Aeußerungen über die Legitimität der zweiten Ehe seines Vaters in die leidenschaftlichste Erregung ... Ueberhaupt hatte dieser die Relicten seines Vaters verwickelter gefunden , als er erwartete ... Sein Ehrgefühl litt unter dem Ruf seines Namens schon lange und vollends gereizt war er über die Sprödigkeit , mit der man ihm und seiner Gattin hier entgegenkam ... Bonaventura fand heute an seinem Stiefvater Gefallen ... Fast betroffen war er von dem innigen Händedruck , mit dem ihn dieser begrüßt hatte ... Die Anrede : Mein Sohn und Freund ! war so aufrichtig betont , daß Bonaventura aufs lebendigste für ihn Partei ergriffen hätte , wäre ihm nicht - der Gedanke an Benno , der nun in wirkliche und nach seiner Ueberzeugung legitime Verwandtschaft mit ihm trat , zu bestimmend gewesen ... Terschka sagte auf die ganze Eröffnung des Onkels Dechanten mit einer spitzen und ironischen Betonung : Ich bewundere den Muth dieser Geständnisse ! Aber - die Ehe gilt ... Herr von Terschka ! rief der Präsident voll äußersten Unwillens ... Gewöhnen Sie sich doch an diese Vorstellung ! lächelte Terschka , Sie sollten Angiolina kennen lernen ! Olympia in Rom - ? Nein , da ist zu viel Kälte ! Lucinde Schwarz hier - ? Nein , da ist der Verstand zu zergliedernd ... Ei , und ich versichere Sie , ich gönne es Angiolinen , zu erfahren , daß sie an Jahren älter ist , als wofür sie gilt ... Das Fräulein von Wittekind bezaubert ganz Wien durch ihre Reitkunst ! Ich weiß es ... Es war nur die Schuld Ihres Vaters , daß das kaum geborene Kind , dessen Alter , wie man in solchen Lagen gewohnt ist , falsch angegeben wurde - unter - Die Gaukler gerieth ! ergänzte der Präsident . Ich werde Sorge tragen , daß an Angiolina Pötzl nachgeholt wird , was versäumt wurde ! ... Thun Sie das nicht , Herr Präsident ! erwiderte Terschka ... Fräulein von Wittekind entbehrt nichts , als ihren legitimen Namen ... Sonst ist ausreichend für sie gesorgt ... Am wenigsten gönnen Sie ihr doch wol eine solche Mutter , die man bei ihrem Erscheinen in Wien mit einem Proceß auf Bigamie begrüßen würde ! ... Sie kennen die Herzogin von Amarillas ? fragte jetzt Bonaventura , um den Eifer der Streitenden zu mildern ... Als ich in der römischen Armee diente , sah ich sie oft und ich gestehe Ihnen gern , die Gründe nicht zu begreifen , die man haben kann , eine hochgestellte Dame mit diesen Nachforschungen zu beunruhigen - ... Diese Gründe sollten Ihnen unbekannt sein ? ... Vollkommen ! sagte Terschka und stutzte über einen wie Hülfe suchenden Blick , den der Präsident auf den Provinzial warf ... Bonaventura ahnte von Seiten seines Stiefvaters einen noch heftigern Ausbruch der mühsam unterdrückten Stimmung und warf ihm einen bittenden Blick zu ... Die Hauptangelegenheit , das Austauschen der vor Jahren stattgehabten Vorgänge war ja beendet ; das Aussprechen der Legitimität der zweiten Ehe hing von einer Entscheidung der römischen Gewissensräthe ab ... Ihn zog es nun nach Westerhof zu Paula , die nach dem schreckhaften Erlebniß dieser Tage seines Zuspruchs bedurfte ... Und Benno , Benno war auf dem Schloß ... Benno hatte die mit Terschka verabredete nochmalige Revision des Archivs , die jetzt einer neuen Anordnung gleichkam , auf heute Nachmittag anberaumt ... Wie bebte er dem ersten Gruße des Freundes - nun Bruders entgegen ... Da wir unter uns sind , lieber Sohn , begann aufs neue der Präsident , dem Bitteblick erwidernd und das » unter uns « seltsam betonend , so will ich eine Vermuthung aussprechen . Ich gelte schon lange für keinen guten Katholiken ... Als hätte der Präsident das Erschrecken seiner lauschenden Gattin gesehen , verbesserte er : Ich kenne wenigstens meinen Ruf ... Die Regierung schenkte mir Vertrauen und ich habe als Patriot diesem Vertrauen zu entsprechen gesucht ... Das Zeugniß kann ich mir geben , daß ich darum meine Religion ebenso liebe wie andere . Nur die Anmaßungen der römischen Curie zu beseitigen , lag in meiner amtlichen Stellung und auch hier verfuhr ich mit Ueberzeugung . Zum Kirchenfürsten ging ich , weil es meine Gattin wünschte . Ich habe ihm offen ins Auge sehen können . Wenn ich es nicht gethan haben sollte , war es , um einen Gebeugten nicht zu kränken . Wir gehören einem gemeinsamen Staate an , der die gegebenen Zustände schont , ohne sich den Verbesserungen zu verschließen . Wollte der Himmel , die Nothwendigkeit der letztern würde nicht zu dringend ! Verurtheilen Sie mich nicht , Herr Provinzial ! Ich frage Sie - welch eine Institution ist allein schon unsere Beichte , die die geheimsten Athemzüge bis nach Rom vernehmen läßt ! ... Ein Rauschen an der Wand verrieth den Schrecken der Gattin ... Erkennen Sie darin keinen Segen ? erwiderte der Provinzial mit düster zusammengezogenen Augenbrauen ... Der Präsident beherrschte sich und fuhr fort : Es ziemt mir nicht , Behauptungen auszusprechen , die ich nicht beweisen kann ! So weit aber hat doch mein Amt mich in das innere Leben der Hierarchie einblicken lassen , daß ich vollkommen zu verstehen glaube , welche Zusammenhänge diesen Belästigungen meiner Ruhe und Ehre zum Grunde liegen . Sie glauben , ich würde nicht die Berechtigung der Herzogin von Amarillas , sich meine zweite Mutter zu nennen , anerkennen ? Ich würde nicht meine Geschwister an mein Herz ziehen ? Sie irren sich ! Ich bin bereit dazu , wenn die Ehe wirklich nach bürgerlichen , allgemein gültigen , deutschen Gesetzen als richtig geschlossen gelten könnte . Sie kann dies aber nicht - und ich glaube nicht daran , daß auch irgend Jemand von den Betheiligten in Wahrheit interessirt ist , daß dies geschieht ... Nicht Angiolina , nicht Benno - ? rief es in Bonaventura ' s Innern ... Oder glauben Sie , Herr von Terschka , daß Sie Instructionen erhalten werden , noch eine gerichtliche Untersuchung über den Vorgang