, den uns in so edler Offenheit der Dechant erzählt hat , in Angriff zu nehmen ? Grell aufgedeckt , aller Welt bekannt soll dieser Vorfall werden ? Was schrieben Ihnen darüber - die Jesuiten ? ... Terschka bot alle seine Verstellungskunst auf , um auf dies leicht hingeworfene , doch alle erschreckende Wort lächelnd wiederholen zu können : Die Jesuiten ! ... Die Jesuiten ! bestätigte der Präsident . Sie sind kürzlich wiederhergestellt worden . Sie sind schon mächtig genug . Aber die Macht des Ordens ist ihm noch nicht die alte . Die übrigen Orden wuchsen inzwischen in zu großer Autorität für ihn empor . Von den frommen Vätern des heiligen Franciscus droht allerdings seinem Ehrgeiz wenig Gefahr . Ihr General , Herr Provinzial , wird den Einblick in die Beichte meines Vaters verweigert haben ; aber doch sind Sie angewiesen , die Bemühungen des Herrn von Terschka zu unterstützen . Ich weiß das ! Bestreiten Sie es nicht ! Die Dominicaner hätten es nicht gethan . Sie würden Ihnen , Herr Provinzial , geschrieben haben : Lehnen Sie jeden Beistand zu Untersuchungen ab , die den Jesuiten gegenüber eine bei uns niedergelegte Beichte compromittiren könnten ... Herr Präsident ! wallte der Provinzial auf und blickte auf Bonaventura , der ihm beistehen sollte ... Ich klage Sie ja nicht an , Herr Provinzial ! fuhr der Präsident fort und strich sich seine dünnen grauen Haare , als hätte er das Gefühl , wie sie sich unter seiner zunehmenden Erregung aufsträubten ... Ich sage nicht , daß Sie heute überhaupt schon zu Herrn von Terschka ' s Beginnen ein Ja oder ein Nein verriethen . Sie ließen ihn einfach gewähren . Ich will Ihnen aber nur Eines sagen , was Sie überraschen soll ... In tiefstem Frieden über alles , was uns hier beunruhigt , lebt in Rom die Herzogin von Amarillas ... Ohne Sorge rüstet die hochgestellte Frau sich zu einer Reise nach Wien ... Cardinal Ceccone hat sich seit Jahren an sie und ihren Umgang gewöhnt - Olympia , seine - Nichte - Sie kennen ja die Sage über Olympia - beherrscht die römische Welt und beherrscht ihn und die Herzogin - Ceccone , wie uns Männern vom Regiment wol auf unsere alten Tage geschieht , ist der Inquisitionen und Dolche müde . Er hat das Seinige für die dreifache Krone gethan . Aus Furcht ist er sogar - Affiliirter der Jesuiten geworden - Und doch , doch thut er dem Orden nicht genug ... Ceccone schließt Concordate , bekämpft die Revolution , bereichert den Index der verbotenen Bücher , verdammt Philosophieen und Glaubenssysteme , selbst die , die der Mutter Kirche ergeben sind , Ceccone läßt Donner und Blitz vom Vatican selbst über die neuen Eisenbahnen rollen - dem General der Jesuiten ist alles das noch nicht genug . Man erwartet , daß Ceccone nach Wien geht . Die Diplomatie und Staatskunst wollen den Frieden der Kirche mit unserm Lande vermitteln . Aber die Jesuiten nehmen diesen Augenblick wahr . Ihnen scheint er für Deutschland , für Europa entscheidend . Jetzt oder erst in einem Jahrhundert ! So wollen sie den letzten Rest von Selbständigkeit , den sich der Heilige Vater noch durch seine nächsten Organe erhält , vernichten ... Nur den Befehlen des Al Gesù soll er folgen ... Nur eine Politik , eine Diplomatie nach kirchlicher Autorität vertreten ... Erst sollen Priester , Mönche , Bischöfe sprechen , dann Staatskanzler ... So stechen sie jetzt dem Cardinal , einem alten Richter und Advocaten allerdings voller Weltlichkeit , in die Ferse durch die Drohung : Die Frau , ohne die du nicht sein kannst , die Frau , die der Deckmantel deiner zärtlichsten Fürsorge für Olympia ist , verfällt einem Schicksal , das sie und Olympia und dich selbst an den Pranger stellt ; sie war die Gattin zweier zu gleicher Zeit lebender Männer ! Wozu würde sich nicht Ceccone entschließen , wenn er solche Gefahren von seiner Ehre , von der Ehre der Frauen , die er schätzt und liebt , abwenden muß ! Welche Dispense sind da nicht nöthig , um solche Verbrechen zu sühnen ! Welche Schwierigkeiten vor demjenigen Theil des geistlichen Ministeriums in Rom , der sich mit den Herzens- und Heirathssachen von hundertunddreißig Millionen Kindern der Kirche beschäftigt ! Erkennen Sie nun die Möglichkeit , wie zuletzt dem Staat über solche Intriguen die Geduld reißt ! ... Ich nehme von dem nichts zurück , was ich für die Freiheit der gemischten Ehen gethan habe ... Das Rücken des Stuhls , auf dem der Provinzial saß , übertönte ein fortgesetztes Rascheln , das an der Wand hörbar wurde und immer noch Niemanden auffiel ... selbst nicht dem Präsidenten , der es ausdrücklich hören sollte ... Wie ergriff jedes dieser Worte Bonaventura im Hinblick auf die Empfindungen , die - darüber eben auch - seine Mutter hätte hegen müssen ... Terschka wagte nicht zu widersprechen ... Vollkommen von der Wahrheit dieser Enthüllungen überzeugt , sah er im Geist wieder seinen löwenmuthigen General , hörte die vor Jahren in Rom erhaltenen Anreden , sah den Feldherrnblick , der im Al Gesù das Nächste und Entfernteste vom kleinsten Menschen-bis zum größten Staatenschicksal zu benutzen versteht ... Wohlan , fuhr der Präsident fort , ich bin beruhigt , wenn mir Herr von Terschka sein Ehrenwort gibt , vorläufig nichts weiter in dieser Sache zu thun , nicht in Witoborn oder sonst auf den Archiven verdächtigende Nachforschungen anzustellen , sondern vorläufig nach Wien oder - Rom hin zu berichten , daß dieser Handel von unsern Auffassungen und Gesetzen abgemacht und die Herzogin von Amarillas nicht die Frau von Wittekind ist ... Was nur lähmte Terschka die ihm sonst so geläufige Zunge und ließ ihn über die scharfe Betonung des Wortes : » Sein Ehrenwort « erschrecken ? ... Der Präsident sagte noch einmal : Geben Sie Ihr Ehrenwort ! ... Terschka schwieg ... Ihr Ehrenwort ! Als Cavalier ! ... Als Terschka auch jetzt noch sinnend