Gegenbesuch in Rakowicz zumachen , und der Verkehr zwischen den beiden Schlössern war lebhafter als je ; Graf Morynski kam mit seiner Tochter sehr oft nach Wilicza , wenn sie den Herrn desselben auch meistenteils nicht antrafen . Das einzige , was der Fürstin bisweilen Aerger verursachte , war das Verhältnis zwischen ihrem ältesten Sohne und Wanda , das sich durchaus nicht ändern wollte ; es blieb kalt , gezwungen , sogar feindselig . Die Mutter hatte es einigemal versucht , vermittelnd einzutreten , aber ohne jeden Erfolg ; sie gab es schließlich auf , die beiden » Trotzköpfe « von ihrem Eigensinn abzubringen . Die ganze Sache war ja überhaupt nur insofern von Wichtigkeit , als sie nicht etwa den Anlaß zu einem Bruch geben durfte , und das geschah durchaus nicht . Waldemar zeigte dem Grafen gegenüber so viel Verbindlichkeit , wie sein unverbindliches Wesen nur irgend zuließ , und that im übrigen seinen sämtlichen Verwandten den Gefallen , sich ihnen so viel wie möglich zu entziehen . Es fand wieder eine jener großen Jagdfestlichkeiten statt , welche gewöhnlich die ganze Umgegend in Wilicza zu versammeln pflegte ; auch diesmal waren die ergangenen Einladungen sämtlich angenommen worden und die Gesellschaft , die ausschließlich aus dem polnischen Adel der Nachbarschaft bestand , zahlreicher als je . Der Fürstin war es sehr lieb , daß die Rücksicht auf ihren Sohn darin keine Aenderung verlangte . Sie hätte ihm allerdings das Opfer gebracht , die Einladungen nach seinen Wünschen zu regeln , aber davon war gar nicht die Rede . Waldemar schien es durchaus selbstverständlich zu finden , daß der Umgangskreis seiner Mutter auch der seinige sei , und bei dem äußerst geringen Anteile , den er überhaupt an den geselligen Beziehungen nahm , konnte ihm das auch ziemlich gleichgültig sein . Er selbst verkehrte bis jetzt noch mit niemand in der Umgegend und vermied auch die Bekanntschaften , welche die Fürstin einigermaßen fürchtete , die höheren Beamten aus L. und die Offiziere der dortigen Garnison , obwohl er die meisten von ihnen am dritten Orte kennen gelernt hatte . Man hatte sich in diesen Kreisen denn auch darein gefunden , den jungen Nordeck als gänzlich zu den Baratowski gehörig zu betrachten , und nahm an , daß er vollständig in der Gewalt der Mutter sei , die ihm kein fremdes Element auch nur nahe kommen lasse . Der Aufbruch der Jagdgesellschaft erfolgte diesmal ungewöhnlich spät . Ein dichter Nebel , der wie festgemauert stand und kaum einige Schritt weit zu sehen gestattete , hatte am Morgen gedroht , die ganze Jagd in Frage zu stellen . Erst in den Vormittagsstunden lichtete es sich soweit , daß das Programm des Tages zur Ausführung gebracht meiden konnte , mit der alleinigen Abänderung , daß das Frühstück im Schlosse statt im Walde eingenommen wurde . Ein Teil der Gäste war schon im Aufbruche begriffen . Die Herren und die jüngeren Damen , welche an der Jagd teilnahmen , verabschiedeten sich von der Fürstin , die mit Leo in der Mitte des großen Saales stand . Wer die Verhältnisse nicht kannte , mußte unbedingt den jungen Fürsten für den eigentlichen Gebieter von Wilicza halten , denn er und seine Mutter bildeten den Mittelpunkt der ganzen Gesellschaft , nahmen alle Artigkeiten , alles Interesse derselben in Anspruch und machten die Honneurs in einer Weise , die an Vornehmheit und Sicherheit nichts zu wünschen übrig ließ , während Waldemar einsam und fast übersehen am Fenster stand , im Gespräche mit dem Doktor Fabian , der natürlich im Schlosse zurückblieb und nur an dem Frühstücke teilgenommen hatte . Die Haltung des jungen Schloßherrn fiel keinem auf , da er stets freiwillig diese untergeordnete Rolle wählte . Er schien sich durchaus als Gast seiner Mutter zu betrachten , der mit der Repräsentation des Hauses gar nichts zu thun habe , und wies alles , was damit zusammenhing , als lästig und unbequem von sich . Man hatte sich daher allmählich gewöhnt , dem , der so gar keine besonderen Rücksichten beanspruchte , auch keine zu gewähren . Man grüßte ihn stets sehr verbindlich beim Kommen und Gehen , hörte aufmerksam zu , wenn er sich einmal herbeiließ , an der Unterhaltung teilzunehmen , und bequemte sich sogar zu dem Opfer , in seiner Gegenwart deutsch zu sprechen , trotz der allgemeinen Abneigung gegen diese Sprache . Er war und blieb doch nun einmal dem Namen nach der Herr dieser Güter , und man wußte , was seine Fügsamkeit als solcher wert war . Die vergebliche Mühe , die eigensinnige Zurückhaltung zu durchbrechen , in der er sich gefiel , gab sich schon lange niemand mehr und im großen und ganzen nahm die Gesellschaft nicht mehr Notiz von ihm , als er von ihr . » Nur nicht wieder so wild reiten , Leo ! « ermahnte die Fürstin , während sie mit einer Umarmung von ihrem jüngsten Sohne Abschied nahm . » Du und Wanda , ihr wetteifert dabei immer in allen nur möglichen Wagnissen . Ich bitte diesmal ernstlich um Vorsicht . « Sie wandte sich zu ihrem Aeltesten , der jetzt auch herantrat , und reichte ihm mit kühler Freundlichkeit die Hand . » Leb wohl , Waldemar ! Du bist ja heute wohl recht eigentlich in deinem Elemente ? « » Durchaus nicht ! « war die unmutige Antwort . » Solche große Staats- und Konvenienzjagden , wo der ganze Wald voll von Treibern und Jägern ist und das Wild zum mühelosen Schusse vor den Lauf getrieben wild , sind durchaus nicht nach meinem Geschmacke . « » Waldemar ist nur froh , wenn er mit seiner geliebten Büchse allein ist , « sagte Leo lachend . » Ich habe dich entschieden im Verdacht , daß du mich geflissentlich durch das ärgste Gestrüpp und den tiefsten Moor geschleppt und mich dem Hunger und Durst preisgegeben hast , nur um mich möglichst bald los zu werden . Ich bin doch auch gerade kein Weichling in solchen