Ergötzen , und nicht zum wenigsten des Kurfürsten selbst , entgegengenommen wurde . So verlief die Fehde . Der alte Queiß war längst vorher gestorben , und längst hingestorben seitdem ist der Queißen altes Geschlecht . Auch von dem Herrenhause , darin der Streit entstand , ist nichts mehr da ; was jetzt diesen Namen führt , ist ein verhältnismäßig moderner Bau , wahrscheinlich aus der Zeit Friedrich Wilhelms I. Alles was auch nur entfernt an Mittelalter und Rittertum und Auflehnung erinnern könnte , hat die Zeit getilgt , und nichts ist mehr vorhanden , als ein » Institut « , in betreff dessen ich in einem Nachschlagebuche das folgende fand : » Das für weibliche Erziehung strebsame Fräulein Michelsen hat 1856 in Blossin eine Näh- und Strickschule errichtet . « Tempora mutantur . Die wendische Spree An Bord der » Sphinx « Vor Anker in Köpenick Vor Anker in Köpenick ( Reisevorabend ) Am 6. abends war ich in Köpenick . Ich hatte die Wahl , ob ich von der Land- oder Wasserseite her an Bord gehen wollte , entschied mich aber für letzteres . Alle Dinge haben ihr Gesetz . Wer zu einer Parforcejagd geladen ist , muß in einem roten Frack kommen oder wegbleiben . Also zu Wasser . Ein Boot führte mich um die Schloßinsel herum bis an die Ankerbucht , in der die » Sphinx « still und friedlich unter einem Dach weit vorgestreckter Ulmenzweige lag . Ein leiser Rauch stieg anheimelnd aus ihrem Küchenschornstein auf . Nach kurzem Anruf faßte ich eines der zwischen Mast und Schiffswandung straff ausgespannten Taue und kletterte die Stufen , bloße angenagelte Brettstücke , hinauf . Ich fand die Reisegesellschaft bereits versammelt . Es waren : Kapitän Backhusen , Leutnant Apitz , Supercargo Nettermann . Zu diesen drei Herren , die sich als Mitglieder des Seglerklubs bereits bei mancher Regatta bewährt hatten , gesellte sich , als einziger Nicht-Gentleman an Bord , das Faktotum Mudy . Er vereinigte in sich alle niedrigeren Schiffsgrade vom Vollmatrosen bis zum Kajütenjungen , und führte jeden dieser Titel nicht nur als scherzhaften nom de guerre , sondern mit allervollster Berechtigung . Mit dem Stoßruder in der Hand hatte er sein halbes Leben auf Rüdersdorfer Kalk- und Linumer Torfkähnen zugebracht . Seine Dienste , wie immer die der Subalternen , waren unentbehrlich . Er war auch Koch . Nach Begrüßung und Vorstellung durch den Kapitän , baten alle drei Herren , sich auf eine gute halbe Stunde verabschieden zu dürfen , da eine , meine eigenen Interessen mitberührende Frage , die der Verproviantierung , noch zum Abschluß zu bringen sei . Mudy werde mittlerweile die Honneurs machen , wenn ich es nicht vorzöge , mich im Köpenicker Schloßpark zu ergehen . Ich entschied mich für den Park . Mudy blieb mir immer noch ; man hat nirgends so viel Zeit zu Personalstudien , wie an Bord eines Schiffes . Eine schmale Falltreppe führte mich ans Ufer ; dann , meine Richtung auf das Schloß zu nehmend , erreichte ich ein großes , von einem Kiesweg eingefaßtes Wiesenrondell . Um diesen Kiesweg herum , in weiter gespanntem Bogen , wuchsen Buschwerk und Unterholz auf , aus deren dichtem Gewirr einzelne alte Bäume , Eichen und Akazien , emporstiegen . Die Akazien füllten die Luft mit Wohlgeruch . Es war ein köstlicher Abend . In den Nischen des Buschwerks standen halbzerbrochene Sandsteinfiguren , Urnen und trauernde Engel , anzeigend , daß hier in halbvergessenen Tagen irgendein prinzeßlicher Vorleser , irgendein Mitglied von Hofstaat oder Kapelle begraben worden sei . Nun schlugen die Nachtigallen darüber . Eine dieser Begräbnisstätten – nicht aus Pietät , sondern aus Gärtnerlaune – war von einem Blumenbeet umgeben . Alles Grün fehlte ; nur Lilien , weiße und rote , drängten sich dicht durcheinander . Diese prätentiöse Pracht wirkte beinah unheimlich . Ein junges Köpenicker Paar ging an mir vorüber , das vielleicht Auskunft geben konnte . » Wer liegt hier ? « fragt ' ich . » Da liegt der Flötenspieler « , lautete die Antwort . Und dabei kicherten beide . Ich schlenderte noch den Kiesweg auf und ab , als ich meine Reisegefährten von der Schloßbrücke her zurückkommen sah . Es folgten ihnen drei paar Träger mit großen Deckelkörben , die den angekündigten Proviant herantrugen . Die Körbe über den schmalen Steg hin direkt an Bord zu schaffen war unmöglich ; ihr Inhalt mußte also vom Ufer aus in Einzelstücken herübergereicht werden , etwa wie sich Bauarbeiter die Steine zureichen . Dies gab mir Gelegenheit , die Verproviantierung der » Sphinx « im Detail kennenzulernen . Der Eindruck , den ich davon empfing , war ein gemischter , denn alles Tröstliche , was er mit sich brachte , wurde durch ebensoviel Beängstigendes balanciert . Durch welche Gegenden mußten wir kommen , um zu solchen Vorsichtsmaßregeln gezwungen zu sein ! Es wurden eingeschifft : 120 Flaschen Tivolibier , 120 Flaschen Sodawasser , 30 Flaschen Bordeaux , 3 Filets , 2 Schock Eier , 1 Butterfaß , 1 Zuckerhut , 1 Baumkuchen , 6 Flaschen Scharlachberger und 1 Dutzend Flaschen Champagner . Mehr noch als diese durch Zahl oder Gewicht bemerkenswerten Quantitäten imponierte mir die Liste » Kleinigkeiten « ; sie füllte einen halben Bogen und wies über hundert Nummern auf . Ich zitiere daraus nur folgendes : eine Muskatnuß , ein kleines Reibeisen dazu , Salbeiblätter um Aal und Dilldolden um Schlei zu kochen . Alle diese Dinge , groß oder klein , verschwanden ohne Schwierigkeit in dem Rumpf des Schiffes ; die Butter , das Fleisch erhielten ihren Platz auf großen Eisblöcken , und eh ' eine halbe Stunde um war , war auch die letzte Flasche » gestaut « . Damit hatten die Vorbereitungen ihr Ende erreicht ; Ruhe trat an die Stelle der Arbeit , und während Mudy im Vorderraum des Schiffes sich um den Tee bemühte , saßen wir auf der Rundbank zwischen dem Steuer und dem Kajüteneingang und plauderten . Es war um die elfte