keine Freundeshand davon hinwegpflückt . - Drei und dreißigstes Kapitel Fried ' und Freude wohnte mit den Edeln . Keiner gewahrte , daß die , von der alles Glück ausging , selbst des schönsten beraubt war . Alberts unablässiges Streben war , einen Kreis von immer jungen Freuden um seine Theure zu ziehen , so daß sie , ihres Unglücks vergessend , ganz in seiner Liebe lebte , die nicht vulkanischer Natur , sondern ein ewiges ruhiges Feuer , wie jenes , das allen Dingen Leben und Gedeihen giebt , war . Ihren Nachbarn , auch den fernern , sich mitzutheilen , stifteten sie einige Feste , die sie Volksfeste nannten , woran alles , auch der Hüttenbewohner , auf der Güterbesitzer Kosten Theil nahm . Z.B. wenn der erste Schnee fiel , wenn das erste Gewitter war , wenn die Bäume blühten ; die Heut , die Kornerndte : dann war den Sonntag Tanz , und Bier und Braten im Herrschaftshause für die Gemeine , und Thee und Musik für die Herrschaft . Den Thee nannten sie die Wasser-Feten , der aber freilich mit allem verbrämt wurde , was der Wohlstand zuläßt . Als sie eines Tages im traulichen Zirkel versammelt saßen , forderte Albert den Onkel und die Tante auf , ihm etwas aus den Kinderjahren seiner lieben Albertine zu erzählen . Beide begannen zugleich und jeder bestritt die Erzählung des andern und berichtigte sie nach seiner Weise , bis Elise ihrem Bruder mit komischem Zorn ein an ihrem Busen abgewelktes Blümchen an den Kopf warf ( denn auch im Zorne war sie zart ) und sie die Erzählung allein über sich zu nehmen verlangte . » Albertine « - sagte sie - » war uns allen ein kleiner , vom Himmel gesandter Engel ; aber schon als Knöspchen war sie einst dem Welken nahe ; eine ruchlose Amme , die - ganz ungesund war - - die arme Albertine mußte mit dem unseligen Geschöpfe zugleich mediciniren , und dann ohne die natürliche Nahrung der Kinder aufgezogen werden « - Albert sprang mit ungewöhnlichem Feuer von seinem Sitze , umarmte plötzlich die Tante mit dem Ausruf : » Vortrefflichste Tante ! ist das wahr ? Wissen Sie das gewiß ? « Elise erschrak zum Erblassen und betheuerte die Wahtheit ihrer Erzählung , die dann auch Dämmrig bestätigte . Nun verlangte sie den Grund zu Alberts Freude zu erfahren . » Wie ! « rief er , wie außer sich ; » dann ist ja noch Hoffnung , freudige Hoffnung für meine Geliebte . Ein Mädchen meiner Familie befand sich im nemlichen Fall und wurde im drei und zwanzigsten Jahre von ihrer Blindheit hergestellt . Fort , fort zum Arzte , der dies Wunder bewirkte ! « Albertine hoffte nicht , aber sie ergab sich allem , was der sorgsame , liebevolle Gatte beschloß . - Sie reisten zum Arzt ; er sah , untersuchte und verzweifelte nicht . Die Schuldlose , die Reinste unterwarf sich einer Behandlung , wie das sich selbst bestrafende Laster sie erfährt , und in vierzehn Wochen - o , des schönen Lohnes ihrer frommen Resignation ! - sahe sie den ersten Lichtschimmer wieder . Still betend , begrüßte sie das ihr wieder auflebende Licht . Laut jubelnd trat Albert vor sie , als sie zuerst wieder sein Antlitz dämmernd erblickte . In einem halben Jahre kam sie sehend aus zwei recht schönen gestärkten Augen zurück . Ihr Dank , ihre Freude , als sie an den Busen der Freundinnen sank , grenzte an Verzückung ; sie erlag beinahe der Stärke ihres Gefühls . Zögernd aber und bänglich nahte sie sich dem Spiegel , den scheuen Blick kaum auf ihre Gestalt wagend . Albert gab es nicht zu , daß sie irgend etwas über ihre so sehr veränderte Bildung sagte ; er küßte allen Harm von der Lippe hinweg . Nur Freude , und wieder Freude , und überall Freude , sollte die Losung seyn ! Der Arzt wurde fast königlich belohnt . Henriette wurde bald nachher die glückliche Gattin von Albertinens Bruder , der von der seinigen , ihrer Unredlichkeit wegen , sich hatte scheiden lassen , und blieb so im Kreise der Guten , ein theures Mitglied desselben . Adelaide fand sich durchaus so im schönen Gefühle ihrer Tugenden glücklich , daß sie in ihrer Lage nichts zu verändern wünschte . Das schöne , jugendliche Mädchen schlug jede Verbindung aus ; sie gestand jetzt , daß ihre erste und einzige Liebe mit Lindenhain begraben sei ! Albertinens Kinder zu bilden , die lieblich wie junge Sprößlinge an den Wasserbächen emporblühten , war ihr ernstes und liebstes Geschäft . Albertine pries sich oft selig , daß sie durch kein Vorurtheil die schöne Emigrantin von sich entfernt hatte ; selig , daß sie durch Trübsal , die ihr , als sie da war , nicht Freude zu seyn dünkte , zu den schönsten Freuden des Lebens eingegangen war . - Und endlich sagen wir : Selig sind , die , wie diese , reines Herzens sind ; denn auch sie werden den Kelch reiner Freuden schmecken ! - Fußnoten 1 Die Weisheit . 2 Sind Ausdrücke , die irgendwo ein Dichter brauchte .