fünfundzwanzig erreichten das Ziel . Die anderen sechs hatten Schiffbruch gelitten . Der › Elektra ‹ , unserm schönsten und größten Boot , brach der Mast glatt über Deck ab und stürzte samt der Takelage in den Seddinsee ; der › Styx ‹ rannte fest ; der › Forelle ‹ platzte von dem mächtigen Segeldruck die Wantenverbolzung und hob sich aus dem Schiffskörper heraus ; der › Sturmvogel ‹ zog Wasser und mußte Gummiplatten auf die Lecks nageln , um sich zu halten . Ein nicht geringerer Unfall traf die › Undine ‹ . Ihr riß der Leitwagen aus , der das Segel hält , und zwar gerad ' in dem kritischen Moment des Lavierens . Aber Willy Krüger , der sie führte , setzte sich als lebender Ballast auf den Leitwagen und ließ sich halb durch die Wellen schleppen . So glückte es ihm , die Regatta wenn nicht siegreich , so doch ruhmreich mit auszusegeln . « » Das klingt gut . Es würde mich nach dem allen kaum wundernehmen , Ihren Seglerklub zu einer Vorschule für unsere Flotte heranwachsen zu sehen . « » Ich sage dazu nicht nein . Ein jeder nach seinen Kräften . Wie Sie wissen , haben die Mittelgrafschaften Englands ihren vollen Anteil an dem Flottenruhm der Nation . Lord Nelson war ein Predigerssohn . Das Binnenland hat die Sehnsucht nach der See , und aus dieser Sehnsucht erwächst immer das Beste . Nicht aus der alltäglichen Routine . Wollen Sie glauben , daß wir zwischen Café Lubow und der Krampenbude mehr als einen Chinafahrer ausgebildet haben ? « » Sie scherzen . « » Durchaus nicht . Ich nenne Namen . Einer dieser Chinafahrer war Viktor von Gräfe , der , zur Mehrung des von Vater und Bruder her ererbten Ruhmes , das Seine getreulich beigetragen hat . Wenigstens nach unserer Vorstellung . « » Und zwar als Chinafahrer ? « » Gewiß . Es mögen jetzt zwanzig Jahre sein , daß er in Stettin eine Brigg bauen ließ , sie befrachtete und mit ihr nach England ging . Er war Schiffsreeder und Kapitän zugleich . Mit ihm war unser alter Eichmann , ein Freund und Klubgenosse , der die Dienste eines Steuermanns versah . In England wurde die Fracht gewechselt ; dann ging es in großer Tour erst bis Ceylon , dann von Ceylon bis Hongkong . In den ostasiatischen Gewässern verblieben die Freunde längere Zeit , wurden für die Linie Singapore-Kalkutta gechartert , und befuhren dieselbe eine Reihe von Malen . Ihre Ladung war abwechselnd Tee und Reis . Sie verdienten ein bedeutendes Stück Geld und trafen nach Ablauf von dritthalb Jahren wohlbehalten an unserer pommerschen Küste wieder ein . Ihre Studien zu solcher Weltumsegelung aber – denn ich glaube fast , daß sie ihren Rückweg um das Kap Hoorn nahmen – hatten sie auf der Müggel und dem Seddinsee gemacht . « Unter solchem Geplauder war Mitternacht herangekommen ; die Lichter am Ufer hin erloschen , nichts leuchtete mehr als die Johanniskäfer im Gebüsch und die Sterne zu unseren Häupten . Die Frische des Abends steigerte sich zu nächtlicher Kühle und ein Frösteln überlief uns , trotzdem längst energischere Getränke an die Stelle des von Mudy präsentierten Tees getreten waren . Kapitän Backhusen mahnte zum Aufbruch . In der Kajüte drückte noch die Schwüle des Tages , so daß wir übereinkamen , die Tür nicht zu schließen . Zum Schutze gegen Mücken und Motten wurde dicht am Steuer ein Windlicht aufgestellt , das wir unmittelbar darauf von all den Unholden umschwärmt sahen , die ohne diese Vorsichtsmaßregel unsere Nachtruhe gestört haben würden . So aber schliefen wir unbelästigt unserem ersten Reisetag entgegen . Von Köpenick bis Dolgenbrod Von Köpenick bis Dolgenbrod ( Erster Reisetag ) Als ich erwachte , war es heller Tag ; die schon ziemlich hochstehende Sonne füllte die Kajüte mit Licht , und an dem Lärm auf Deck , nicht minder an einer leichten Schaukelbewegung , ließ sich unschwer erkennen , daß unsere » Sphinx « bereits unter vollen Segeln war . Und so war es wirklich . Schloß Köpenick , selbst das preisrichternde » Café Lubow « , das am Abend vorher so oft genannt worden war , lagen längst hinter uns , und die Müggelberge links , die Spreeheide rechts , fuhren wir mit scharfer Morgenbrise den Langen See hinauf . Der Nordwest , der blies , sosehr er unserer Fahrt zustatten kam , ließ es doch wünschenswert erscheinen , unser Frühstück in der Kajüte zu nehmen , deren etwa nur zehn Fuß im Quadrat messender Raum schnell gelüftet war . Mudy trug auf , ein Riesentablett vor uns niedersetzend . Wir verfügten noch über all jene Herrlichkeiten , die auf Seereisen trotz ihrer Einfachheit die größten Luxusartikel bilden : frisches Wasser , frische Milch und – frische Semmeln . Mit letzteren hatte uns Köpenick noch in aller Frühe versorgt . Eine heitere halbe Stunde leitete den Tag ein , heiter und schönheitsvoll . In den Rahmen der offenstehenden Kajütentür stellten sich camera-obscura-artig die Veduten dieser Spree- und Müggelgegenden . Ruhig ging die Unterhaltung ; wenn sie schwieg , vernahmen wir deutlich jenen unbeschreiblichen Glucks- und Murmelton , womit sich ein scharfdurchschnittener Strom in nur halb gehobenen und unfertig bleibenden Wellen an die Planken eines Schiffes schmiegt . Unser Auge richtete sich zumeist auf die wechselnden und doch dieselben bleibenden Landschaftsbilder , die jetzt in immer heller werdender Beleuchtung durch unsere Tür hereinschienen ; nur von Zeit zu Zeit wandte sich der Blick auch unserer nächsten Umgebung , vor allem der Kajüte selber und ihrer kompendiösen Einrichtung zu . Es fehlte nichts . Von der in Zapfen hängenden , alle Bewegungen des Bootes mitmachenden Lampenvorrichtung an bis zu der kleinen Druckmaschine herab , die die Zigarrenspitzen abschneidet , war alles da . Flaschen , Gläser und Flakons standen eingepaßt in ihren Behältern ; überall Polster und Kissen , jeder Gegenstand des Komforts und der Toilette vertreten . Eß- und Spieltische konnten aufgeklappt oder ausgezogen