Freiheit , die ihr zu Theil geworden war . Zur festgesetzten Zeit kehrten wir nach Wien zurück . Die Ausgewanderten unterließen nicht , sich wieder bei uns einzufinden , sobald sie unsere Ankunft erfahren hatten ; allein wir hatten es jetzt in unserer Gewalt , jede beliebige Stellung gegen sie anzunehmen . Aurora stellte sich zuerst ein , und ganz offenbar legte sie es darauf an , uns durch ihre Familiarität in das alte Geleise zurück zu führen . Doch die Feierlichkeit , die wir ihr entgegensetzten , verwirrte sie so , daß sie sich ein Dementi über das andere gab , bis sie mit Bekenntnissen hervortrat , auf welche wir gar nicht gefaßt waren . Ihrer Aussage zufolge war unter allen diesen Personen keine einzige ehrliche Seele . Was sie von jeder einzeln sagte , soll mit Stillschweigen übergangen werden . Genug , wir wurden , wenn auch nur die Hälfte von Aurorens Offenbarungen Glauben verdiente , hinlänglich überzeugt , daß wir es mit eigentlichem Auswurf zu thun hatten , der es wohl verdiente , von der Welt verlassen zu seyn und sich selbst zu bekämpfen . Aurora selbst wünschte sich an uns anschließen zu können ; allein wir lehnten ihre Bitte ab , weil , wie gut auch ihre Vorsätze für den Augenblick seyn mochten , ihr Inneres durch langen Mißbrauch allzusehr verdorben war , um noch einmal zu genesen . Wir verweilten noch einige Wochen in Wien , um der Welt zu zeigen , daß es zwischen uns und den Ausgewanderten zu einem förmlichen Bruch gekommen wäre , den wir selbst zu Stande gebracht hätten . Alle Billets der Gräfin , des Chevalier u. s. w. , die während dieser Zeit ankamen , wurden angenommen , aber nicht beantwortet . Der Verlust , den Eugenia gelitten hatte , war bedeutend genug ; indessen ließ er sich ertragen , wenn man in Anschlag brachte , daß sie bestimmt war , noch weit mehr zu verlieren , und nicht nur ihr Vermögen , sondern auch ihre Moralität und ihre Ehre einzubüßen . Hierüber hatte uns Aurora so vollständige Aufschlüsse gegeben , daß die Sache keinem Zweifel unterworfen war . Wien verließen wir mit der traurigen Reflektion , daß , mit allem guten Willen uns an Deutsche anzuschließen , wir unsere Zuflucht zu egoistischen Franzosen hatten nehmen müssen , die in uns nur die leichte Beute schätzten . Wir durchreiseten einen großen Theil des deutschen Reichs , um einen Aufenthalt zu finden , der unseren Neigungen entspräche ; allein wir kamen nicht eher zur Ruhe , als bis Eugenia sich entschloß , in der Nähe von W ... das Gut zu kaufen , das wir noch immer bewohnen . Seit dieser Zeit leben wir in unserer eigenen Welt , hinlänglich geschieden und hinlänglich berührt von unserer Umgebung , um in voller Freiheit zu existiren . Unsere Sorge ging gleich Anfangs dahin , das Nützliche dem Schönen so unterzuordnen , daß dieses ein hinreichendes Fundament in jenem erhielte ; und dies ist uns über alle Erwartung gelungen . Unser Gütchen ist der Wohnsitz der Reinlichkeit , der Ordnung , der Bequemlichkeit und Gastfreundlichkeit ; und in sofern diese Schöpfung von uns ausgegangen ist , macht sie , hoff ich , unserem Verstande keine Unehre . Die Angelegenheiten der Wirthschaft sind unter uns so getheilt , daß jede von uns ihren eigenen Wirkungskreis hat , ohne gleichwohl dadurch so beschäftigt zu seyn , daß wir außer Stande wären , uns im Nothfall zu ersetzen ; denn wir haben das Geheimniß aufgefunden : Alles so zu ordnen , daß es nur eines leichten Impulses bedarf , um das Ganze im Gange zu erhalten . Den Frieden neben die Thätigkeit zu stellen , dies ist die große Kunst bei allen Organisationen ; und diese Kunst ist von uns ausgeübt worden . Wir würden noch immer glücklich seyn , wenn wir auch ganz von der Welt getrennt lebten . Dies ist aber nicht der Fall ; wir leben vielmehr mitten in der Welt . Es kam darauf an , eine solche Stellung zu gewinnen , daß wir von dem Geräusch um uns her nur gerade so viel berührt würden , als sich mit der Bestimmung vertrug , die wir uns selbst gegeben hatten . Zu diesem Endzweck konnten wir uns nur dem Umgange solcher Personen hingeben , die wirklich zu uns paßten ; allein , indem wir in dieser Hinsicht so klug als vorsichtig waren , brachten wir es dahin , daß wir die ganze Welt durch wenige Personen in einem kurzen Auszuge um uns herstellten . Wer sich mit dem Volumen befaßt , wird davon erdrückt ; wer hingegen Verstand genug hat , nur nach der Quintessenz zu streben , behält seine ganze Freiheit und wird durch die höchsten Genüsse belohnt . Durch Sie , mein theurer Cäsar , wurde ich von neuem in die deutsche Literatur eingeweihet , die mir seit vielen Jahren fremd geworden war ; und dafür danke ich Ihnen , wenn es eines Dankes bedarf . Ich habe mich überzeugt , daß die Deutschen in jeder Kunst und Wissenschaft seit ungefähr dreißig Jahren Riesenschritte gemacht haben ; und weit entfernt , an einen nahen Stillstand zu glauben , erwarte ich vielmehr von der Zukunft noch glänzendere Perioden . Mag doch die große Mehrheit der Schriftsteller in gar keine Betrachtung kommen ; dies verschlägt demjenigen nichts , welcher einsieht , wie nothwendig sie sind , um einen ausgezeichneten hervor zu bringen . Auch das Gold erzeugt sich nur in Bleistufen ; und wer verlangt es , daß kein Blei existiren soll ? Alle materielle Industrie ist die Bedingung der immateriellen , und in dieser Ansicht mögen wir jene wohl verzeihen . In der That , ich freue mich , die Zeit erlebt zu haben , in welcher Göthe ' s natürliche Tochter erscheinen konnte . Höher als jedes andere Produkt desselben Meisters setz ' ich dieses . Mag die Mitwelt darüber urtheilen wie sie wolle , die Nachwelt wird darin nur