gern davon , wie die Männer von ihren Degen . Die beiden Glücklichen hörten nur den Segen , sie glaubten nie des Fluchs zu bedürfen , der Himmel war noch abendklar und sie vergaßen in seliger Beschaulichkeit , daß ihnen noch ein großes Fest bevorstand . Bald aber erinnerte sie daran der Gruß eines starken Mannes , der sich mit einer Kiste dem Hause nahte und Anna einen guten Abend bot . » Das ist Meister Kugler , der reiche Schlächter « , sagte sie ärgerlich zu Berthold , » der freit um mich schon seit einem Jahre und ich kann ihn nicht los werden , nun will er uns noch den schönen Abend verderben . « - » Bei Verlobungen und Hochzeiten kommen immer überlästige Gäste « , sagte die Mutter , » aber das befehle ich dir , sei nicht hart gegen ihn , niemand meint es besser , wie der ; wäre Berthold nicht zwischen gekommen , du hättest ihn doch heiraten müssen . « Nun trat der Meister hinkend ein und erzählte , daß er ein schönes Kleid bringe und sich Annens Gesellschaft zum Ball erbitte . - Die Mutter aber dankte ihm freundlich , drückte ihm die Hand , indem sie ihm versicherte , ihre Tochter habe schon einen Begleiter , dieser Begleiter sei Berthold , ein alter Freund von ihr und jetzt der Tochter Verlobter . Kugler starrte Berthold an , der starke Mann mußte sich halten , so überraschte ihn die Nachricht , endlich faßte er sich und sprach : » Herr Berthold , Ihr seid zu meinem Ärger auf die Welt gekommen , erst stecht Ihr mich heute aus dem Sattel und jetzt bei dem Mädchen aus . Beim heiligen Kristophel , wenn ich Euch so ansehe , ich kann ' s nicht glauben , daß ich Euch unterliegen mußte , wovon ich noch am linken Fuße hinke , der Fuß tut mir sehr weh . Nun sagen auch die Leute , Ihr wäret des Kaisers Liebling und aller heidnischen Sprachen Meister . Da sagt mir beim heiligen Kristophel , was wollt Ihr mit der großen Dirne noch dazu , die laßt mir . Ihr kriegt überall eine vornehmere und reichere , die in Gelehrsamkeit erzogen ist , ich aber kann keine andre brauchen , als so eine , die ein halbes Rind aufheben und an den Haken hängen kann , wenn ich gerade nicht im Scharrn bin , auch muß sie den Lehrburschen eins verreichen können , wenn sie die Wurst nicht fein hacken . « - » Lieber Meister « , antwortete Berthold , » unser Ännchen kann mehr , als das , wollt Ihr nur ein starkes , großes Mädchen , ich schaffe Euch in Waiblingen ein Dutzend zur Auswahl . « - » Darauf gebt mir die Hand « , antwortete Kugler , » und so will ich mir Annen aus dem Kopf schlagen , aber das Kleid kann sie wohl von mir noch annehmen . « - » Das ziehe ich an « , sagte die Mutter , um ihn zu versöhnen , » denn für die Tochter hat Berthold schon gesorgt , Ihr fahrt mich und bildet Euch ein , ich sei Eure Braut . « - » Ei Mutter « , sprach er , » mache einen rechten Ernst daraus , ich bin dir auch recht gut und in der Wirtschaft bist du noch brauchbarer , als Anna , ich werde gar zu sehr betrogen , wenn ich länger allein wirtschafte . « - » Nun das hat Zeit « , sagte die Mutter Apollonia , » wollen uns darüber noch ein zehn Jahre bedenken , aber zum Tanz gehn wir mit einander , laßt uns nur das Zimmer frei , damit wir uns dazu ankleiden können . « Berthold führte den heiratslustigen Meister in die Laube vor der Haustüre , übersah so die Straße und sprach , um von dem unbequemen Verhältnisse des Mannes zu Annen abzukommen : » Es ist doch eine herrliche Sache um den Eifer fürs gemeine Wohl , der in Reichsbürgern liegt , auch in den Vergnügungen zeigt es sich , sie lieben das Öffentliche und Gemeinsame und setzen darin ihre Ehre , während die Bürger andrer Städte ihre Feste lieber im engen Hause unter wenigen Verwandten feiern und keinen Kreuzer für öffentliche Lustbarkeiten zusammensteuern mögen . Und wie sie zur Lust nicht gemeinsam gesellt sind , so trifft auch jedes Unglück den einzelnen vernichtend , denn jeder fängt mit seiner Dummheit zu leben an und muß auch damit auskommen . Ja ich sage Euch , bis in Kleinigkeiten macht sich eine freie Stadt kenntlich , schon in den herrlichen Glocken tönt ' s entgegen aus der Ferne , da darf keine gesprungene scharren , dann kommen viele zierliche Gärten und auch im ärmsten ist noch etwas für den Anblick getan , die Zäune verziert und angestrichen , die Stadtmauern und Tore sind aber vor allem gut erhalten und aus den reinlichen Häusern strecken sich überall die Gewerbszeichen , wie Siegesfahnen heraus und die Wirte stehen ruhig und fest in den Türen , sie wissen , daß sie mit zu regieren haben . Sehe ich nun die vielfachen Waren in den Läden , so erkennt sich gleich die allgemeine Verbindung unter den Städten , der keine Entfernung zu weit ist , das Nützliche und Künstliche gegen gemeine Landeserzeugnisse einzutauschen . Im Einheimischen ist alles kunstreicher , das Brot weißer , die Semmel in allerlei lockenden Gestalten , die Braten kunstreich in der Haut gekerbt , daß Hirsche und Hasen drüber zu laufen scheinen . « - » Es gibt nur ein Augsburg « , rief Kugler , » wir Augsburger haben den Schelm im Nacken , ich sage Euch , zwölftausend Ochsen schlachten wir jährlich und darunter sind rechte Kerls . Auf unserm Kornhause bewahren wir hundertundeinjährigen Roggen , habe selbst davon kürzlich ein Probebrot gegessen , es ist etwas schwärzer , aber sehr nahrhaft ; wir haben einen Tanzsaal