Söhne auf den Schlachtfeldern von Ssewastopol . Die Familie mußte sich dann entfernen , er behielt nur die Kaiserin und den Thronfolger bei sich . Das geschah 4 Uhr Morgens . Gegen sechs Uhr bat er die Kaiserin , sich etwas zur Ruhe zu legen . Ihre Antwort war : » Laß mich bei Dir , ich möchte mit Dir heimgehen , wenn es möglich wäre ! « - Der Kaiser sagte darauf : » Nein , Du mußt noch hienieden bleiben ; sorge für Deine Gesundheit , damit Du der Mittelpunkt der ganzen Familie sein kannst . Gehe nur , ich werde Dich rufen lassen , wenn der Augenblick herannaht . « Jedes Wort bei diesem erhabenen Sterben war einfach und erhaben wie der Scheidende selbst . Die Kaiserin verließ still weinend das Gemach - als sie die Schwelle überschritten , mußten ihre Kammerfrauen sie forttragen . Der sterbende Herrscher ließ dann die Grafen Orloff und Adlerberg , den Minister des kaiserlichen Hauses , und den Kriegsminister Fürsten Dolgorucki eintreten - diese drei Männer aus seiner Jugend , die ein ganzes Menschenleben neben treuen Unterthanen ihm treue Freunde gewesen waren . Der Kaiser dankte ihnen für diese Treue und nahm Abschied von ihnen . Sein Auge begegnete ruhig und fest dem unruhigen vorwurfsvollen Blick Orloff ' s. Später ließ er seine spezielle Dienerschaft kommen , segnete sie und nahm Abschied von ihr . Der ersten Kammerfrau der Kaiserin , von Rohrbeck , dankte er besonders für ihre Pflege dieser und trug ihr einen Gruß auf an sein liebes Peterhof . Der Kaiser , schon schwer athmend , befahl hierauf selbst , seinen nahen Tod nach Moskau , Warschau und Berlin zu telegraphiren und traf mehrere Anordnungen für sein Begräbniß , das er möglichst einfach wünschte . Dann - es war gegen 10 Uhr - wandte er sich mit der Frage an den Arzt , wie lange der Prozeß der Auflösung zu dauern pflege . Weinend antwortete ihm Dr. Mandt : » Zwei Stunden . « Jetzt trat eine schreckliche Stille ein - die Sprache hatte den Kranken verlassen - er betete still , sich oft bekreuzend , nachdem er die Hand seiner zurückgekehrten Gemahlin in die des Ober-Presbyter Bajanow , seines Beichtvaters , gelegt . Diese Zeit der Stille war erhaben furchtbar . Die Hand der Gattin trocknete zitternd von Zeit zu Zeit mit ihrem Tuch die Perlen des Todesschweißes von der bleichen Stirn des Sterbenden5 . - Bald nach eilf Uhr wurde der Thronfolger abgerufen und entfernte sich leise . Als er zurückkehrte , hielt er zwei Briefe in der Hand - die der so eben eingetroffene Sohn des Fürsten Menschikoff nebst den Depeschen über den Reiterangriff Chruleff ' s auf Eupatoria überbracht hatte . Der Blick des durch das Geräusch aufmerksam gemachten Leidenden traf den Thronerben . Dieser beugte sich über ihn und flüsterte : » Briefe von meinen Brüdern aus Ssewastopol - willst Du sie lesen ? « Der Kaiser winkte verneinend - er hatte die Sprache wiedergefunden und sagte laut : » Es würde mich wieder auf die Erde zurückführen ! Grüße meine tapfern Soldaten von Ssewastopol und danke ihnen in meinem Namen ! « Einige Minuten nachher sprach er mit eben so kräftiger Stimme : » Ditez à Fritz , de rester toujours le même pour la Russie , et de pas oublier les paroles de Papa ! « Es war sein letzter Gruß an die Erde - sein Testament für Rußland ! Der letzte Todeskampf begann - lange noch ruhte sein brechendes Auge auf den beiden Großfürsten , den jüngern Gliedern der Familie und auf der Kaiserin , deren Hand er in der seinen behielt und wiederholt drückte . Alle Anwesenden lagen auf den Knieen - das leise Murmeln der Sterbegebete von den Lippen des Priesters klang allein durch das Gemach . Sie beteten für ihn - er betete mit ihnen , daß Gott der Herr sein unsterblich Theil barmherzig empfangen möge . - - - Um 12 Uhr 10 Minuten verkündete Dr. Mandt , daß der Herrscher von Rußland so eben verschieden sei . Nach dem Urtheil der Aerzte ist selten ein Mensch so leicht und schmerzlos gestorben , wie Kaiser Nicolaus ! - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - Von Berlin brachte der Telegraph - zum ersten Mal sühnend jene unheilschwangere drängende Eile der Neuzeit - des Königlichen Freundes und Bruders frommes Trosteswort der heiligen Offenbarung : » Selig sind die Todten , die in dem Herrn sterben . Ja , der Geist spricht , daß sie ruhen von ihrer Arbeit und ihre Werke folgen ihnen nach ! « Fußnoten 1 1829 von Graf Orloff geschlossen . 2 Neuenburg ! ! ! 3 Der französische Gesandte in Wien . 4 Das Institut der zahlreichen General- und Flügel-Adjutanten des Kaisers bildete gleichsam seine Executive . Als Vollstrecker seiner persönlichen Befehle flogen sie nach allen Richtungen des weiten Reichs , Strafe , Reform und Belohnung bringend . 5 Dies Tuch wurde später von der Kaiserin einem der treuesten Verehrer und Freunde ihrer Gemahls , dem bekannten Vorleser seiner Majestät des König von Preußen , Hofrath Louis Schneider , als erhabenes Andenken an den großen Todten übersandt . III. Lagerbilder . Die Engländer . Mit dem Orkan am 14. November hatten die furchtbaren Leiden der englischen Armee vor Sebastopol begonnen . Der wolkenbruchartige Regen hatte dazu die ganze Gegend von Balaclawa bis zur Front in einen Sumpf verwandelt und die Verwüstungen , die er angerichtet , waren über alle Beschreibung . Von sämtlichen ohnehin äußerst schlecht construirten Zelten blieben nur drei im ganzen Lager stehen , - der Sturm war so heftig , daß er ganze Gefährte umwarf , Tische und Balken fortschleuderte , daß sich die Menschen am Boden festhalten mußten , um nicht fortgerissen zu werden , und daß die Soldaten verzweifelt danach riefen , zum Sturm gegen die russischen Batterieen