aufführen , einen neuen Mitstreiter auftreten lassen , eine Wiederherstellung jenes Ordens , von dem unsre Erbschaft im Grunde herrührt . Wenn ich mich in der Geschichte umsehe und eine Macht vermisse , die das Individuum gegen das Allgemeine in Schutz nimmt , so muß ich beklagen , daß jene Idee der geistlichen Ritterorden an dem freilich begründeten Mistrauen der weltlichen und geistlichen Gewalt scheiterte . Philipp der Schöne von Frankreich ließ Hunderte von Tempelherren foltern , verbrennen . Man sagt , weil er sie um ihre Schätze beneidete . Treffender ist der Grund , wenn man sagt , weil er eine Ritterschaft fürchtete , die das heilige Grab nicht mehr behaupten konnte , sich nur noch auf Rhodus und später Malta hielt und in Frankreich allein über dreißigtausend in jedem Augenblick marschfertige Reisige zu gebieten hatte . Neben einer solchen von sich selbst abhängenden Wehrkraft konnte die königliche Gewalt nicht bestehen . Jeden Wink des Papstes konnte der König gewärtig sein von diesen mächtigen Tempelherren ausgeführt zu sehen . Aber auch die Geistlichkeit fürchtete die Tempelherren . Sie hatten im Oriente Duldung gelernt . Statt die Sarazenen zu vernichten , lernten die Templer das Menschliche , Gleichartige , Brüderliche an ihnen schätzen . Tempelherr und Emir schlossen Freundschaftsbünde und sogar die Religionen näherten sich . Diese Ritter hatten die Welt gesehen , ihr geistliches Kleid moderte nicht mit ihnen in der Klosterzelle , ihr Skapulier war das Schwert , sie tummelten sich durch das Leben mit Thatkraft und Selbstgefühl . Frei waren sie von dem Plagedienst der Observanzen . Sie konnten Messe lesen lassen auch in Gegenden , wo ein Fluch der Kirche die Glocken zu schwingen verbot und die Sakramente nicht verabreicht wurden . Sie waren auch der Geistlichkeit , der sie damit großen Eintrag thaten , zu frei , zu weltlich , zu weltmännisch und zu vorurtheilslos . Die Templer wurden vernichtet . Die St.-Johannesritter setzten die Mission derselben fort . Leider fand man sie nur in der Eroberung des heiligen Grabes , in dem Kampfe mit den Türken . Dieser zuletzt unwahr gewordene Zweck bot kaum einen anständigen Deckmantel für den behaglichen Genuß der reichen Güter des Ordens . Wohlleben , Üppigkeit nahmen überhand . Nur die Malteser behielten ihren Beruf noch , als bewaffnete Missionaire zu wirken . Der Gedanke , Mittler zu sein zwischen Kirche , Staat , Gemeinde kam zu keiner Ausbildung mehr . Nur die Vehme , die heilige , unterirdische , war die letzte Ergänzung des wilden , rechtlosen , verworrenen damaligen Lebens gewesen . Die Gerichte der rothen Erde vertraten die Gerechtigkeit , die keinen weltlichen Hof mehr zu finden schien . Die geistlichen Ritterorden verfielen . Sie , die den Tempel von Jerusalem bewachen sollten , wußten nicht , daß man einen neuen Tempel im eigenen Herzen , einen Tempel der Menschheit gründen , den ausbauen , den bewachen mußte . Sie , die auf Johannes den Täufer verpflichtet wurden , d.h. auf den Geist , nicht auf den Buchstaben des Christenthumes , sie schoben für den Prediger in der Wüste , der vor Christus schon christlich dachte und lehrte , Johannes den Jünger unter und kamen nun immer weiter von ihrem Ursprunge , ihrer ersten Bedeutung ab . Die geistlichen Ritterorden , die der Papst immer und immer wieder bis auf die neuesten Tage erwecken wollte , hatten sich überlebt . In einer neuen höheren Verklärung mußten sie neu geboren werden und dies geschah für die päpstlichen Interessen in der geistlichen Ritterschaft des Ignazius von Loyola . Die Jesuiten sind nicht weltlich , nicht geistlich allein , sie haben die Klöster verlassen und tummeln sich auf offnem Felde unter den Lebendigen . Es sind die neuen geistlichen Ritter der römischen Hierarchie . Sie haben Schild und Lanze mit dem letzten Ritter , dem Don Quixote von la Mancha , in die Raritätenkammer geworfen und kämpfen mit den Waffen des Geistes für die alte Welt im Gegensatz zur neuen . Die Philipp ' s von Frankreich , ohne oder mit der Möglichkeit , die Schönen beigenannt zu werden , wiederholen sich überall und zu allen Zeiten in Europa . In Portugal , Frankreich , Rußland vertrieb man die Jesuiten als eine geistbewaffnete Heeresmacht , die im Organismus des modernen , nur dem Fürsten gehörenden Staates keinen Platz gewinnen dürfe , wie die Templer nicht in Frankreich Platz greifen sollten . Man würde nur blind urtheilen , wenn man glaubte , daß Pombal und Choiseul die Jesuiten verfolgten aus Begeisterung für das Licht der Aufklärung . Nein ! Die despotischen Alleinherrscher waren es , die ihre Macht nicht getheilt sehen wollten . Sie wollten sich auch sogar der Freunde entledigen , wenn sie ihnen mit der Zeit als Zweideutige oder zu Mächtige erschienen . Da , wo die Jesuiten den Machthabern eine verlorene Gewalt erwerben sollten , sind sie ihnen immer willkommen gewesen ; Da aber , wo sie eine errungene Gewalt nun auch zu theilen wünschen , wird man immer geneigt sein , sie wieder zu entfernen . Ich sprach von dem Tempel , den man in Jerusalem suchte und den man überall hätte finden können . Eine Vorstellung dieser Art war es , die die Freimaurerei entstehen ließ . Wie ein Neugeadelter hat diese Gesellschaft gesucht , ihre Ahnen sich aus der Vergangenheit weither zu verschreiben und sich Vorfahren beizulegen , die nie daran dachten , die Geheimnisse des Schurzfelles zu kennen . Diese Gesellschaft hat das Glück gehabt , in einer Zeit , wo Ungeschmack und Unpoesie die Welt regierte , sich einen gewissen Nimbus organischer Natürlichkeit zulegen zu können und nicht dem Fluche aller künstlichen Mysterien , der Lächerlichkeit vor Laien , anheimzufallen . Ihre Ceremonien erscheinen Vielen ehrwürdig . Das will etwas sagen in einer Zeit , die jede neue Religions- oder Sektenstiftung nicht nur sogleich mit der Polizei , sondern auch mit dem Witze verfolgt . Die Freimaurer haben das Glück gehabt , weder der Polizei noch dem Witze zu erliegen und mancher denkende