Lass doch ! lass ! Sei ein Mann ! Trockne ab , lieber Karl ! Wir müssen ja wahrlich zu deiner Mutter , um ihr Theil an unsrer Freude zu geben . - Wer weiss , wie lange und wie ungeduldig sie unser schon wartet ? - Und wenn mich nicht Alles täuscht ; so finden wir dort noch , zwei Andre , die unser beider Erscheinung mit Sehnsucht entgegenharren . XXXV . Wirklich hatten sich bei der Mutter auch der Doctor und die Doctorinn eingefunden , um von dem Ausgange der Unterredung , von der sie wussten dass sie vorfallen würde , desto eher unterrichtet zu seyn . Wie gespannt ihre Erwartung war , lässt sich aus dem grossen Antheil , den sie bisher an dem Bruder genommen , und aus der mannichfaltigen Mühe , die sie sich seinetwegen gegeben hatten , ermessen . Sie glaubten überwiegende Gründe zu haben , den besten Ausgang zu hoffen ; und doch liessen sie , eben wegen der Grösse ihres Interesse , sich ein wenig in die Furcht und Ängstlichkeit der Mutter hineinziehen , die , weil ihr Interesse das noch grössere , noch lebhaftere war , nichts als traurige Ahnungen hatte . - Desto angenehmer war für Alle der Überraschung , als jetzt der Vater in Gesellschaft des Sohnes hereintrat , und ihnen , sogleich durch sein Lächeln seine Zufriedenheit , durch seine feuchten , gerötheten Augen seine Rührung verrieth . Er hielt den Sohn an der Hand , der sein Gesicht noch mit dem Tuche verdeckte , und führte ihn der Alten mit den Worten zu : Hier , liebe Mutter ! hier bring ' ich dir einen guten , einen würdigen Sohn , der auf dein Alter Bedacht nimmt , und dich von den Wirthschaftsorgen befreien will , die dir schon lange zu lästig fielen . Er will sie einer jungen , wackern Frau übertragen , die er dich bittet zur Tochter anzunehmen , und deinen Muttersegen über seine Liebe zu sprechen . - Errathen wirst du wohl seine Wahl nimmermehr ; - und du gewiss auch nicht , indem er sich gegen die Tochter umwandte , und beide zwar anlächelte , aber ihnen zugleich mit dem Finger drohte . Der Sohn konnte unter den Segenswünschen der Mutter , und den Antheilsbezeugungen der Schwester und des Schwagers seine Augen so bald nicht trocknen . - Alle vereinigten sich endlich , dem Vater zu danken und ihm zu liebkosen , der sie der Reihe nach küsste , aber in seine gewöhnliche muntre Laune für diesen Abend nicht wieder hineinkam . Die Empfindungen , die bei der Unterredung mit dem Sohne ihn tief durchdrungen hatten , waren von zu ernsthafter Natur gewesen , als dass er sogleich wieder zu den muthwilligen kleinen Scherzen hätte zurückkehren können , womit er sonst seine Gespräche zu würzen pflegte . Er liess es sich nicht nehmen , am folgenden Tage in eigner Person den Freiwerber seines Sohnes zu machen . - Ob Madam Lyk von diesem Besuche angenehm oder unangenehm überrascht war ; ob sie eine bejahende oder verneinende Antwort gab ? wird wohl niemand erst fragen . - Die Ehe ward eine der glücklichsten in der Stadt . Die Familie hing , jedes Glied mit jedem , durch die zärtlichste Liebe zusammen . Herr Stark erfreute sich , bis in ' s höchste Alter hinauf , des Wohlstandes und der vollkommenen Eintracht aller der Seinigen , und genoss das süsse , kaum mehr gehoffte Glück , Enkel an seine Brust zu drücken , die nicht bloss seines Bluts waren , sondern auch seinen Namen trugen . ENDE .