Teupitz Von Dolgenbrod bis Teupitz ( Zweiter Reisetag ) Mit dem Frühesten war ich auf , zwischen drei und vier ; die Sonne kündigte sich erst durch einzelne Strahlen an , die von Zeit zu Zeit am Horizonte aufschossen . Aber so früh ich war , so war ich doch nicht der Früheste . Leutnant Apitz war mir zuvorgekommen und hatte , da er die Angelpassion mit der Segelpassion glücklich zu vereinigen wußte , seine Schnur seit länger als einer halben Stunde ausgeworfen . Mit ihm Mudy . Ein guter Frühfang hatte ihre Anstrengungen belohnt . In einer neben ihnen stehenden Wanne zappelte es bereits von Schlei und Hecht , von Giesen und Karauschen , die für unser Mittagsmahl einen vorzüglichen zweiten Gang in Aussicht stellten . Es war ein erquicklicher Morgen ; in dem fallenden Tau gab sich die Natur wie gebadet . Ein Flachboot strich hart an uns vorüber , in dem ein junger Dolgenbroder , mit angehängtem Fischkasten , stromabwärts fuhr . Er sah ziemlich spöttisch zu unserer Angelrute auf und grüßte . Leutnant Apitz aber war nicht der Mann , sich verwirren zu lassen . » Eingeborner Wende , was gelten die Fische ? « Der Angeredete nannte eine beliebige Summe . » Da lasse ich sie billiger und gebe noch eine Bleiflinke zu . « Damit griff Apitz in die Wanne und warf ihm die angekündigte Flinke ins Boot . In diesem Augenblicke stieg der Glutball der Sonne auf und durchleuchtete die dünnen Nebel . Wir sahen nun erst , wo wir waren . Am Wasser hin zog sich eine schmale Wiese , von Huflattich eingefaßt , der hier und dort in grotesken Blattbildungen kleine vorspringende Inseln schuf . Hinter dem Wiesenstreifen , immer den Windungen des Flusses folgend , stand eine Reihe von Häusern , jedes einzelne durch ein blühendes Mohnfeld von dem Nachbarhause geschieden . Die Bewohner schliefen noch oder hantierten in Küche und Kammer ; nur ein paar Blondköpfe waren aus dem Bett in den Garten gesprungen und spielten in ihren roten Friesröcken unter dem weißen Mohn umher . Im Rücken der Häuser stieg das Erdreich an , fast einen Damm bildend , auf dessen Höhe der Hanf in dichten Stauden stand . Hinter dem Damm aber lief die Dorfstraße , wenigstens klang von dort her ein leises Läuten herüber . Ich glaubte die Herde zu sehen , trotzdem sie meinem Auge verborgen war . Einsamkeit auch hier . Aber wenn sie am Tage vorher , an den Ufern des Zeuthenersees , wie ein wendisches Volkslied elegisch geklungen hatte , so klang sie hier wie ein Idyll aus alten Zeiten und schuf dem Herzen ein süßes Glück , wo jene nur ein süßes Weh geschaffen hatte . Ich wurde des stillen Lebens , das aus diesen Bildern zu mir sprach , nicht müde . Immer neues erschloß sich mir , das mein Herz bewegte . In Front jedes Hauses stand ein uralter Birnbaum , in der einen Hälfte abgestorben , aber in der andern noch frisch und mit Früchten überdeckt . In dem hohlen Hauptast bauten die Bienen , an dem Stamm lehnte die Sense , zwischen den Zweigen hing das Netz ; und in dieser Dreiheit lag ersichtlich das Dasein dieser einfachen Menschen beschlossen . Das Sammeln des Honigs , das Mähen der Wiese , das Fischen im Fluß , in so engem Kreislauf vollendete sich tagtäglich ihre Welt . Und so war es immer an dieser Stelle . Wie die Menschen hier , in Pfahlbauzeiten , im Gezweige gewohnt hatten , so wohnten sie jetzt unter dem Gezweig ; aber in ihm oder unter ihm , sie blieben wie die Vögel , die Nester bauen . Und in diesem Berührtwerden von etwas Unwandelbarem , in der Wahrnehmung von dem ewigen Eingereihtsein des Menschen in den Haushalt der Natur , liegt der Zauber dieser Einsamkeitsdörfer . Schon vor sechs Uhr war die » Sphinx « unter Segel . Aber der Wind ließ bald nach , so daß wir froh waren , inmitten einer eben zu passierenden Schmalung die großen Stoßruder benutzen zu können . Wir schoben uns nur noch von der Stelle . Dies dauerte Stunden . Erst bei Prierosbrück machte sich der Wind wieder auf und trieb uns nun in die » Schmölte « hinein , einen buchtenreichen , durch Schiebungen und Waldkulissen ausgezeichneten See , der , zugleich mit dem ihm anliegenden Duberow-Forst ( gemeinhin kurz » die Duberow « geheißen ) den inneren Zirkel der Wusterhausener Herrschaft , dieses großen , an die dreizehn Quadratmeilen umfassenden , und namentlich während der Regierungszeit Friedrich Wilhelms I. aus adligen Gütern der Schlieben , Oppen und Schenken von Teupitz zusammengekauften Jagdreviers bildet . Mit der Einfahrt in die » Schmölte « waren wir , um es zu wiederholen , in den » inneren Zirkel « dieses Revieres eingetreten . Eine ausgestellte Schildwacht , wie sie nicht charakteristischer sein konnte , ließ uns keinen Zweifel darüber . Inmitten des Sees , auf einer wenig überspülten Sandbank , stand ein großer , ziemlich fremdartig dreinschauender Grauvogel , und salutierte auf seine Weise durch eingezogenen Hals und Fuß . Wir erwiderten seinen Gruß , das Geringste , was wir tun konnten ; denn wir waren im selben Augenblicke , wo wir ihn in seiner Schildwachtstellung passierten , zu einem fremden Volke gekommen , zu dem Volke der Reiher , das in der » Schmölte « seinen Fang und in der » Duberow « seine Nester hat . Der ganze innere Zirkel der Wusterhausener Herrschaft , eine große Reiherherrschaft ! Diese kennenzulernen , war seit lange mein Wunsch . In einer Bucht , die von zwei bastionsartig vorspringenden Waldstücken gebildet wird , gingen wir vor Anker . Ein Besuch des nahegelegenen Reiherhorstes entsprach unserem Programm . Nur der einzuschlagende Weg , den Leutnant Apitz » quer durch « genommen wissen wollte , führte zu einer lebhaften Debatte . Während diese noch schwankt , erzähl ' ich dem Leser von alten und neuen Reiherjagden , wie