sank an meine Brust , und seine Thränen , die zu fließen anfingen , erleichterten sein gepreßtes Herz . Ich trug ihm nun die Begebenheit so vor , wie ich sie ansah , wie sie eigentlich war , und wie ich sie dir berichtet habe . Das schien ihn etwas zu beruhigen , er faßte die Vorstellung begierig auf , daß seine Larissa nicht so viel gelitten hatte , daß ihr nun besser sey , als ihm . Dennoch blieb eine wilde Schwermuth , die an Verzweiflung grenzte , in seinem Wesen . Endlich stand er auf . » Verzeih , daß ich dich verlasse , mein Zustand bedarf der Einsamkeit , der Ruhe - in ein paar Stunden sehen wir uns wieder . « Ich sah ihn zweifelnd an : Fürchte nichts , antwortete er , indem er mit einem wehmüthigen Lächeln meine Hand ergriff : was dir deine Religion verbietet , erlauben mir meine Grundsätze auch nicht . Ich schämte mich meines Verdachts , und verließ ihn . Nach einer langen Zeit suchte er mich wieder auf : Er war gelassener als vorhaben und im Stande , zusammenhängend über die schreckliche Geschichte und seinen Verlust zu sprechen . Dann ordnete er an , daß Larissens Schlafgemach mir und ihm zur Wohnung eingerichtet werde . Ich wollte mich anfänglich diesem Vorhaben , aus Schonung für ihn , widersetzen ; aber ich sah bald , daß sein Herz nicht wie die gewöhnlichen Herzen war . Die Umgebungen , in denen sie gelebt hatte , die Erinnerung an ihre Tugenden , an ihre Geduld , an ehre Liebe zu ihm , schienen sein Gemüth zu erheben , statt seinem Schmerz zu vergrößern . Er fing am andern Morgen an , mit mir in der Gegend herumzugehen , sich nach Allem was vorgefallen war , zu erkundigen , und thätige , und sehr zweckmäßige Anstalten zur Verhütung eines neuen solchen Unglücks zu treffen . Die Einwohner wurden angewiesen , ihre besten Sachen in die nächste Stadt zu bringen . Er ließ den Männern Waffen austheilen , ordnete an , wie sie sich üben , und zur Vertheidigung vorbereiten sollen . Er veranstaltete Lärmsignale auf den Hügeln , wodurch in wenig Augenblicken die ganze Gegend aufgeschreckt , und unter den Waffen seyn kann . Kurz , es schien , als ob sein eigener Verlust vor der allgemeinen Gefahr verschwunden wäre , und er nur für Andere denken , für Andere sorgen könnte . Wenn wir dann allein waren , kehrte die schmerzliche Empfindung freilich mit doppelter Starke zurück ; aber ich bin versichert , daß sie seine Tugend nie überwältigen , nie seine Kraft zum Guten lähmen wird . Er hat mich gebeten , ihn nach Nikomedien zu begleiten , wohin er morgen abreiset , um noch kräftigere Anstalten zur Abtreibung der feindlichen Einfälle zu machen . Ich konnte ihm diese Bitte nicht versagen , denn ich gestehe dir , daß ich ihn liebe und verehre . Auch Larissens Schleier habe ich ihm gegeben . Er war dieses Vermächtnisses so würdig als du , und seiner vielleicht noch mehr bedürftig . Zwar schauderte er bei Erblickung desselben und der Spuren von Blut , die daran hafteten ; seitdem aber , glaube ich , ist er nie wieder von seiner Brust , auf der er ihn verwahrte gekommen . Ich weiß , meine Freundin ! daß du mir diesen Raub und mein längeres Außenbleiben verzeihst . Sage dasselbe auch unserm verehrten Vater Theophron , und erwirke mir von ihm Verlängerung meines Urlaubs . 36. Sulpicia an Calpurnien . Synthium bei Nikomedien , im Febr . 302 . Ich bin in Synthium , meine Geliebte ! auf dem Landhause unsers , deines Freundes Agathokles . Eine angenehme Stille umgibt mich , und wiegt nach einer langen Zeit voll Zerstreuungen und Erschütterungen meine ermüdeten Sinne in eine wohlthätige Ruhe . Agathokles besucht uns , so oft es seine Geschäfte erlauben , und mein Tiridates bringt alle Zeit , die er dem Hofe abmüssigen kann , bei mir zu . Ich bin frei , Galerius hat meine Scheidung bewilligt , und den Befehl darüber an den Senat von Rom und den Serranus Anicius gesandt . So sind denn alle Plane ausgeführt , alle Wünsche erfüllt , und ich kann ruhig dem Zeitpunkt entgegen sehen , wo keine Macht der Welt mich mehr den Armen meines Tiridates wird entreißen können . Nichts stört den vollkommenen Genuß meines Glücks , als die noch fortdauernde Schwäche meiner Gesundheit , eine Folge den langen Leiden und Kränkungen . Sie sind verschwunden , aber ihre Wirkungen fühle ich noch . Auch die Jahreszeit hatte während der Seereise nachtheilig auf mich gewirkte . Ich kam krank in Nikomedien an . Aber , meine Calpurnia ! um keinen Preis möchte ich die Erfahrung dieser Krankheit nicht gemacht haben . Sie hat mir Tiridates Liebe in noch glänzenderem Lichte gezeigt . Ich bin ganz glücklich . En ließ mich ohne weitere Vorbereitung , fest auf Agathokles Freundschaft rechnend , gerade in sein Haus führen , er trug mich auf seinen Armen aus der Sänfte in das Zimmer , das uns der freundliche Wirth selbst anwies . Agathokles bewährt sich auch jetzt , wie immer , als einen der besten Menschen , er empfing uns mit rührender Freude , und behandelt uns wie geliebte , Geschwister . Ich finde ihn sehr verändert - doch davon nachher . Jetzt laß mich dir nur erzählen , daß ich seinen Bemühungen für Alles , was er zur Erleichterung meiner Lage dienlich fand , und Tiridates zärtlicher Sorgfalt größtentheils meine Wiederherstellung verdanke . Das Geräusch , die Unruhe in der glänzenden Hauptstadt des Orients wurde mir bald zur Last . Agathokles errieth meinen Wunsch , und bot mir seine Villa Synthium , die einige Meilen von Nikomedien liegt , ein Erbtheil seiner Mutter , zum Aufenthalt an . Ich nahm es mit Vergnügen an . Das Einzige , was meine Freude störte , war die Bemerkung , daß Tiridates sich