von Kahniswall ‹ . Diese Bezeichnung verblieb ihm auch sein lebelang , trotzdem er , bei jungen Jahren schon , die nach ihm benannte Heimstätte verließ . In der Geschichte jedoch , die Sie nun hören sollen , werd ' ich ihn , der Kürze halber , einfach bei seinem Namen nennen . Kahnis hatte eine junge Frau , eine Kossätentochter aus Schmöckwitz , die sehr blond und sehr hübsch war , viel hübscher als man nach ihrem Geburtsort hätte schließen sollen . Er war , bei Beginn unserer Erzählung , drei Jahre mit ihr verheiratet und hatte zwei Kinder , Krausköpfe , die er über die Maßen liebte . Seine Hanne aber liebte er noch viel mehr . Hatte sie doch , allem Dreinreden unerachtet , aus bloßer Neigung zu ihm – er war ein stattlicher Spreewende – eine Art Mesalliance geschlossen . So kam der Oktober 1806 . Eh ' der Unglücksmonat zu Ende war , waren die Schelmen-Franzosen in Berlin , und drei Tage später auch in Köpenick . Hier sah sie nun unser Kahnis . Es waren Kürassiere von der Division Nansouty . Als er hörte , daß ein paar Schwadronen auch auf die umliegenden Dörfer gelegt werden sollten , überkam ihn ein eigentümlich schreckhaftes Gefühl , eine Eifersuchtsahnung , ein Etwas , das er bis dahin nicht gekannt hatte . Wer wollt ' es ihm verargen ? Er war gerade gescheit genug , um zu wissen , daß die Weiber , in ihrer ewigen Neugier , das Fremde und Aparte lieben , und so sehr er seiner Hanne unter gewöhnlichen Verhältnissen traute , so wenig glaubte er ihrer sicher zu sein , wenn es sich um einen Wettstreit mit den Nansoutyschen Kürassieren handelte , die alle sechs Fuß maßen und einen drei Fuß langen Roßschweif am Helme hatten . Ich muß sagen , daß er sich hierin , wie in vielen anderen Stücken , als ein einfacher , aber sehr verständiger Mann bewies . « Kapitän Backhusen nickte zustimmend . » Kahnis sann also nach , wie er der Gefahr entgehen könne , überschlief es und sagte dann anderen Tages früh : › Hanne komm ' ; ich mag die Kerls nicht sehen . Sie haben keinen Herrgott und stehlen Kinder . Hier an der Straße sind wir nicht sicher vor ihnen . Ich weiß aber einen guten Platz , wo sie uns nicht finden sollen . Ewig wird es ja nicht dauern . ‹ Daß er aus eifersüchtiger Furcht seinen Vorschlag machte , davon schwieg er . Er verfuhr wie immer die Ehemänner in ihrer Bedrängnis und tat alles › um der Kinder willen ‹ . Hanne war eine gute Frau und zärtliche Mutter ; zudem hielt ihre Erkenntnis gerade die Höhe von Schmöckwitz . Sie gab also unserem Kahnis einen herzhaften Kuß , zum Zeichen , daß sie mit allem einverstanden sei . Und das ist immer das Beste , was Frauen tun können . « Kapitän Backhusen nickte abermals zustimmend . » Gesagt , getan . Viel Zeit war ohnehin nicht zu verlieren . Unsere Fährleute gingen rasch ans Werk , und das Einschiffen ihrer Habseligkeiten begann . Das große Fährboot hatte ja Platz vollauf . Betten und Wiege , die Bibel und die Kuckucksuhr , die Kinder und die Ziege wurden geladen , und ehe die Sonne unter war , fuhren alle Insassen von Kahniswall , nichts weiter als die kahlen Wände zurücklassend , nach der Insel im Seddinsee hinüber . Da der Seddinsee nur eine Insel hat , so muß es Robins-Eiland gewesen sein . Hier bezogen sie zunächst ein Camp , in dessen Mitte Kahnis aus Balken und Bohlen eine Wohnstätte zusammennagelte , die halb Blockhaus , halb Bretterhütte war . Der Winter setzte alsbald hart ein ; aber wer wie Kahnis drei Jahre lang von dem Fährpfennig der Gosener Kolonisten und dem Marktertrage seines Fischkastens gelebt hatte , der war eben nicht verwöhnt . Zudem verstand er sich darauf , den Unbilden der Witterung zu begegnen . Schilf , das er in dichten Bündeln auf sein Block- und Bretterhaus packte , dazu ein darüber gebreitetes altes Segeltuch , gaben Schutz gegen Regen und Kälte ; eine Feuerstelle war bald aufgemauert und lange bevor die Ostersonne im Seddinsee sich spiegelte , fand Kahnis , daß die alte Kuckucks-Wanduhr auf der Insel gerade so gut schlüge , wie daheim auf Kahniswall . Die Ziege gab Milch ; an Fischen und Sumpfvögeln war Überfluß , und als die Brutzeit herankam , lagen die Enten- und Kiebitzeier zu vielen Hunderten rings um die Insel her . Allsonnabendlich brachte er seine Fische nach Köpenick , kaufte Wochenbrot , und beobachtete das politische Wetterglas , vor allem die Köpenicker und ihre Einquartierung . Was er da sah und hörte , machte ihn nur fester in seinem Entschluß , das Kriegswetter erst vorüberziehen zu lassen ; das Franzosenzeug war gerade so , wie er es sich gedacht hatte , aber das Weiberzeug war viel schlimmer . Er beglückwünschte sich deshalb zu seiner Inseleinsamkeit , und fuhr jedesmal fröhlich wieder heim . Im Spätsommer Anno acht hieß es : › Jetzt ziehen sie ab ‹ . Kahnis aber schüttelte den Kopf und sagte : › Sie sind noch da ; und wenn sie nicht mehr da sind , so kommen sie wieder ; Hanne , wir wollen bleiben , wo wir sind . ‹ Und darin war unser Robinson auf Robins-Eiland klüger als mancher Allerklügste . Denn sie kamen wirklich wieder . Kahnis freilich , als er so sprach , hatte nicht seine Klugheit , sondern nur seine Neigung befragt . Das Wahre von der Sache war : er wollte nicht mehr fort . Aus dem Schlupfwinkel , den er zwei Jahre früher als ein Flüchtling betreten und zunächst nur wie einen Lagerplatz eingerichtet hatte , war längst ein ansehnliches Gehöft mit Stube und Stall , mit Kammer und Keller geworden , das nicht mehr inmitten einer schilfbewachsenen Insel , sondern im Zentrum eines von Garten-