und Feldschanzen sind vortrefflich . « » Sie können die Vertheidigung verzögern , aber nicht den Fall hindern . Der Korniloff-Hügel beherrscht die Südseite und die Rhede . « » Euer Majestät sagen selbst , daß der Feind falsch operirt . « » Aber er wird seinen Fehler verbessern . General Niel ist bereits in den letzten Tagen des Januar im Lager angekommen , und er ist der beste Ingenieur , den die Franzosen haben . Dieser Bericht der Spione hier meldet , daß er bereits vorgeschlagen hat , die Angriffsfronte zu ändern . « » So muß man die Entscheidung auf einen Wurf setzen . Lassen Sie Menschikoff nochmals mit seiner Gesamtmacht angreifen , von der ganzen Garnison unterstützt . Mögen sie sterben , sie Alle für Rußland , wenn sie nur den Feind mit vernichten . « Der Kaiser war aufgestanden - er trat jetzt um den Tisch und legte dem riesigen alten Krieger die Hand auf die Schulter . » Das kannst Du rathen , Freund ! ich habe andere Pflichten . Hundertachtundzwanzigtausend Mann tapferer Soldaten stehen in und um Ssewastopol - sie mögen für ihr Vaterland sterben , aber sie dürfen nicht leichtsinnig geopfert werden und Rußlands Existenz am Pontus mit ihnen . Oesterreich und dem Halbmond müssen wir dort auf alle Chancen gewachsen bleiben und hier können wir keine Truppen mehr entbehren , denn Frankreich agitirt unaufhörlich in Stockholm , und Finnland ist jeder Invasion offen . « » Aber was beschließen dann Euer Majestät ? « » Ich will den Frieden möglich machen ! « Der Graf sah den Czaren starr und offenbar ihn nicht verstehend an . - » Wollen sich Euer Majestät näher erklären ? « » Später - wir wollen ausführlicher berathen - ich weiß ja jetzt Deine Antwort von Paris . « » Sönnen Sie sich Ruhe , Sire - Sie bedürfen derselben . Ich beurlaube mich . « Der Kaiser winkte ihm freundlich ; er hatte ihm den Rücken gekehrt und stand vor dem Regal , das seine Handbibliothek enthielt . » Ich werde Dich rufen lassen , wenn es Zeit ist ! « Der General entfernte sich - unter der Thür rief ihn der Kaiser nochmals zurück . - » Welcher von den Flügeladjutanten4 ist an der Reihe für die Depeschen ? « » Oberst Tettenborn , Sire . « » Laß ihn bereit sein , nach Baktschiserai abzugehen . - Ich halte es für das Beste , wenn Menschikoff auf seine Enthebung anträgt ; - er ist ohnehin leidend und es würde unserm alten Freunde doch gar zu wehe thun , wenn gerade er , der den Kampf so tapfer begonnen , unterliegen sollte . « Der Graf wagte nicht , Etwas zu sagen ; er verbeugte sich nochmals beklommen und verließ das Gemach . Der Kaiser ging einige Male , die Hände in einander verschlungen , auf und nieder - ein heftiger Hustenanfall nöthigte ihn , stehen zu bleiben . Dann trat er wieder zu dem Bücherschrauk und nahm ein Buch heraus , mit dem er sich an den Tisch setzte . Es war Stokes , des berühmten englischen Arztes Werk über die Brust- und Lungen-Affectionen . Der Kaiser las länger als eine halbe Stunde aufmerksam darin - seine mächtige Stirn hatte sich finster zusammengezogen , zuweilen perlte ein großer Schweißtropfen darauf . Das Rasseln der Gewehre der ablösenden Schildwachen draußen vor dem Palast unter seinen Fenstern weckte ihn aus den tiefen Gedanken , mit denen er über dem Buche saß . Sein Auge traf auf die Madonna von Murillo und von ihr auf das einfache Crucifix von Ebenholz mit dem bleichen weißen Christusbilde , das darunter hing ; seine Hände falteten sich , sein Haupt sank auf sie nieder - der Kaiser betete . Als er sich erhob , ruhte sein Blick wenige Momente ruhig und traurig auf dem Bildniß der Kaiserin und seiner Lieblingstochter , der verstorbenen Großfürstin Alexandra , das er selbst nach dem schönen Portrait von Brüllow in der Kapelle von Sarskojé-Sélo copirt , denn der mächtige Herrscher beschäftigte sich oft in den wenigen Erholungsstunden , die er sich gönnte , mit der schönen Kunst der Farben . Dann , den Kopf erhebend , sprach er fest sein Lieblingswort aus : » Und jetzt - im Dienst ! « Seine Hand drückte auf die Feder der kleinen Glocke - der dienstthuende Kammerherr trat ein . » Wollen Sie so gut sein , lieber Baron , « sagte der Kaiser freundlich , » und Befehl geben , daß mein Schlitten vorfährt ? « » Euer Majestät wollen ausfahren ? « stammelte dieser erschrocken . » Warum nicht ? - Die Garde-Reserven der Regimenter für Litthauen sind zur Revision in der Reitbahn kommandirt ; ich bin nicht gewohnt , auf mich warten zu lassen . Thun Sie also nach meinen , Wunsch . « Der Kammerherr entfernte sich - wenige Minuten darauf kehrte er zurück , um anzuzeigen , daß der Befehl ertheilt worden . Der Kaiser hatte bereits den Helm aufgesetzt und den Mantel umgenommen . - » Majestät , « sagte der treue Diener , » im Vorzimmer warten der Geheime Rath Mandt und Staatsrath Karell . Sie bitten , vorgelassen zu werden . « - Er hatte die Augenblicke benutzt , die beiden harrenden Aerzte von der Absicht des Kaisers in Kenntniß zu setzen . » Ich weiß , ich weiß ! « sagte dieser ungeduldig , » aber ich habe jetzt keine Zeit , später - am Abend oder morgen ! « Er ging an dem Kammerherrn vorbei durch die Reihe der Vorzimmer nach der großen Treppe zu . Im zweiten fand er die beiden Leibärzte . » Entschuldigen Sie , meine Herren , « sagte der Kaiser , halb scherzend , im Vorübergehen , » aber ich bin in großer Eile . Nachher stehe ich Ihnen mit Puls und Athem zu Diensten . « - Sein erster Leibarzt , Dr. Mandt , ein geborener Preuße , dem er stets