großes Wohlwollen und Vertrauen bewiesen , trat ihm jedoch kühn in den Weg . - » Euer Majestät wissen vielleicht nicht , daß draußen eine Kälte von mehr als 23 Grad herrscht . Wenn Euer Majestät meine Bitten auch nicht beachten , so flehe ich Sie wenigstens an , das Urtheil meines Collegen Dr. Karell anzuhören . Es ist meine Pflicht , darauf zu dringen . « Der Kaiser war stehen geblieben , - ein Hustenanfall erschütterte heftig den kräftigen Körperbau trotz aller Anstrengungen , die er machte , ihn zu unterdrücken . Zwei scharf begränzte rothe Flecken zeigten sich auf seinen Wangenknochen - er sah die beiden Aerzte ernst aber nicht mißbilligend an . » So reden Sie ! « » Sire , « sagte Dr. Karell mit fester Stimme , » kein Militairarzt in der ganzen Armee würde einem Soldaten , der so krank wie Euer Majestät ist , erlauben , das Hospital zu verlassen , weil er sicher ist , daß der Patient es nur kränker wieder betreten wird . « » Ich kann dem Urtheil des Dr. Karell nur beistimmen , « fügte Mandt hinzu , » und wiederhole als Arzt die Forderung , als Unterthan die ehrfurchtsvolle Bitte , daß Euer Majestät in Ihr Zimmer zurückkehren . « Das Schweigen des Kaisers war nur kurz - seine Stimme ruhig und den unbeugsamen Entschluß verkündend , der keine Widerrede mehr duldet , als er sagte : » Ich danke Ihnen , meine Herren ; Sie haben Ihre Pflicht gethan , lassen Sie mich nun auch die meine thun . « Damit ging er an den sich ehrerbietig Verbeugenden hastig vorüber . Sie sahen sich erstaunt und schmerzlich betroffen an . - - - Der Kaiser blieb zwei Stunden , nur in seinen Mantel gehüllt - er besaß nicht einmal einen Pelz , - in dem kalten Exercierhause , und war trotzdem bei seinem Fortgehen ganz in Schweiß gebadet , denn er war sehr angegriffen , hatte stark gehustet und fortwährend ausgeworfen . Dennoch fuhr er , als er das Exercierhaus verlassen , noch zu dem kranken Kriegsminister , Fürsten Dolgorucki , ermahnte diesen , nicht zu früh auszugehen , und kehrte dann erst in das Winter-Palais zurück . Die Kälte auf den Straßen war schneidend ! - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - Es war am Vormittag des 2. März - in den Vorgemächern des kaiserlichen Kabinets waren die obersten Palastdiener , die Minister , die Generäle und hohen Hofchargen zahlreich versammelt , und dennoch herrschte eine fast lautlose Stille , nur zuweilen von einer leisen Frage an die langsam und traurig ab- und zugehenden Kammerdiener unterbrochen . In den Augen ernster Staatsmänner , schlachtengewohnter Krieger hingen Thränen , finster und sorgenschwer falteten sich die Stirnen , die Augen befragten sich stumm und ängstlich - gespannt lauschte das Ohr auf jeden Laut aus dem Krankenzimmer . In allen Kirchen der großen Kaiserstadt lag das Volk auf den Knieen mit seinen Geistlichen vereint im Gebet um das Leben des Czaren . Seit dem Abend des unglücklichen 22. Februar , an dem er noch darauf bestanden , den Gebeten der ersten Fastenwoche beizuwohnen , hatte der Kaiser sein Arbeitskabinet nicht mehr verlassen . Dort ertheilte er , auf dem Sopha liegend und nur mit dem Mantel zugedeckt , am andern Tage dem Obersten und Flügel-Adjutanten von Tettenborn noch Audienz und fertigte ihn mit Instruktionen nach Baktschiserai ab . Am Abend ließ er den Großfürsten Thronfolger zu sich kommen und schloß sich mit ihm ein . Als nach zwei Stunden der Erbe Nußlands das Kabinet seines Vaters verließ , bemerkte man , daß er auffallend bleich und erregt aussah . Von diesem Augenblick an übernahm der Großfürst alle Regierungsgeschäfte . Vom 24. bis 27. Februar steigerten sich nur langsam die Erscheinungen der Krankheit - erst in der Nacht zum 1. März verschlimmerten sie sich reißend und am Abend dieses Tages gaben die Aerzte die Hoffnung auf . Auf ihren Wunsch baten die Kaiserin und der Thronfolger den Kranken , das heilige Abendmahl zu nehmen . Die Kaiserin hatte die ganze Nacht am Lager ihres Gemahls mit seinem Leibarzt zugebracht . Es war 3 Uhr Morgens , als dieser dem Kaiser eröffnete , daß seine Lunge in starke Mitleidenschaft eingetreten und eine Zähmung derselben zu befürchten sei . Der Herr von Millionen von Menschenleben verstand , daß der Größere seine Zeit beschlossen habe . Keine Muskel in dem thernen Antlitz zuckte , als er sich mit der Frage an seinen Arzt wandte : » So muß ich sterben ? « Drei Mal setzte der treue Diener an , das verhängnißvolle » Ja « auszusprechen , - die Stimme versagte ihm , erst beim dritten Mal kam es über seine Lippen . Der Kaiser faltete ruhig die Hände - sein großes Auge wandte sich nach Oben - das Ohr des Arztes allein vernahm das leise Wort , das er flüsterte - es hieß : » Rußland ! « Mit freundlichem Blick wandte sich der dem Tode geweihte Herrscher dann zu dem Verkündiger der furchtbaren Botschaft und sagte , ihm die Hand reichend : » Ich danke Ihnen . Woher haben Sie den Muth gehabt , mir dies zu sagen ? « Dr. Mandt erwiederte , daß er nur ein Versprechen erfüllt habe , was er ihm früher gegeben ; daß er es für seine Pflicht gehalten , weil er wisse , daß Er die Wahrheit hören und ertragen könne . Der Kaiser nickte . Dann verlangte er das heilige Abendmahl und empfing es ruhig und gefaßt - sein starker Geist hatte mit dem Himmel seinen Frieden geschlossen , wie er ihn jetzt mit der Erde schloß . Er nahm Abschied von der Kaiserin , den kaiserlichen Kindern und Kindeskindern , segnete und küßte jeden Einzelnen mit fester Stimme dabei den Segen sprechend und ihnen Grüße auftragend für die beiden entfernten