so herzlich nach ihr gesehnt habe , daß sie dem Wunsche nicht widerstehen könne , sie bei ihrer Durchreise zu begrüßen . Die Herzlichkeit des anschmiegenden Mädchen that Luisen wohl , und milderte einigermaßen die Verwirrung , welche Augustens Gegenwart in ihr erregte . Diese hatte sich ihr vormals mehr abstoßend als liebreich gezeigt , und sie war daher um so mehr verlegen , sich jetzt in ihrer Nähe zu befinden . Allein Luisens veränderte Lage war es gerade , was sie in Augustens Augen hob , welche es für eine Art zu lösender Aufgabe ansah , der Gefallnen ihren Schutz angedeihen zu lassen und deshalb willig in Emiliens Vorschlag einging , hier einen Tag zu verweilen . Sie haben den Frühling um sich her gezaubert , sagte Auguste , im Hereintreten Luisens reichen Blumenflor beachtend . Sie thaten sicher wohl , denn die kleinen Zungen reden oft wahrer zu uns , als die schwankenden Menschenworte . Ja wohl ! rief Emilie , ich muß bei ihrem Anblick an Alles denken , was ich lieb habe . Luise seufzte , und ein welkes Blatt zerdrückend , sagte sie : der Tod spricht nur so unmittelbar aus ihnen , wie schnell zerstiebt die Farbenpracht zwischen unsern Fingern , und wir sehen wehmuthig dem blassen Staube nach ! Das höchste Entzücken , fiel Auguste ein , ist schmerzlich . Das liegt im Wechsel der Erscheinungen , den wir im flüchtigen Genuß vorempfinden , und über den hinaus wir das Ewige binden möchten . Aber dieser Wechsel , liebe Freundin , fuhr sie fast vertraulich fort , sollte dem wahrhaften Menschen eigentlich nichts anhaben . Wer die volle , gesammte Einheit in sich trägt , der könne , dünkt mich , dem Spiel der bunten Oberfläche ruhig zusehn . Er kennt die tief verborgne Bedeutung desselben und sieht in jedem Schmerz das Saamenkorn neuer Offenbarungen . Ich für mein Theil habe keinen Begriff von der Ewigkeit , der Trauer und jenem sehnsüchtigen Schmachten , das einen welken Schein über die ganze Schöpfung ausgießt , die Menschen in kränkliche Träume wiegt und sie in träger Hingebung mit Andacht und Frömmigkeit äfft , statt daß ein frischer Lebenshauch den Phönix aus der Asche erweckt . Wie schön Du redest , sagte Emilie , die während dem beifällig mit dem Kopf genickt und Luisen wiederholt ihr Entzücken mitgetheilt hatte . Es wundert mich nicht , daß Du den kalten Sir Arthur gewannest . Du könntest Steine beleben . Aber Sie wissen wohl nicht , liebe Luise , fuhr sie fort , daß unsre Freundin mit dem jungen Engländer verlobt ist , den Sie bei meinen Eltern sahen . Luise wußte es nicht , und erinnerte sich kaum ein flüchtiges Zeichen der Zuneigung zwischen Beiden bemerkt zu haben . Die arme Auguste , sagte Emilie weiter , hat sich jetzt auf mehrere Monate von dem Geliebten getrennt , der erst kommenden Herbst , und vielleicht noch später , aus seinem Vaterlande zurückkehrt . Ich begreife kaum , wie sie den Schmerz der Trennung so überwindet . Den Menschen , hub Auguste sinnend an , den wir einmal wahrhaft sahen , den sahen wir , den werden wir ewig sehen ! Zeit und Raum sind in dieser Hinsicht höchst untergeordnete Begriffe , die dem Wesen tief empfundner Liebe entgegenstehn . Emilie bewunderte auf ' s neue diese Stärke der Gesinnung , und sagte sehr naiv , daß sie den Geliebten entweder gar nicht aus ihren Armen gelassen , oder ihn gleich aufgegeben hätte , denn sie kenne sich und die Menschen , und wisse , daß über den ersten , entsetzlichen Schmerz der Trennung hinaus , die Welt gar zu lockend und lieblich auf die Herzen eindringe , die solch gegebnes Wort nur peinlich hin und her zerre . Von hier ging sie freudig zu den Verhältnissen zur Welt im Allgemeinen über , lobte das beweglichere Leben in den Städten , erzählte von ihrem nahen Aufenthalt in der Residenz , und schloß damit , Luisen dringend um ihre Begleitung dorthin zu bitten . Wider alles Vermuthen stimmte Auguste mit in diese Einladung , und bot ihr sehr gastlich einen schicklichen Aufenthalt in ihrem Hause an . Hierdurch wurden nothwendig Luisens frühere Verhältnisse berührt . Theilnahme erweckt Vertrauen . Das weibliche Herz erschließt sich um so leichter , je dringender ihm in manchen Augenblicken Mittheilung wird . Emiliens liebreiches Entgegenkommen rührte Luisen , und wenn ihr auch die Denksprüche und geformelten Phrasen der belesenen Auguste fremd blieben , so klangen sie doch gewichtig , und zwangen sie mit einer Art von Achtung zu der Rednerin aufzusehn , deren Urtheil sie ihre Unerfahrenheit unterwarf , und daher ohne Rückhalt zu Beiden sprach . So verging dieser Tag und ein folgender , ohne daß sich Luise gleichwohl über jenen gethanen Antrag bestimmte . Allein Emilie hörte nicht auf , sie mit Liebe und Bitten zu bestürmen , und sagte ihr endlich in einem Augenblick , in welchem sie Auguste verlassen hatte , daß sie ihrer Theilnahme in einer ziemlich mißlichen Lage bedürfe , daß Auguste ihr zu fern stehe , und nur ein Herz wie das ihre sie verstehn könne . Hierauf entdeckte sie ihr ohne Weiteres ihre Liebe für den jungen Maler , die seit ihrer frühesten Kindheit ihr Herz erfüllte . Zugleich aber auch , wie lange Trennungen dies Verhältniß unterbrochen und ihre gegenseitige Zuneigung oftmals abwärts gelenkt hätten , weshalb auch ihre Mutter lange keinen Verdacht gehegt , neuerlich aber durch ein unvorsichtig verwahrtes Billet hinter die Wahrheit gekommen sei , und , ohne einen großen Zorn blicken zu lassen , nur erklärt habe , daß , da sie das Geschehene nicht ungeschehen machen könne , sie allein den Anstand für die Zukunft retten und so schnell als möglich eine schickliche Partie für sie suchen werde . Diese Partie , setzte Emilie hinzu , ist nun gefunden , und da wir Beide von der Unmöglichkeit einer gesetzlichen Verbindung nur zu sehr überzeugt sind , und die Gründe dagegen