seines Schicksals so zu rühmen , wie wir ' s zu unserer Beruhigung oft im Stillen thaten « ... Leo Perl starb als christlicher Pfarrer in Borkenhagen ... sagte ein dumpfe Stimme , die wol Terschka ' s sein konnte ... Dies Wort schien auf die bindende Kraft eines geweihten Priesters berechnet zu sein ... Vielleicht war er schon heimlich in Paris ein Christ ! erwiderte der Präsident mit parodirender Ironie ... » Leo Perl « , fuhr der Provinzial fort , » wurde von uns überredet , in den Betrug der Maldachini miteinzutreten . Ganz in der Laune , die wir an ihm kannten , griff er zum Champagnerglase und sagte lachend zu . Wir verlangten von ihm nichts Geringeres , als sich in ein Priestergewand zu hüllen und in einer entlegenen Kapelle , auf den Gütern eines der Mitverbündeten , bei nächtlicher Weile den Freiherrn von Wittekind mit Fulvia Maldachini zu trauen . Aufrichtig gesagt , ich erstaune noch jetzt über seine Zustimmung ... Ich kannte sonst die Gewissenhaftigkeit , die ihn beseelte , bei aller Leichtigkeit in der Beurtheilung anderer « ... Auch für Löb verlor sich sein : Wie Veilchen ! und der Spinozismus jetzt in drei bis fünf Jahre Gefängniß ... » Perl war des Ritus so kundig , wie oft kein - Domdechant « - Der Provinzial mußte wol im Lesen lächeln ... Seine Stimme klang heller ... » Die vermessene , wahnwitzige Scene ging vor sich bei Lichterglanz und unter Assistenz eines Meßners , den eine Person spielte , die ich Ihnen nicht nennen will « ... Eines Priesters also ! sagte Terschka bedeutungsvoll , ohne den Dechanten selbst zu nennen ... Wie es scheint ! bemerkte der Präsident und setzte mit Bitterkeit hinzu : Sie suchen für Ihre Casuistik irgendeine geheime Schraube ! Was das bürgerliche Recht mit dem Zuchthaus bestraft , wird bei uns das kanonische nicht zum Sakrament erheben ! - Doch lesen Sie ! Ich bitte ! ... » Eine katholische Trauung muß in dem Ort stattfinden , wo man lebt ; dafür hatten wir die Demissorialien . Sie findet in der Regel des Morgens statt ; dafür hatten wir wiederum einen Erlaßschein . Das in der Waldkapelle bei Nacht verbundene Paar bestieg eine Kutsche und reiste auf Schloß Neuhof . Dort lebte es dann so , wie es der Freiherr gewünscht hatte . Einstweilen noch kehrte die Maldachini in ihre Stellung zur Bühne zurück . Sie genas später eines Knaben , der auf den Namen der Mutter getauft und von einer Dame erzogen worden ist , die ich - gleichfalls nicht nennen kann « ... Frau von Gülpen ! blitzte es in Löb auf ... Doch nahm er diesen Gedanken zurück , da er nur die große Anzahl » Nichten « kannte , denen Frau von Gülpen eine so liebende Tante war ... Länger dauerte freilich der Nachklang desselben Namens - bei Bonaventura ... » Die Kämpfe der Maldachini , sich anerkannt zu wissen , gingen mit der Zeit aufs Aeußerste . Sie wurden um so gefährlicher , als sie Verdacht schöpfte und mit Entdeckung drohte . Nur weil ihr Perl öfters in wirklicher Priestertracht entgegentreten konnte , wurde sie beruhigt . Der Kronsyndikus hatte in seinen Neigungen keinen Bestand ; bald wurde er gegen sie wie gegen alle ; sein Leben auf Neuhof steigerte sich ja bis ins Sinnlose « - ... Löb füllte die Pause , die entstand , mit der Empfindung : Muß ein Sohn das von seinem Vater hören ! ... » Bald erfuhr auch diese seine vermeintliche Gattin die gewöhnliche Tücke seines Sinnes . Sie kam zum zweiten mal in die Hoffnung und bestand mitten in dem Gewühl der Flucht des westfälischen Hofes von Kassel 1813 ihre Entbindung . Der Kronsyndikus , sich an den Zusammenbruch des Königreichs Westfalen haltend , verstieß sie ... Hülflos wurde sie von den Mitgliedern ihrer Gesellschaft in den allgemeinen Strudel des Schreckens und der Flucht mit fortgerissen ... Wir verloren sie aus den Augen und das für immer . Eines Tags erzählte mir Ihr Vater lachend , sie wäre in Paris eine Herzogin geworden ... Damals aber brach die Zeit an , wo über uns alle ernstere Stimmungen kamen . Unsere mannichfach neubedingten Lebensstellungen riethen uns , unsere Aufführung zu regeln und so entstand das Bedürfniß , auch über diesen Jugendstreich den Mantel der Vergessenheit zu breiten - zumal , da ich später von Leo Perl zu meinem Schrecken erfuhr , daß er diese Ehe - « An dieser Stelle war es plötzlich dem Horcher , als hörte er eine Bewegung , die nicht von den Männern im Nebenzimmer kommen konnte , obgleich auch drinnen die durcheinander gehenden Stimmen ein Staunen auszudrücken schienen ... Aengstlich sprang Löb zur Seite und hielt die Decken , die ihm entgleiten wollten ... Alles war wieder still . Glücklicherweise ... Denn gerade die ihm werthesten Stellen der Bekenntnisse des Dechanten konnten ihm verloren gehen ... Der Provinzial hatte inzwischen nicht weiter lesen können , denn Terschka sprach ... Terschka sprach von der Ehe und forderte Bonaventura auf , zu sagen , worin die katholische Ehe ein Sakrament wäre , ob durch den Priester oder durch die Verbundenen ? ... Die Lehre der Kirche läßt es kaum zweifelhaft ! lautete die leise und mit tiefster Erschütterung gegebene Antwort des Domherrn ... Der Präsident bat um genauere Erklärung ... Doch an dieser so hochwichtigen Stelle mußte Löb Seligmann den Schrecken erleben , daß sich jenes Geräusch wiederholte ... Es schien sogar aus dem dritten der dunkeln Zimmer zu kommen ... Bebend sprang er zur Seite und fiel fast über die Franzen seines improvisirten Hohenpriestermantels ... Dann aber war wieder alles still ... Dafür aber waren die Männer nebenan im lebhaftesten Streit über die Ehe und das Sakrament ... Der katholische Glaube in allen Subtilitäten , deren Kenntniß plötzlich von Terschka mehr im Scherz als im Ernst angedeutet wurde , regte den Präsidenten so auf und veranlaßte seinerseits für die Rückhaltsgedanken der Kanonisten so