mit großer Heftigkeit herrschende Grippe hatte auch ihn ergriffen , und die Rastlosigkeit , mit der er seine Thätigkeit fortsetzte , die Aufregung , der er sich über die politischen Ereignisse innerlich hingab , und die geringe Schonung seiner Gesundheit hatten das Uebel von Tage zu Tage gesteigert . Obschon bis jetzt noch keine Gefahr vorhanden war und sein Leibarzt Dr. Mandt dies auch anerkannte , hatte dieser doch um Erlaubniß gebeten , einen zweiten Arzt zuziehen zu dürfen und der Kaiser die Berathung seines gewöhnlichen Leibarztes auf Reisen , des Dr. Karell , bewilligt . Am Tage vorher hatten beide Aerzte dem kaiserlichen Herrn ernste Vorstellungen gemacht und erklärt , daß , wenn er nicht eine größere Vorsicht eintreten lasse , sie für die Folgen nicht stehen könnten . Trotz der Bitten der Aerzte und seiner Familie hatte der Kaiser sich geweigert , sein gewöhnliches Kabinet zu verlassen , das für seinen Zustand durch die Ecklage und die großen Fenster , auf die der Wind von zwei Seiten stieß , sehr unvortheilhaft war . Es herrschte in dem Zimmer kaum 10 bis 12 Grad Wärme , während draußen der Thermometer auf 20 bis 23 Grad unter Null zeigte . Der Kaiser hatte eine schlaflose Nacht gehabt , nachdem er den ganzen Abend vorher mit dem Staatskanzler Graf Nesselrode gearbeitet und nachher noch mehrere geheime Berichte und Depeschen durchgesehen . Er hatte sich am frühen Morgen ankleiden lassen und schon um 7 Uhr nach seinem alten Freunde und Vertrauten , dem General-Adjutanten Grafen Orloff gesandt . Der riesige Graf - er war einer der größten und stärksten Männer Rußlands und tödtete im Jahre 1851 , nach Staraia-Russia gesandt , um einen Aufstand in den Militair-Colonieen zu dämpfen , mit einem einzigen Faustschlag einen jungen Soldaten , der aus dem Gliede hervortrat - saß seinem kaiserlichen Herrn gegenüber an dem großen Arbeitstisch , der mit Papieren bedeckt war . Sein Antlitz war ernst und sorgenvoll , das des Kaisers blaß , nur von Zeit zu Zeit durch die Anstrengungen des Hustens oder die innere Aufregung mit fliegender Röthe bedeckt . » Einhundertdreiundzwanzigtausend Mann - es ist nicht möglich , « sagte der Monarch heftig . » Dolgorucki muß sich irren ! « Der Graf reichte ihm das Memoir , das er in der Hand hielt . » Der Feldzug an der Donau kostet uns 60,000 , - Silistria allein den sechsten Theil . Die Almaschlacht zählt mit 6000 , Balaclawa und Inkermann 9000 , - in Ssewastopol sind in den drei Monaten 18,000 gefallen , mehr als eben so viel sind dem Typhus und der Cholera unterlegen oder untauglich . « » Es ist schrecklich - aber unsere Gegner haben fast eben so viel verloren . Welches furchtbare Resultat und für was ? « Der General schwieg . » Ich muß der Sache klar in ' s Auge sehen , « fuhr der Kaiser fort , » ich habe gestern bis 11 Uhr mit Nesselrode gearbeitet , um nochmals alle unsere Aussichten zu prüfen . « » Euer Majestät reiben sich auf mit dieser rastlosen Thätigkeit bei Ihrem Unwohlsein . Ihr Leben ist das schätzbarste Gut Rußlands . « » Wer weiß - wer weiß , alter Freund ! Wir sind Beide Soldaten und wissen , wie leicht jede Lücke sich schließt . Hätte nur Kleinmichel mich nicht mit den Straßen im Stich gelassen , die Sache stände anders . Wer hätte von Oesterreich Das gedacht ! « » Ich habe Euer Majestät stets gewarnt , sich nicht von Meyendorf täuschen zu lassen . Er über Wien - Nesselrode über London . Er war Metternich nicht gewachsen und verließ sich blind auf seine Verwandtschaft . « » Ich weiß , daß Du die deutsche Partei nicht liebst , « sagte kopfschüttelnd der Kaiser , » Meyendorf trifft keine Schuld , Du selbst hast bei diesen undankbaren Oesterreichern Nichts ausgerichtet . Was geschehen ist , läßt sich nicht ändern . « » Euer Majestät erinnern sich , daß ich im Jahre 49 gegen die Hilfe ohne Bedingungen war . Großmuth in der Politik ist immer ein Fehler und das Möglichste zu fordern nie ein Schade ! « Der Monarch lächelte bitter . » Das ist das Prinzip , nach dem Du beim Vertrag von Adrianopel1 gehandelt . Und was nützen uns jetzt diese Zugeständnisse ? Hab ' ich nicht auf den undankbaren Allianztractat vom 2. December , den Oesterreich mit Frankreich und England geschlossen , mich bereit erklärt , alle jene alten Rechte zu opfern ? Ich will Dir sagen , Alexei Feodorowitsch , wie es ist . Man will in Wien den Frieden nicht , man glaubt die Gelegenheit günstig , die Donau zu gewinnen und schämt sich nicht , dafür die Liberalen Deutschlands in Bewegung zu setzen . « » Sire , Ihr Schwager hält fest ! Er ist ein Ehrenmann auf dem Thron . « » Ich weiß es und vertraue auf ihn . Oesterreich ' s Intriguen am Bundestag scheitern an Preußens Festigkeit , und die französischen Noten werden ihre Abfertigung finden . Rußland ist in der Schuld Preußens und möge es nie vergessen , wenn die Zeit kommt , wo die andern Mächte sich für seine jetzige Neutralität zu rächen suchen2 ! « Der alte General schwieg - es war offenbar , daß er erwartete , der Kaiser solle ihn um einen Gegenstand befragen , und dieser zauderte ganz gegen seine Gewohnheit damit . Er legte wiederholt die Hand auf den Tisch und ballte sie , gleich als bemühe er sich , einen Entschluß zu fassen . Endlich wie erzürnt über sich selbst , heftete er seine Augen fest auf den Grafen und sagte mit leiser , kaum hörbarer Stimme : » Ich habe Dein Billet von gestern Abend erhalten . Der Agent ist zurückgekehrt ? « » Ja , Sire ! « » Und er bringt die Antwort auf unsere Vorschlage ? « Der General nickte stumm . » Heraus damit , Mann - man hat