aber nicht zum Ausbruch kommen : » Glücklich Neujahr ! « schrie er , dem Schöffen an den Hals fliegend : » so viel Gesundheit , als dazu gehört , Methusalems Alter zu erreichen , so viel Geld als der Kaiser brauchen würde , um zu sagen : Ich habe genug ; und so viel Glück als Töchter der Freude hier zu Frankfurt hausen ! Ich zweifle nicht , daß Ihr diese Wünsche mit einem feinen Geschenk vergelten werdet , und will es in dieser Voraussetzung dabei bewenden lassen , alter Schwager . « Diether blickte ihn stumm und achselzuckend an . » Mit einem guten Rathe zum Mindesten will ich des Überlästigen Glückwünsche , so widerlich sie sind , vergelten , « sprach er , » kommt ja nie mehr gen Frankfurt ; stellt Eure Auflauerungen in der Umgegend ein ; haltet Euch fein still zu Gelnhausen . Paul , der Webergesell aus Bonames ist so eben in seines Meisters Hause in der Schnarrgasse verschieden , nachdem er ein Bekenntniß abgelegt , das über den zu Bonames verübten Mord viele , die wichtigsten Aufschlüsse gibt . Der Stadtpfaffe2 wird das Bekenntniß bei Rathe niederlegen und auf Eure Verdammung antragen . « - Veit wurde blaß ; ermannte sich jedoch : » Verdammtes Lügengespenst ! « rief er : » Der Rath hat nicht mich zu verdammen , ich stehe nicht unter ihm . « » So haltet Euch auch fern von seinem Weichbild , « ermahnte Diether : » die Unthat ist auf seinem Boden verübt worden , und wir verstehen keinen Scherz . Daß ich Euch jetzo warne , läuft schon wider der meine Pflichten . Berücksichtigt aber mindestens diese Warnung , und bringt ferner uns nicht Gefahr durch Eure Einkehr . « » Gefahr ? « lachte Veit mit grimmigem Hohne : » Ehre bringe ich Euch ; mehr Ehre , denn Ihr verdient , ungastlicher Mann . Ein Sprosse alten Geschlechts , wie ich bin , sollte sich Recht vor Recht scheuen , in ein Haus wie das Eure zu treten ; diese Auszeichnung verdankt Ihr nur Eurem Weibe , das sich zu Euch herabließ . Ich hoffe dafür nicht mit Undank belohnt zu werden . Für ' s Erste weigert Euch nicht , mir den Jahrgehalt verabfolgen zu lassen , den Margarethe mir bisher zahlte ; zehn Pfund Heller , nicht mehr , nicht weniger . Gerade so viel kostet ' s , um Bürger bei Euch zu werden - lege ich zwei Pfund darauf , so kann ich einen Mord abthun vor Gerichte , wär ' s auch der des Pfaffen zu Bonames . « Margarethe schlug beschämt die Augen nieder . Diether sah strenge auf sie , und sprach : » Ich wußte wohl , daß meine Ehefrau Euch zudringlichen Gesellen dann und wann mit Almosen bedachte , aber von einem Jahrgehalte weiß ich nichts , und ein so Reichliches erwartet nimmer . « » Ihr wißt wohl von Vielem nicht , was Euere Wirthin thut ; « äußerte Veit hämisch grinsend : » ' s ist kein Wunder ; nicht Eure Haare allein , auch Euer Verstand und Witz ist alterschwach geworden . « » Glaubt ihm nicht , dem schamlosen Lügner ; « bat Margarethe den stutzig werdenden Gatten . » Er mißbraucht auf unerhörte Weise die Blutsfreundschaft , die mich leider an ihn fesselt . Ich gab nie so viel ; Eure Gebote waren mir heilig , lieber Herr ! « » Glaubt ihr doch ; « spottete Veit ihr nach : » Im Grunde sagt sie die Wahrheit . Nicht sowohl zu meinem Nutz und Frommen , als zu Andrer Wohlseyn wird sie Euere Geldtruhe leeren , und wohl bekomm ' s Euch , schäbiger Filz . Indessen säumt nicht , mir das verlangte Geld einzuhändigen . Ihr möchtet sonst einen Tanz erleben , daß Euch die Haare zu Berge stehen . « » Ihr droht , in meinem Hause ? « fuhr Diether zornig auf : » So ihr Euch vergeßt ! .... « » Wir haben ein lustig Sprüchlein ; « sprach Veit unbekümmert weiter : » das lautet also : Rother Hahn und rothes Eisen soll den Bürgern Sitte weisen ! Merkt Euch das . Der Hahn kommt geflogen , ehe man sich ' s versieht ; und das Eisen braucht nur eine kühne Faust . Zahlt aus , stürzt den Seckel . Schon um die Freude , mich los zu seyn , sputet Euch . « » Schändlicher Bube ! « grollte der Altbürger , und knüpfte den Beutel ab , den er am Gürtel trug , und dem Schwager verächtlich vor die Füße warf . Dieser hob ihn aber geschmeidig auf , wog ihn in der Hand , und sagte : » ' s wird weniger seyn , denn ich verlangte ; dafür seyd Ihr aber auch ein Frankfurter Bürger , der sich nicht schämt , an seinem Wechseltisch mit dem schmutzigsten Gewertschen3 um einen falschen Schilling zu jüdeln ; und , wenn ich Zeit habe , hole ich das Fehlende nach . « » Thut es nicht , « entgegnete Diether : » es möchte Euch theure Zinsen kosten . Packt Euch jetzt . Der Imbis wartet auf uns , und für einen verwiesenen Landstreicher ist kein Stuhl an meinem Tische . « So eben brachte Else den kleinen Hans herein , und Veit flog wie ein Stoßvogel auf den Knaben zu , und herzte ihn mit widriger Zärtlichkeit , so sehr Kind , Magd und Mutter es zu wehren suchten . » Laßt mich doch ! « rief der Junker : » ist der Bube doch mein Neffe ; gewisser mein Neffe , als Euer Sohn , Graubart ! - Höre doch , mein Junge , den alten Mann , welch tolles Zeug er redet . Der Kaiser kann nicht hochmüthiger seyn , als er . Lache ihn aus , dicker Bube , lache ihn aus . « Diether , der kaum