das Lager , das die Gastlichkeit der Mennoniten ihnen bereitet . - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - Der wilde Schneesturm dauerte mit gleicher Heftigkeit , wie die Tataren es voraus gesagt , bis zum Nachmittag des andern Tages . Jeder Versuch , während des Morgens in ' s Freie zu dringen zur Aufsuchung der Verunglückten , scheiterte an der Wuth des Orkans und der grimmigen Kälte . Erst mit der beginnenden Dunkelheit legte sich der Aufruhr der Natur eben so vollständig und eben so plötzlich , als er entstanden , und konnte die Verbindung mit den nächsten Gehöften wieder hergestellt werden . Aber nirgends fand sich eine Kunde von dem unglücklichen Bataillon und die ganze männliche Bevölkerung der Kolonie und der in ihrer unmittelbaren Nähe liegenden Stanzia machte sich noch am Abend auf , beim Schein des hellen Sternenlichts die Spuren der Vermißten zu suchen . Djemala-Din und Bogislaw begleiteten sie , während der Graf bei dem von den ausgestandenen Leiden erkrankten Knaben zurückblieb . Eine Stunde weit von der Kolonie , mitten in der öden Steppe , fand man die Bestätigung des gräßlichen Unglücks , nachdem man schon lange vorher in einer tiefen Regenschlucht das zerschmetterte Gefähr des Grafen und mehrere Bagagewagen , so wie rings auf der weiten Schneefläche zahlreich Leichen Erfrorener vereinzelt entdeckt hatte . Ein Berg von Schnee , von dem Sturm zusammengewirbelt , wölbte sich hier gleich einer mächtigen Tumule , aus dessen Grund menschliche Glieder und Waffen hervorragten . Die Steppenwölfe umheulten den riesigen Grabeshügel und flohen bei der Annäherung der Lebenden . Mit rüstiger Kraft , von Stunde zu Stunde sich ablösend , ging man daran , die Lawine zu öffnen - je weiter man kam , desto schrecklicher , herzzerreißender wurde das Schauspiel , das sich den Blicken bot . Haufen von Leichen übereinander liegend , starr und eisig , daß bei den Stößen der Schaufeln und Hauen die Glieder wie Glas absprangen , enthüllten sich den Augen . Als der Morgen tagte , stieß man auf das Schrecklichste . In dichtem Haufen gedrängt , aufrecht , fest an einander gepreßt und durch ihre Masse sich haltend , viele noch die Gewehre in den erstarrten Händen , standen mehr als dreihundert Leichen , - ein Quarré von todten Kriegern , in ihrer Mitte der Podpolkawnik , ihr Führer , gleich als erwarteten sie den Feind . Und der Feind war über sie gekommen , aber nicht der , dem Menschenkraft und Menschenmuth widerstehen konnte im ehrlichen Kampf . Die grause Kälte hatte ihre Kraft gebrochen , die Grabeslast des Schnee ' s ihren Muth mit dem Leben getödtet . In den starren Augen schien noch der Trotz des Kriegers zu funkeln , die Reihen schienen nur des belebenden Kommando ' s zu harren , um sich neuem Leben zu entfalten . - Aber der Kommandoruf , der sie weckte , sollte nur die Posaune sein des ewigen Weltgerichts , die die Gräber öffnen wird und die Todten laden zum Gericht des Herrn ! Der junge Tschetschenze floh schaudernd von der schrecklichen Grabstätte . Noch am selben Tage schied er von dem Grafen und seinem frühern Schulgenossen und setzte die Reise nach Perecop und Kertsch fort ; denn der Gedanke , die Geliebte schutzlos unter seinen tapfern aber wilden Landsleuten zu wissen , drängte ihn zur fieberhaften Eile . Ende Februar langte er in Chassaw-jurth an , wo der Fürst Tscheftsawadse sich aufhielt , und seine eigene Ungeduld beschleunigte die Verhandlungen . Der 22. März war der Tag , den der Emir selbst zur Auswechselung der Gefangenen an den Ruinen des Forts von Schoib-Kapu an der Gränze der großen Tschetschnia bestimmt hatte . - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - Die Krankheit des jungen Unterfähnrichs , des Einzigen , welcher aus jener furchtbaren Nacht von dem Bataillon das Leben gerettet , fesselte ihn wochenlang an das Haus des menschenfreundlichen Mennoniten und mit ihm den alten Grafen , seinen Großvater und dessen treuen Diener . Nur langsam ging die Kräftigung des Jünglings wieder vor sich und sehnsüchtig saß er am Fenster des kleinen Stübchens , das ihre Wirthe ihm eingeräumt , und schaute den Kolonnen nach , die Tag um Tag vorüber nach dem Süden zogen zu Kampf und Ruhm . Der alte Revolutionair sorgte mit der Aufmerksamkeit und Liebe einer Mutter für jedes Bedürfniß , für jede Pflege des Enkels , während jedes seiner Worte ihn für seine Pläne zu gewinnen berechnet war . Das Schweigen des Jünglings galt ihm als Zugeständniß für die Erfüllung seiner Wünsche , und schon bereitete er ihre Abreise nach Odessa vor , um von dort nach Frankreich oder der Schweiz zu gehen , als an einem Morgen der Unterfähnrich plötzlich verschwunden war . Ein zurückgelassener Zettel zeigte ihm die Täuschung , in die er sich gewiegt , die Worte lauteten : » Tausend Dank und Segen für Deine Liebe , Großvater , aber Michael Lasaroff hat das Herz eines Russen und sein Platz ist in Ssewastopol ! « Fußnoten 1 Station . 2 Tumulen , alte mongolische Grabhügel . 3 Kohlsuppe und Grütze . 4 Brüderchen - häufige Anrede gegen Untergebene . 5 Menoniten . 6 Oberst-Lieutenant . 7 Unter Kosziusko am 17. Juli 1792 . Das » Finis Poloniae ! « in der zweitgenannten Schlacht gegen Suwaroff am 10. October 1794 ist bekannt . II. Nicht auf den Schlachtfeldern allein stirbt man den Heldentod für ' s Vaterland ! Wir haben unsern Lesern im ersten Band unseres Buches , das sich seinem Ende naht , versprochen , sie noch ein Mal in das Kabinet des mächtigen Monarchen zu führen , gegen den in diesem Augenblick das halbe Europa in Waffen stand . Der Kaiser war seit mehreren Tagen leidend - die in Petersburg