der gehemmte Blutstrom verdoppelt in seine Wangen ; er schloß uns beide zugleich , mit Heftigkeit , in seine Arme und rief : » Willkommen an dem Herzen eures Bruders ! « Dann grüßte er die übrigen und beantwortete die Fragen seines Vaters mit der gewohnten Klarheit und Ruhe . Die Mutter betrachtete ihn oft unvermerkt von der Seite und schüttelte heimlich den Kopf , doch schien auch sie froh , daß der gefürchtete Augenblick vorüber war . Nun ging es an ein Erzählen und Erkundigen , daß die Mitternacht ganz unbemerkt über unsre Versammlung hereinbrach . Im ganzen hörten Mucius und ich nichts Unerwartetes . Daß ein einziger Schlag entscheiden würde , hatten wir freilich nicht voraussehn können ; wenn es aber doch so enden mußte , so war es gut für Frankreich , daß es schnell endete . Der Held des Trauerspiels wird hier sehr verschieden beurteilt . Bei Extremen , denke ich , liegt die Wahrheit ziemlich in der Mitte , die Zeit , das Endurteil zu sprechen , ist noch und lange nicht erschienen . Der Ort seines künftigen Aufenthalts interessiert mich sehr , ich kenne die glückliche Insel . Oh , könnte ich ihm meine Ruhe geben , er würde dort glücklich leben ! Freilich macht der Gedanke , gefangen zu sein , eine Änderung ; aber auch in Fesseln ist der Weise frei , und ein königlicher Gefangener gebietet seinen Wächtern . Wie sehr die neuesten Begebenheiten Europa erschüttern , davon spürt man hier besonders die Wirkungen an dem Heere der Ausgewanderten , welche in den hiesigen Häfen landen . Wie die Möwen beim drohenden Sturme an das Ufer eilen , so verlassen die Menschen den gärenden Weltteil und fliehen zu unseren Friedensküsten . Auch Ellisons Schiff hat interessante Flüchtlinge an Bord genommen , während es in einem niederländischen Hafen ankerte ; einen deutschen Mechaniker namens Frank nebst Frau und zwei Schwestern , einen Baumeister aus Verona , einen florentinischen Arzt mit seiner Schwester und einen niederländischen Kunstgärtner mit seiner Frau , sämtlich gebildete Menschen , jung und lebensfroh , welche hier ein besseres Fortkommen und ein freieres Dasein suchen . Die lange Reise hat sie mit William eng befreundet , welchem besonders die Mädchen mit unschuldiger Freundlichkeit entgegenkommen . Er zeichnet darunter die jüngste der deutschen , mit einigem Wohlgefallen , aus . Philippine ist innig vergnügt über diesen Zuwachs unserer weiblichen Gesellschaft und macht die Wirtin mit so vieler Anmut , daß die Fremden sich schon ganz einheimisch finden . Seit gestern abend ist unser munterer Kreis etwas verstört durch die Unpäßlichkeit des Vaters Ellison . Die Symptome sind bedenklich , unser Florentiner fürchtet das gelbe Fieber und ermahnt uns alle , einen andern Aufenthalt zu wählen , er selbst weicht nicht von dem Kranken , hat aber um den Beistand des Hausarztes gebeten . Die Gesellschaft versammelt sich jetzt auf dem Landhause . Ich werde die Nacht in der Stadt zubringen , um Philippinen abzulösen , welche , nebst der Mutter , die vorige Nacht durchwacht hat . Mucius und William wollten mich daran verhindern , ich stellte ihnen aber vor , wie oft der eine den Schlacht- , der andere den Seesturm bestanden , mit fester Treue in ihrem Beruf . » Des Weibes Beruf ist , am Krankenbette Pflege zu leisten « , setzte ich hinzu . Die Lage wird gefährlicher . Das gelbe Fieber ist nicht mehr zu bezweifeln ; auch die Mutter hütet das Bett . Das Haus ist gesperrt , die Gemeinschaft mit dem Landhause ist gänzlich aufgehoben , wozu ich freiwillig das meiste beigetragen habe . Wie könnte ich Mucius , Philippine und William in Gefahr wissen ! Ich habe den ersteren in einigen Zeilen beschworen , die Geschwister mit Gewalt zurückzuhalten , wie es selbst die Eltern wünschen ; über mich mag die Vorsicht walten . Sollte mich die Krankheit ergreifen , so konnte dies schon bei der ersten Nachtwache geschehen ; aber ich hoffe auf meinen Mut und vernachlässige keines der Mittel , welche mir Salvito , der Florentiner , empfiehlt . Dieser hält treulich mit mir aus . Das Studium seiner Kunst verdrängt bei ihm jede andere Rücksicht ; mich beseelt Dankbarkeit und Freundschaft , ich kann die guten Alten nicht unter fremden , bezahlten Wärtern wissen und teile meine Pflege zwischen ihnen . Ihr zufriedenes Winken , sooft sie zum Bewußtsein kommen , lohnt mir dafür . Es ist vorüber . Dieses Übel endet schnell . Armer William ! arme Philippine ! verwaist , ganz verwaist ! mein Herz blutet mit . Ach , ich habe ihren Schmerz empfunden ! Sie sind um vieles glücklicher , als ich es war , sie trauern gemeinschaftlich . Noch immer bin ich die Schaffnerin dieses verödeten Hauses , welches kein fremder Fuß zu betreten wagt . Heute , in der Stille der Mitternacht , werden Salvito und ich die dichtverschlossenen Särge der verstorbenen Gatten zur Gruft geleiten . Verhüllte , scheue Leichenträger werden die einzigen Begleiter sein und John , der treue John , welchen nichts abhalten konnte , seinen Wohltäter noch einmal zu sehen . William hat auch zu uns gewollt , aber man hat es verhindert . Philippine liegt krank , wie mir John sagt , Gott verhüte , daß sie schon von dieser fürchterlichen Krankheit ergriffen ist , deren Ausbreitung die Gesundheitspolizei , mit großer Wachsamkeit , zu verhindern strebt . Morgen werden wir auf dem Hofe des Hauses das sämtliche Mobiliar , mit Wäsche und Kleidungsstücken , verbrennen . Ich werde ein Bad nehmen und mich unmittelbar darauf in frische Wäsche und Kleider hüllen , welche man mir von außen reichen wird . Dann verlasse ich dies traurige Haus des Todes , um wieder aufzuleben in den Armen der Liebe und den leidenden Freunden beizustehn ; Salvito und John werden mich begleiten . Vom Landhause , nach 14 Tagen Alles ist glücklich überstanden . Trotz der beobachteten Vorsicht war ich doch nicht ohne Besorgnis für meine Lieben und näherte mich