niederblickte und schwieg , sprach der Präsident mit ergrimmter leiser Stimme : Ich vergesse - - Herrn von Terschka bindet an die Obern das Gelübde des Gehorsams ! ... Die Wirkung dieser Worte war mächtig ... Der Präsident erhob sich ; alle andern blieben sitzen wie gelähmt ... Terschka bleich mit halbgeöffnetem Munde ... Der Provinzial mit hoch aufgezogenen Augenbrauen ... ... Bonaventura mit einer Ahnung , die im Hinblick auf - den ketzerischen Grafen Hugo im Nu - die volle Wahrheit erkannte ... Nehmen wir ein Frühstück , meine Herren ! sprach im Gefühl seines wenigstens jetzt unwiderlegbaren Triumphes der Präsident und wollte , scheinbar unbefangen , vorangehen , um die Thür zu öffnen ... Die drei Priester waren zwar auch aufgestanden , blieben aber noch immer wie erstarrt stehen ... Kein Wort kam von ihren Lippen ... Das Wort des Präsidenten konnte für einen Scherz gelten - aber man erkannte zu deutlich - der Falsche , Abtrünnige , der » Segestes « , wie ihn sein Vater genannt hatte , war zu diesem Kampf wohlgerüstet erschienen ... Um die Vernichtung Terschka ' s , der , mit tausend Dolchen durchbohrt , sich am Stuhl zu halten suchte , zu mehren , ging der Präsident in leichtem , scherzendem Ton zu den Worten über : Will Graf Hugo seine Güter hier selbst antreten , so würde er allerdings gut thun , sich erst in den Schoos der alleinseligmachenden Kirche zu begeben und Sie - Herr Pater Stanislaus , werden schon dafür sorgen ... Ein Einspruch gegen diese Worte , die nur wie ein ironischer Scherz fielen , war nicht möglich ; denn schon hatte der Präsident geklingelt , schon traten Diener ein . Nicht lange , so erschien Frau von Wittekind . Man setzte sich zu Tisch . Der Präsident entwickelte eine Heiterkeit , eine Fülle von Kenntnissen , die ihn scheinbar zum Sieger über seine Gegner machte , trotzdem , daß er ahnte , wie ohne Zweifel mit der Zeit zwei legitime Geschwister sich ihm zur Seite stellen würden ... Bonaventura brach früher als die andern auf ... Wie hätte er mit Terschka noch länger allein sein können ... ! Wie noch länger den Blick ertragen mögen , der in Terschka ' s Augen der der tiefsten Vernichtung war ! ... Welche Enthüllungen ! ... Terschka ein Jesuit ! ... Abgesandt zur Convertirung des Grafen Hugo ! ... Und mit welchen Mitteln sollte er ihn bekehren ... Mit welcher Kunst der Verstellung ! ... Bonaventura ' s Erschaudern über Rom konnte bei der einen Thatsache nicht verweilen , denn schon die andere verdrängte sie ... Sah er auch im katholischen Sakrament der Ehe , das abweichend von den sechs andern , sich ohne den Priester , rein nur durch die Liebe vollzog , wieder seine vollen schönen großen Rosen in den Münstern glühen , was sollte er - mit Benno beginnen ? ... Sollte er ihn lind und sanft auf seine Jugendtage zurückführen ? Auf einen Kronsyndikus als Vater ! Auf eine in Rom unter Verhältnissen , die sich aller klaren Beurtheilung entzogen , lebende Mutter ! Auf eine Schwester in zweideutiger Lebensstellung ... Benno war , jetzt begriff er es ganz , älter , als man geglaubt ... Wie auch anders konnte Benno in seinen Erinnerungen das Bild einer schönen Frau haben , die aus einer prächtigen Kutsche stieg und ihn so oft voll Schmerz und Liebe betrachtete ! ... Wer konnte dies anders gewesen sein , als die Frau , die eine rechtmäßige Geburt verbergen mußte und sicher den erlebten Betrug erst spät ahnte ... Als sie in die allgemeine Flucht des westfälischen Hofes gerissen wurde , blieb ihr kaum darüber ein Zweifel ... Da sie die tiefere Kenntniß der ihr beistehenden Kirchenlehre nicht besaß , ergriff sie Furcht , Haß , Scham , sodaß sie nichts mehr vom Vergangenen besitzen mochte und in ein neues Lebensverhältniß trat , leichtsinnig genug vielleicht ... Erst hatte Max von Asselyn , der aus Spanien zurückkam , Benno als seinen Sohn mitgebracht , dann erzogen ihn die Hedemanns , dann kam er in die Dechanei ... Alles das war verabredet um des Dechanten willen , dessen Existenz von einer plötzlich streng gewordenen Censur abhing . Ein Zug der Natur war es , daß sich Benno so eifrig die Sprache seiner Mutter aneignete und oft Bonaventura selbst anfeuerte , sich in ihr zu vervollkommnen ... Und neben Angiolina - neben einer zweiten Lucinde , neben einer in gewissem Sinne zweiten Rivalin Paula ' s - Graf Hugo liebte sie - dann noch Lucinde selbst ... Zuletzt hafteten alle seine Gedanken nur noch allein an dieser ... Gefolgt war sie ihm aufs neue ... Ewig sie sein Schatten ! ... Auf Schloß Münnichhof , unter dem Schütze einer Frau von Sicking , wagte sie zu erscheinen ... Nichts fürchtete sie von Klingsohr , nichts von allem , was Bonaventura über ihr Leben aus ihrer unvergeßlichen Beichte wußte ... Es durchbebte ihn , gedachte er dieser Fessel seines ganzen Lebens ... Das war sie und das blieb sie und - zum Hasse , zum glühenden Hasse Lucindens konnte er sich nicht einmal erheben ... Nur fliehen mußte er sie ... Wer weiß , ob sie nicht rücksichtslos auf Schloß Westerhof erschien , Paula sich vorstellte und die Schmerzen , die sonst die Leidende in ihrer Nähe fühlte , erneuerte ... Wie er im verschlossenen Wagen seines Stiefvaters dahinfuhr zur Ebene nieder , da war es ihm doch , als müßte Lucinde ihm nachfliegen , umschwärmt von Raben , mit einem Zauberstab auf die Brandstätte deutend als den Anfang all des Unheils , das sie ihm vorausgesagt hatte ... Indessen - auf den Feldern lag ein so milder Sonnenschein ... Der Frühling fing an sich so mächtig zu regen ... Die Wälder in der Ferne hatten in einer Nacht einen Schein bekommen , als trieben die Bäume schon ihre verjüngenden Säfte ... Heller , hoher Mittag war es ... In der Ebene mußte