Seele fühlt nur das schöne Bild von Antonios Werth und seiner Liebe , fühlt nur das Glück zu wissen , daß Eduard lebt , und daß er nicht der Liebe unwerth war . Empfänglich giebt mein Gemüth sich jedem Eindruck , jeder Erinnerung hin , wie das leichte Gesträuch der Birke , zärtlich bei jedem Lüftchen flüstert . - Ich bin hier auf Nanettens Gut ; in wenig Tagen wird sie mit ihrem Gemahl hier ankommen ; und ich will sie hier mit einem ländlichen Fest empfangen . Wie wird sie meine Gegenwart , meine Erklärung überraschen ! Wie ist nun alles zwischen uns wieder so neu , so jugendlich geworden ! Eine Menge Freuden sind wie junge Blumen , um mich aufgesproßt ! Gönne mir das Vergnügen , Dir mit froher Umständlichkeit , meine kleine Reise zu schildern . Ich reis ' te gestern Morgen von * * * ab ; der muntre Ton des Posthorns bewegte wieder mein Herz wie sonst ; ich sah das Leben wieder in dem schönen Gewand der Jugend , der Ahndung , der Liebe , und meine Sinne konnten die Sprache der Natur verstehen . - Nach einer langen , verheerenden Trockenheit , war jetzt gerade der erste Regen gefallen , und ein unnennbar frisches Grün labte mein Auge . Die klaren Regentropfen hiengen an den Bäumen , wie Freudenthränen . Wir kamen durch Buchenwälder , die mich in großer , schauerlicher Majestät umwölbten . In den Thälern zogen Wolken , weiß und dicht , wie Schnee ; oft sahen hoch oben , noch Bäume hindurch , und der Himmel schien herabgefallen , die Erde hinangestiegen zu sein . Aber von dem sehr heftigen Regen war der Fluß schnell angeschwollen , und wir waren genöthigt , einen weiten Umweg zu machen , der uns sehr verspätete , und wo wir uns von einer ganz andern Seite dem Ziel meiner Reise näherten . Schauerlich krümmte sich der Weg durch einen unendlichen Wald . Hoch stiegen düstre Tannen an der einen Seite gen Himmel ; unabsehbar auf der andern in die Tiefe . Endlich ward es lichter ; die Straße senkte sich , und wir hielten vor einem kleinen Wirthshause still . - Ich sah mich um , und es war als rauschten Schleier hinweg . Auf der einen Seite kühne , große Bergmassen ; auf der andern ein seeliges Thal , von Bächen umarmt , aus dessen Mitte ein Eichenwald würdevoll empor stieg . - O , Julie ! was fühlte ich , als ich es nun gewiß wußte , daß ich in * * * war , dem Ort , wo ich mich einst so seelig fühlte ! Ein wunderbarer Wahnsinn befiel mich ; alle Büsche , alle Felsen verklärten sich ; aus den Wolken , aus den Blumen sah ' die Liebe mich mit trunknen Augen an , in mir tönten freundliche Melodien , und ich konnte nicht mehr anders als in Rhythmus denken . Die Wirthin erinnerte sich , mich gesehen zu haben ; ich erkannte sie wohl , sie war mir sehr lieb ! - Ich setzte mich in dem dunkeln Buchengang , nicht weit vom Hause , der zu zärtlichen Gesprächen einzuladen schien . Der Mond warf aus seiner Wolke einen Silberblick auf den Berg , daß der weiße Fels am Gipfel desselben , wo ich einst Eduard gesehen , mir wie ein weißes Blüthenblatt der Vergangenheit in die Seele schien ; Alles erhöhete meine Stimmung . Und als nun später der Wirthin Mann zurückkam , und ein liebliches Kind ihm entgegen lief , er es liebevoll im Arm nahm , und die beiden in schöner Freundlichkeit vor der kleinen Thür des Hauses saßen , da schien es mir , als blickten selbst die Sterne zärtlich über diese Gebürge , und es war wohl kein Wunder , daß ich die ganze Nacht von Wiedersehn und Freude träumte ? - Welch ein seeliger Morgen war der folgende ! - Ich setzte mich unter eine hohe Linde , in deren weiten , grünen Welt ein fröhliches Summen lebte . Die heitre Herbstluft strich durch die Thäler , und strahlte in der Ferne , wie Silber . Es war Sonntag ; die rührende Stimme der ländlichen Glocke tönte durch die stillen Ebnen und rief die Bewohner der niedern Dörfer herauf . - Der Wald lockte mich unwiderstehlich mit seiner Kühlung , und ich gieng hinein . Ueber mir blickte die Sonne nur verstohlen , wie durch grüne Wolken hindurch , aber mein Herz war mit so freudigen Bildern erfüllt , daß ich die tiefe Einsamkeit und das wunderliche Rufen der Waldvögel nicht achtete , und ohne Furcht den Weg verfolgte . Und bald , bald stand ich wieder da , unter den Klippen wie einst , und unter mir der herrliche Grund in einem Meer von Sonnenstrahlen schwimmend . Dicht neben den Klippen , plauderte ein Maienwäldchen , mit dessen kindischen Zweigen und Blättern ein leichter Morgenwind sein Spiel trieb . Ich blickte auf sie hinüber , wie in das Land der Kindheit ; die Klippen , die undeutlich und wild sich um mich drängten , wurden mir zur Allegorie der späteren Zeit , und ich flüchtete mich schnell in die leichten Schatten des Wäldchens , wo ich mit dem lebendigsten Bewußtsein , alle holden Träume des Kinderlebens mir zurückrief . Ich gieng weiter . Am Fluß stand ich lange still , von dem Geräusch der Wellen angenehm betäubt . Träumend sah ich an den hohen Bäumen des Ufers hinab , und ihr kräftiges Ansehen , das Leichte , Gefällige ihrer Blätter , bewegte mich mit freudiger Rührung . Die festen , starken Stämme , standen ruhig in der sichern Erde , indeß die hohen , leicht bewegten Gipfel in reinerm Aether und Sonnenschein sich wiegten . So , dachte ich , ist der vollendetere Mensch ; mit seinem Willen fest auf sich selbst gestützt , steht er im Leben da , indeß die feinsten Getriebe der Seele , die holden Kinder