. Die Templer starben in Masse und sangen freudig , vielstimmig , todesmuthig aus den Flammen . Schon als Knabe tröstete mich Friedrich von Baden , der neben meinem geliebten Konradin auf Neapels Blutbühne stand . Sie starben im Bunde , als Freunde , als Brüder . Doch denk ' ich ... bis zum Tode wird es nicht kommen und was die Gefangenschaft betrifft , so wäre einer der ersten Paragraphen unsres Ordens Der , daß wir Die , die um den Orden leiden , zu befreien haben . Gelingt es auch nicht immer , so ginge doch Niemand in den Kerker , ohne daß die Aussicht auf eine rettende Hand , wie die Apostel die Hoffnung auf Engel , ihn begleitete . Eine Nebelgestalt in weißem Geistergewande , die Hoffnung wenigstens , würde mit ihm durch die geöffneten eisernen Pforten schlüpfen und traulich ihn trösten , wenn er über die Folgen seiner redlich erfüllten Ordenspflichten muthlos verzweifelte und ihn nur das Eine emporhalten könnte : Die Ritter vom Geiste werden dich nicht verlassen , du wirst sie hören , ihre Nähe empfinden ; sie wachen über dich ! Dankmar endete mit diesen Worten und es trat eine lautlose feierliche Stille ein . Elftes Capitel Das Gespenst Hackert lag und horchte wie betäubt . Ergriff ihn schon die begeisterte Einsetzung einer großen Thatsache an sich , hatte sein kühler , verneinender Sinn gehofft , man würde nun widersprechen , alle diese Vorschläge für unmöglich erklären , so beunruhigte ihn noch mehr , daß dies nicht geschah , daß Niemand zweifelte , Niemand widersprach . Schon begann man die nähern praktischen Möglichkeiten dieser Idee zu erwägen , als sich Hackert , der fast träumend , lauschend und stierend dalag , von Schmelzing ' s Hand berührt fühlte . Was haben Sie ? Wie sehen Sie denn aus ? fuhr Hackert erschrocken auf . Ängstlich , mit halbgeöffnetem Munde , starrte Schmelzing in den dunklen Hintergrund und fragte lauschend : Haben Sie nichts gehört ? Sie hören Gespenster , die hinter dem Gelbsiegellack da im Korbe stecken ! Sie sind überhitzt , trunken , Schmelzing ! Scheren Sie sich zum Henker ! Schmelzing zeigte die lange Pergamenttafel , die er vollgeschrieben hatte . Er ließ sie auseinanderfallen , wie Leporello Don Juan ' s Register . Sind Ihre Spitzbuben fort ? fragte Hackert . Fürchten Sie sich jetzt , daß wir gehen werden ? Indem hörte aber auch Hackert in der Ferne das Knistern eines Fußgängers auf den steinernen Fußböden . Schmelzing bedeutete ihn zu schweigen . Kommen Sie ! winkte Hackert . Wir wollen sehen , was Das ist . Um ' s Himmelswillen nicht , ich bleibe hier , flüsterte Schmelzing . Indem erlosch blitzartig auch das flammende rechte Kreuz , an dem Schmelzing die Gespräche nachgeschrieben hatte , sodaß jetzt nur noch das mittlere leuchtete . Man sprach unten lebhaft durcheinander und brauchte die Ausdrücke » Geheimbund « und » Bundesglieder « so oft , daß Hackert in Besorgniß gerieth , Schmelzing würde wieder anfangen , an der richtigen Stelle zu lauschen , während er doch jetzt glaubte , auf seinem Pergamente die wichtigsten Geheimnisse dunkelschleichender Intriguen notirt zu haben . Ich schreie laut auf , sagte Hackert , wenn Sie nicht kommen und mit mir dem Gespenst nachstellen ! Schmelzing legte ihm die Hand auf den Mund und flüsterte : Gehen Sie ! Ich bleibe hier . Bester Freund , Sie haben die Umtriebe eines Offiziers , eines französischen Emissairs und wie es mir schien , einer dritten hohen Person in der Tasche ; nun kommen Sie und machen Sie mir auch eine Unterhaltung . Ich spreche gern mit Geistern . Wir wollen das Gespenst anreden . Nicht um hundert Thaler , sagte Schmelzing . Jetzt fiel von einem obern Fenster , das in diese Halle führte , sogar noch ein Lichtschimmer . Schmelzing zuckte zusammen ... Es steigt hinauf , zeigte Hackert , da ! Ich wette , das ist einer von den ruhelosen alten Johannitern , die durch den großen Wildungen ' schen Proceß aus dem Grabe getrieben wurden und nicht anders erlöst werden können als durch einen ledigen Junggesellen von vierzig Jahren , der eine weiße Halsbinde tragen muß und eine gelbe Weste mit acht Knöpfen . Erlauben Sie , Schmelzing ! Eins , zwei , drei ... Damit zählte Hackert zu Schmelzing ' s Entsetzen dessen Westenknöpfe . Schmelzing riß sich von ihm los . Da ! Da ! rief Hackert . Eben sah ich das graue Männchen ! Da oben an dem Fenster . Es steigt in ' s Archiv hinauf . Sehen Sie doch , Schmelzing ! Es steht still und grüßt Sie ! Schmelzing , der alte Ritter kennt Sie ! Er hat eine Nachtmütze auf und schwenkt sie ganz ehrerbietig vor Ihnen ! Danken Sie doch ! Schmelzing wußte nicht , wie ihm geschah . Er sah nichts mehr . Selbst der Lichtschimmer in der Ferne war verschwunden . In demselben Augenblicke erlosch im Nu neben ihnen die dritte Flamme . Die Gesellschaft unten schien sich gleichfalls entfernt zu haben . Es schlug ein Viertel auf zwölf Uhr vom Rathhause . Alles war dunkel und gespenstisch still um sie her . Unwillkürlich faßte Schmelzing Hackert ' s Hand und flüsterte winselnd : Nun wird ' s schön ! Alles finster ! Wo haben Sie die Laterne ? Kommen Sie nur ! Wir haben ja Streichzündhölzer ! Was machen wir , daß wir davonkommen ? Wir müssen hier übernachten . Nein ! Hier ist die Laterne ! Hackert zog Schmelzingen , als wollte er die Laterne ihm in die Hand geben . In Wahrheit aber führte er ihn nur an die Treppe , die sie herabgestiegen waren . Wo sind Sie ? Sie lassen mich ja allein , Hackert ! Gerade aus ! Ich falle . Es ist die Treppe ! Steigen Sie doch ! Die Laterne ! Hier ! Hier ! Hackert besaß auch in der Sehkraft etwas von Katzennatur