werden . Das Ganze beständig an jene Karlsbader Etuis erinnernd , die in zwei zusammenpassenden Nußschalen eine Schere , einen Fingerhut , einen Bindlochstecher und eine Nadelbüchse enthalten , während man doch annehmen sollte , daß der Fingerhut allein schon ausreichen müßte , das Etui zu füllen . Nach dem Frühstück , dem namentlich unser Supercargo durch allerhand kulinarische Aperçus eine höhere Weihe zu geben wußte , stiegen wir auf Deck , und hatten nun die Wald- und Wasserlandschaft , die wir , während der letzten Stunde , nur in Ausschnitten kennengelernt hatten , in ihrer Totalität vor uns . Ein klarer , lichter Tag ; blauer Himmel und Sonne , und doch ein feiner grauer Nebelschleier , der , über Wasser und Landschaft liegend , alles milderte und dämpfte . An den Ufern hin – ein seltener Anblick im norddeutschen Flachland – standen hochaufgeschichtete Holzmeiler , bestimmt , zu Kohle verbrannt zu werden . Wie mir versichert wurde , eine Folge des Raupenfraßes , der nur noch diese Verwendung der geschädigten Kiefernwaldungen gestattet , oder sie doch als die vorteilhafteste erscheinen läßt . Zwischen den Holzmeilern , und auf eine weite Strecke hin mit ihnen abwechselnd , erhoben sich die Kolossalbauten der Berliner Eiswerke , die , halb wie Riesenschuppen einer Fabrikanlage , halb wie die Gradierwände einer Saline dreinschauten . Zu meiner Überraschung erfuhr ich , daß auch zu Zeiten Feuer in ihnen ausbricht . Eingesprenkelt in diese Meiler und Eiswerke , die auf weithin die Ufer beherrschen und ihnen den Charakter geben , präsentierten sich auch Villenanlagen , die in allen erdenklichen Spielarten , namentlich im italienischen und englischen Kastellstil , zu uns sprachen . Dicke und schlanke Flachtürme , mit Pfeilern , Sims und Balustrade . Alles in allem ein wunderbarer Anblick , der , nach mehr als einer Seite hin , zu denken gibt . Geflissentlich an den unübertroffenen Vorbildern Schinkels und seiner Schule vorübergehend , wie sie die Villenstraßen des Tiergartens aufweisen , gefällt sich der Bourgeois unserer östlichen Stadtreviere darin , seinen » Donjon « , und , wenn es sein kann , selbst seinen » Belfroi « zu haben . Und dieser Schiefheit des Gedankens entspricht die Ausführung , die er erfährt . Eine geschäftsbefreundete » Firma « , die ein Ignorieren nicht wohl gestattet , empfängt den Bau in Entreprise , und tot und steif werden nun die Rund-und Spitzbögen aus dem Nürnberger Spielkasten genommen . Eben wieder lag ein reichgegliederter » Tudorturm « , dessen hochaufgehißtes Banner allem Stolz von York und Lancaster zu trotzen schien , glücklich hinter uns , als die Wasserfläche des Langen Sees sich verbreiterte , und unseren Architektur-Unmut , soweit er überhaupt an Bord unseres Schiffes geteilt wurde , in dem Imposanten des landschaftlichen Bildes untergehen ließ . Wir waren in das eigentliche Regattaterrain eingefahren und befanden uns in Nähe jener haffartigen Stelle , wo sich , angesichts der Schmöckwitzer Brücke , vier über Kreuz gestellte Seeflächen : der Lange See , der Seddinsee , die Krampe und der Zeuthenersee , ein Rendezvous geben . Der Nordwester wuchs , rascher ging die Fahrt , feuchter und erquicklicher wurde die Luft . Das Bild nahm uns gefangen : wir waren begierig , es von einer Hochstellung aus besser überblicken zu können . Eine Strickleiter war nicht da , die wir hätten erklettern können ; so festigten wir , rechts und links , ein Klammer- und Hakenbrett an die zwischen Mast und Wanten straffgespannten Schrägtaue , und nahmen auf diesen Brettern hüben und drüben unseren Stand . Kapitän Backhusen , den Tubus in der Hand , gab nicht nur die Orders , sondern auch die Informationen . » Das ist die Krampenbude , das ist Philippshütte , das ist der Schmöckwitzer Turm ; hier in Front aber , wo Sie die Rohrinsel schwimmen sehen , das ist › Robins-Eiland ‹ , wo unser Flaggenschiff an den Regattatagen zu liegen pflegt . Dahinter steigt der Müggelsheimer Forst an , und wo er sich wieder senkt , das ist Kahniswall . « » Kahniswall ? « fragte ich einigermaßen überrascht . » Gewiß , Kahniswall . Kennen Sie es ? Eine Kolonistenanlage ; früher ein Fischerhaus . « » Ja , dann kenn ' ich es . Nicht von Ansehn , aber aus einer Erzählung . Und Robins-Eiland , das dort im Rohrgehege mit den drei Pappelweiden schwimmt , muß dann just die Insel sein , wo meine Robinsonade spielt . « Wir steigen wieder auf Deck , und die Aufforderung erging an mich zu erzählen , wobei es nicht an Zweifeln und scherzhaften Vorwürfen fehlte , ihnen , » den Halbautochthonen dieser Gegenden « , etwas Neues über die nördliche Wendei verraten zu wollen . » Wir wissen hier Bescheid , wie in unserer eigenen Tasche ; wir könnten Zivilstandsregister führen und Chroniken schreiben , und nun kommen Sie , um uns auf unserem eigenen Terrain eine Niederlage zu bereiten . Kahniswall , eine Robinsonade ; was ist es damit ? « » Ich habe vor Jahren , als ich Geschichten aus dem Teltow sammelte , durch Güte eines Freundes davon erfahren . Es war eine briefliche Mitteilung und trug die Überschrift : › Der Fischer von Kahniswall . ‹ « » Nun so lassen Sie hören . « » Gut denn . « Der Fischer von Kahniswall Der Fischer von Kahniswall » Fischer Kahnis hielt eine Fähre , da , wo der Rahnsdorfer Spreearm in den Seddinsee eintritt . Das Häuschen , das er bewohnte , war des sumpfigen Untergrundes halber von ihm selber auf einem eigens hergerichteten Damm oder Wall aufgeführt worden , und weil alles damals noch ohne feste Bezeichnung war , erhielt diese Wallstrecke , wo sein Häuschen stand , den Namen Kahniswall . Die Kolonisten von Gosen und Neu-Zittau , seine nächsten Nachbarn , vergaßen über diesen Ortsnamen sehr bald den Namen dessen , der Wall und Häuschen erst geschaffen hatte , und nannten ihn , nach seiner Schöpfung , den › Fischer