Kurfürst selber zuzuneigen , denn anstatt das erwähnte stattliche Heer , dessen Zusammenziehung ihm 50000 Gulden gekostet hatte , gegen Sonnenwalde marschieren zu lassen , ließ er es nach vierzehntägigem Zusammen sein wieder auseinandergehen und entschloß sich , zu Minckwitzens Bestrafung , einen andern , ungefährlicheren Weg einzuschlagen . Er reichte nämlich Klage gegen ihn als Landfriedensbrecher beim Reichskammergericht zu Wetzlar ein und hatte denn auch die Genugtuung , die Reichsacht über denselben ausgesprochen zu sehn . Der Verklagte war nun vogelfrei , dem Anschein und dem Wortlaute nach ein toter Mann . Aber über bloße Worte kam es nicht recht hinaus . Der Bischof Georg von Blumenthal dringt in den Kurfürsten Joachim auf energisches Einschreiten gegen Nickel Minckwitz Nickel Minckwitz , während die Reichsacht über ihn verhängt war , trieb sich in deutschen Landen umher und suchte bald hier bald dort Sicherheit vor den Nachstellungen des Kurfürsten und des Bischofs von Lebus . Im Jahre 1532 durchzog er Niedersachsen und Holstein . Eine Zeitlang hielt er sich bei dieser Gelegenheit in Lübeck auf , dessen Magistrat ihn aber auf ein von Cölln an der Spree her erhaltenes Warnungsschreiben » einem bekannten Ächter keinen Aufenthalt gestatten zu wollen « zu schleuniger Abreise veranlaßte . Minckwitz begab sich nun ins Mecklenburgische , woselbst ihn Eggert von Quitzow auf Vogtshagen und die Parkenthine zu Dossow in Schutz nahmen . Einst sah er sich hier durch den bischöflich Ratzeburgischen Hauptmann – der als solcher in direkten Diensten des Bischofs Georg stand – in der Gegend von Vogtshagen überrascht , war aber glücklich genug , uneingeholt das Schloß erreichen zu können , dessen Brücke nun hinter ihm aufgezogen wurde . So viel Glück dies einerseits war , so war doch andrerseits des Minckwitzen Aufenthalt durch eben diesen Vorfall verraten worden , und Bischof Georg forderte , sobald er davon gehört hatte , des Kurfürsten ernste Verwendung bei den Herzögen Albrecht und Heinrich von Mecklenburg . Joachim zeigte sich auch willig , und alsbald wurde der Hauptmann zu Ruppin , Matthias von Oppen , ferner der Hauptmann zu Zehdenick , Hans von Hake , und der kurfürstliche Rat Franz Neumann an den Mecklenburgischen Hof abgesandt , nicht um Minckwitzens direkte Verhaftung und Auslieferung , sondern nur um einen Befehl an den Eggert Quitzow und die Parkenthine » den Geächteten nicht länger bei sich hausen zu lassen « auszuwirken . Aber aller angewandten Mühen ungeachtet , gelang es der Gesandtschaft nicht , die Herzöge nach Wunsch umzustimmen , die sich vielmehr einer um den andern aus der Residenz entfernten . Als sich die kurfürstlichen Räte schließlich überzeugen mußten , daß sie den Zweck ihrer Sendung nicht erreichen würden , ent schlossen sie sich ebenfalls zur Abreise . Joachim benachrichtigte nunmehr den Georg von Blumenthal von diesem entschiedenen Mißerfolg , empfing aber nur ein in herben und doch zugleich klug berechneten Ausdrücken abgefaßtes Antwortschreiben , worin er seitens des Bischofs zu ferneren und kräftigeren Maßregeln in dieser Angelegenheit aufgefordert wurde . » So nun Herzog Heinrich « , schrieb der Bischof , » nicht begnügig Antwort gibt , so achten wir dafür , daß statt seiner wenigstens Herzog Albrecht etwas thu , auf daß Eure churfürstliche Durchlaucht nicht in Schimpf besitzen bleib und bei die Leut verachtet werd , dieweil der eine Parkenthin zu unserm Hauptmann gesagt hat : › er acht ' Eure churfürstliche Durchlaucht nicht besser als seine Bauern ‹ . « Nickel Minckwitz demütigt sich vor dem Kurfürsten und der Streit wird geschlichtet Es war dies Schreiben , wie schon angedeutet , auf die Schwächen und Empfindlichkeiten des Kurfürsten sehr geschickt berechnet , und wohl möglich , daß es in dem gewünschten Sinne gewirkt und energischere Schritte veranlaßt hätte , wenn nicht eben jetzt von anderer Seite her ein Ausgleich gekommen wäre . Die Zeit war nämlich nun da , wo der seit Jahren beim Reichskammergericht schwebende Prozeß , über die bereits stattgehabte Reichsacht-Erklärung hinaus , einer endgültigen Entscheidung entgegensah , einer Entscheidung , von der nicht bloß Nickel Minckwitz , sondern , was wichtiger war , auch die verschiedenen Freunde , die sich für ihn verbürgt , allerlei zu befürchten hatten . Und dies wurde schließlich Grund , daß man Minckwitz bestimmte , sich vor dem Kurfürsten zu demütigen . Es geschah dies zeremoniös , im Stil einer Staatsaktion , und am 22. Oktober 1534 erschien Beklagter auf dem Schlosse zu Cölln an der Spree vor großer und feierlicher Versammlung , um zunächst vor dem Kurfürsten einen Fußfall und gleich danach vor dem Bischof und der Gesamtheit der Stände » demütiglich Abbitte zu tun « . Und nachdem dies vorüber , erklärten Minckwitzens in Person anwesende Freunde : Graf Mansfeld , Graf Eberstein-Naugard , vier Grafen Schlick , Johann Burggraf zu Dohna auf Königsbrück , ein Herr von Biberstein , Jan von Schönburg zu Hoyerswerda , acht Ritter und fünfundzwanzig andre angesehene Edelleute , » daß sie sich verpflichteten , dem Kurfürsten mit zweihundert wohlgerüsteten Pferden auf ihre Kosten und Gefahr vier Monate lang getreue Kriegsdienste leisten zu wollen , eine Verpflichtung , die durch Minckwitzens Tod nicht aufgehoben werden solle . « Zugleich verbürgten sie sich für diesen letzteren dahin , daß er ( Minckwitz ) sich an niemanden räche , auch alle Orte , wo der Kurfürst verweile , desgleichen auch die Stadt Fürstenwalde für immer meiden solle . Die Handlung schloß damit , daß der Kurfürst und der Bischof ihm Verzeihung angedeihen ließen und ihn wieder in Gnaden annahmen . Ja Joachim , so wenigstens wird erzählt , soll entzückt von der klugen Art , die der Beklagte während all dieser Vorgänge gezeigt , ihn schließlich zur Tafel gezogen haben . Und als sie nun becherten und der Kurfürst ihn fragte : » was er denn wohl getan haben würde , wenn ihm die geplante Gefangennehmung des Bischofs geglückt wäre « , soll er im Übermute geantwortet haben : Si pervenisset in meam potestatem testiculos episcopales ipse amputassem – eine Antwort , die nach Sitte der Zeit , unter allgemeinem