auch die Szene verändert ! Wie sind die lieblichen Farben der Morgenröte hingeschwunden , und haben dem lärmenden Tage Platz gemacht ! Wie werden vom schweren Geschütz der Konventionen deine zarten Freuden zertrümmert , göttliche Liebe ! Alles ist zerstört ! Julianens holde Gestalt durch ein Gewicht angefesselt , verzerrt ; das eigne , schöne , bewegliche Leben von versteinertem Kristall umstarrt . Eduard ! was will der blasse Mondschimmer der heimlichen Kränkung auf deinem Gesicht , worauf der Sonnenschein der glücklichen Liebe sonst glänzte ? O es ist wahr , daß Friede und Freude bald entfliehen , wo ich verweile . Fort will ich , fort muß ich ! Alles wird bald gut werden für dich , Eduard . Nur der Verbannte wird oft seine Arme umsonst nach einem Freunde ausstrecken , und sie ohne Trost wieder sinken lassen . Aber fort , fort ; allein will ich den Fluch tragen , der über mich verhängt ist ! « - Während diesen bald hastigen , bald zögernden Worten war er , indem er sich zu gleicher Zeit zur Reise anschickte , im Zimmer unruhig auf und ab gegangen . Jetzt war er ganz reisefertig und stand in der geöffneten Tür , den Hut in der Hand ; er besann sich , es war ihm , als müßte er Abschied nehmen . Zu Eleonoren will ich noch einmal gehen , dachte er , ich finde sie vielleicht noch allein . - Eleonore war mit ihrem Putze ganz fertig , und siegelte eben den Brief an Clementinen , um ihn noch fortzuschicken . - » Mich dünkt , es ist jemand im kleinen Korridor « , sagte sie zur Kammerfrau , » sieh zu . « - Florentin ward ihr gemeldet , und trat gleich darauf selbst hinein . - » Was ist das ? « rief die Gräfin ; » Stiefel ? Sporen ? Was wollen Sie in diesem Aufzuge ? « - » Geben Sie mir Ihren Segen , teuerste Gräfin , ich will fort ! « - » Träumen Sie ? oder träume ich ? Ich verstehe Sie nicht . « » Gütige Eleonore , fragen Sie nicht , Ihre segnende Hand lassen Sie mich zum Abschied küssen . « - » Was ist Ihnen , um Himmels willen , was ist Ihnen widerfahren ? Wo wollen Sie hin ? « - Die Kammerfrau kam wieder hinein : » Gnädige Gräfin werden erwartet , es ist geschickt worden . « - » Den Augenblick ! Florentin , Sie dürfen nicht so rätselhaft sein , was wird mein Gemahl sagen ? « - » Ihnen überlasse ich meine Verteidigung , Eleonore , und deswegen komme ich eigentlich zu Ihnen , leben Sie wohl , ich darf Sie nicht länger aufhalten . « - » Aber wo wollen Sie hin ? Wir sehen Sie doch wieder ? « - » Soll ich einst noch so glücklich sein ? Der Ort , wohin ich gleich zuerst komme , ist Ihnen bekannt . « - » Mein Gott ! freilich , Sie reisen zu Clementinen . Wollen Sie uns dort erwarten ? Sobald es hier wieder ruhig ist , werden wir zu ihr reisen . « - Florentin verbeugte sich : » Geben Sie mir irgendein Zeichen für die Gräfin Clementina mit , das mich ihr empfiehlt . « - » Hier nehmen Sie diesen Brief , ich hätte nicht gedacht , daß er durch Sie würde bestellt werden , Ihrer ist nicht darin erwähnt , aber Sie sind ihr sonst schon bekannt . Sie dürfen nur Ihren Namen nennen . « - » Gnädige Gräfin ! « rief die Kammerfrau wieder . - » Leben Sie denn wohl , Florentin , auf Wiedersehen ! « - » Leben Sie wohl , Eleonore , Ihnen trage ich es auf , Eduard zu beruhigen , und mein Andenken bei Julianen zu erhalten ! « - » Wie , diese wissen nicht ? « - Florentin war wieder zur kleinen Tür hinaus , ohne weiter zu hören , oder zu antworten . Die Kammerfrau schloß hinter ihm zu ; in dem Augenblick führte von der andern Seite der Graf einige Damen herein . Florentin ging durch den Park , wo er hoffen durfte , niemandem zu begegnen , und sofort zum Dorfe hin , wo er Heinrich , mit dem Schimmel ihn erwartend , fand . Er nahm Abschied von dem Knaben , drückte ihm eine Belohnung für seinen Diensteifer in die Hand , setzte sich auf den getreuen Schimmel , und fort sprengte er im Galopp , ohne sich umzusehen . Heinrich sah ihm noch nach , als er ihn plötzlich stillhalten und das Pferd herumwenden sah ; er kam wieder zurück . - » Warte noch einen Augenblick « , rief er ihm zu . Heinrich trat hinzu und hielt das Pferd ; Florentin zog seine Schreibtafel heraus , und schrieb mit Bleistift auf ein Blatt : » Des Schicksals Schläge stählen und geben Kraft sich aufzurichten , indem sie niederbeugen ; aber der Menschen kleinliche Mißverhältnisse und Mißverständnisse zerstören grausam das Gemüt . Ich segne meinen Eintritt in Euren Kreis , aber ich gehe , damit ihn niemand verwünsche ! Lebe wohl , Eduard , gedenke meiner . - Juliane , wer Sie sieht , wird Sie kennen ; wer Sie kennt , muß Sie lieben ; wer Sie liebt , kann nie aufhören . Bleiben Sie glücklich ! Florentin . « » Gib es an Eduard von Usingen , guter Heinrich , aber gib es ihm allein . Und nun Adieu . « - Er ritt langsam fort . Er hatte beschlossen , die Nacht in der bekannten Mühle zu bleiben , und mit Tagesanbruch vollends zur Stadt zu reiten . Sechzehntes Kapitel Florentin war nach einer verdrüßlichen Reise in die Stadt angekommen . Nie war er mehr mit sich selbst uneins gewesen . Zwar gefiel ihm die Hast , mit der er das Schloß und alle seine Reizungen ,