wenn meine getroste Voraussetzung von der gänzlichen Unbefangenheit meiner geliebten Freundin mich denn doch etwas trügte , wenn ihr einer oder der andere von den Beklagten mehr als billig am Herzen läge , dann , meine Gnädige , wäre es wirklich höchst undelikat , trotz Ihrer Weigerung einen gerechten Spruch aus Ihrem Munde zu verlangen . « Gelassen schaute die Gräfin ihn an und erwiderte : » Beide Männer waren mir sehr viel wert ; Sie selbst haben diesen Nolten begünstigt , und schon um Ihretwillen , Adolph , sollte es mir leid sein , wenn Ihnen ein Freund unschuldig gekränkt würde . Was aber jenen Fehler , ich sagte füglich , jenes Verbrechen , betrifft , das man diesen Leuten schuld gibt , so will ich keineswegs der Gerechtigkeit im Wege stehen , nur sie zu befördern bin ich außerstande . Sie selbst können , dünkt mich , doch wohl am besten wissen , was Ihrem Freunde allenfalls zuzutrauen wäre , Sie dürfen von ihm aus dann getrost auf die Gesinnungen des Schauspielers schließen , denn beide sind ja ein Sinn und ein Gedanke . Richten Sie also . Sie waren zwar nicht Zeuge jenes Abends , aber die Dokumente liegen in Ihren Händen , was hätt ich demnach vor Ihnen voraus , das mich zu einem Urteil geschickter machte ? « Der Herzog stand auf , machte einige Schritte und sagte dann im freundlichsten Tone : » Ich tat Ihren Unrecht , meine Liebe ! vergeben Sie ' s. Ich sehe , wir sind beide in einer und derselben Verlegenheit , und wären so ziemlich gleich geneigt , das Ganze zu entschuldigen , wenigstens zum Guten zu wenden . Ich finde nun erst , wie unbillig es von meinem Bruder war , mich in diesen schlimmen Fall zu setzen , wie töricht von mir , den Auftrag anzunehmen . Zwar auch meine Ehre mußte dabei interessiert sein , aber je leidenschaftlicher ich die Sache aufnahm , um so weniger konnt ich hoffen , klar darin zu sehen , und meinem Unwillen hielt auf der andern Seite die Neigung für Nolten kaum das Gleichgewicht , da diese , in