, als Ernst Raimar in das Hotel trat , wo Frau von Maiendorf wohnte . Er hatte eine Verabredung mit seinem Freunde getroffen , den er hier abholen wollte , und hatte sich eine halbe Stunde früher frei machen können . Der Portier berichtete , der Herr Major sei mit der gnädigen Frau und der Kleinen ausgefahren , habe aber eine Karte mit einigen Worten für Herrn Raimar zurückgelassen . Arnold bat ihn darin , zu warten , falls er früher kommen sollte , er selbst werde zur verabredeten Zeit wieder dasein . Wilma , die einige Wochen zu bleiben beabsichtigte , bewohnte im ersten Stock mehrere Räume , einen hübschen Salon mit angrenzendem Schlafzimmer und einem kleinen Vorgemach , die ziemlich abgeschlossen von den übrigen Hotelzimmern lagen und die Behaglichkeit einer eigenen Wohnung gewährten . Da man Raimar kannte , wurde er äußerst dienstbeflissen nach dem Salon geleitet , und ihm war ein kurzes Alleinsein gerade erwünscht , er brauchte wirklich Erholung . Seit gestern mittag war er in der That nicht mehr zu Atem gekommen . Jetzt half kein Abwehren und kein Zurückziehen mehr , er hatte der allgemeinen Bewunderung standhalten müssen , und jetzt , wo die Aufregung des Kampfes vorbei war , kam naturgemäß auch die Abspannung . Aber es lag nichts von Siegesfreude in den Zügen des Mannes , der sich da in einen Sessel geworfen hatte und düster vor sich hin blickte . Der Sieg war ja erfochten , aber er hatte das Lebensglück gekostet ! Da wurde die Thür des Vorzimmers geöffnet , Ernst richtete sich empor in der Meinung , daß die Erwarteten zurückkehrten , doch er hörte eine fremde Stimme . » Bitte nur einzutreten ! Die gnädige Frau muß bald kommen , sie wollte um vier Uhr zurück sein . « Dann schloß sich die Thür wieder und eine Dame im Pelz und dunklen Seidenkleide trat in den Salon . Raimar war aufgesprungen , er erkannte Edith Marlow . Auch sie sah ihn beim Eintritt und wich jäh zurück , um dann wie angefesselt stehen zu bleiben . Ernst verneigte sich stumm , er hatte jene fluchtartige Bewegung gesehen , und das nahm ihm den Mut zur Anrede . Einige Sekunden lang herrschte völliges Schweigen . » Ich wollte Wilma aufsuchen , « begann die junge Dame endlich . » Ich hatte keine Ahnung – « » Von meinem Hiersein ! « ergänzte Ernst , als sie innehielt , » Ich bin unschuldig an diesem Zusammentreffen , gnädiges Fräulein , ich erwarte meinen Freund , Major Hartmut . « Edith stand noch immer an der Schwelle , ungewiß , ob sie gehen oder bleiben solle , schien sich aber doch für das letztere zu entscheiden . Sie trat langsam näher und schlug den Schleier zurück . Raimar sah erst jetzt , wie bleich sie war , aber ihre ganze Haltung zeigte jetzt wieder die stolze , eisige Abwehr , die er von den ersten Begegnungen her kannte . » Sie erwarten wohl von mir keinen Glückwunsch , Herr Raimar , « sagte sie in herbstem Tone . » Aber Sie haben glänzend gesiegt . « » Glauben Sie , daß ich Freude habe an diesem Siege ? « fragte er ernst und vorwurfsvoll . » Gleichviel , er trägt Sie doch empor und öffnet Ihnen die Zukunft . « » Nein ! « das Wort kam schwer und düster von Ernsts Lippen . » Nein ? Nach diesem Erfolge ? Ihr Name ist ja jetzt in aller Munde ! « » Sie vergessen , was an diesem Namen hängt – Sie wissen es ja längst von Ihrem Vater . « » Das ist ausgelöscht , seit gestern . « » Das ist nicht ausgelöscht , nur vertagt . Jetzt hat man es vergessen , weil man vergessen wollte , weil ich die gesamte öffentliche Meinung vertrat . All die Feinde meines Gegners scharten sich um mich und deckten mich , der ganze Kampf stand ja überhaupt im Zeichen des Ungewöhnlichen . Wenn ich wieder dem Alltagsleben und der nüchternen Kritik gegenüberstehe , dann erinnert man sich auch wieder an das Vergangene , und dann muß ich büßen , was man mir jetzt verzeiht , weil man mich brauchte . « Betroffen , fast bestürzt blickte ihn Edith an , der Gedanke war ihr noch nicht gekommen . » Sie thun der Welt unrecht , « sagte sie leise , aber es klang nicht mehr überzeugungsvoll . » Wenn Sie es überwinden können – « » Das eben kann ich nicht ! « fiel Raimar finster ein . » Was mich jetzt stählte und trug , das war der Kampf , den ich nun einmal begonnen hatte , und den ich durchführen mußte . Es galt ja meine eigene Verteidigung . Aber wenn dieser Sporn fehlt , dann stehe ich wieder unter dem alten Verhängnis . Ich muß mit freier Stirn hintreten können vor die Welt , wenn ich zu ihr reden will , und ich weiß es doch , daß der Haß oder die Bosheit jedes Buben mir zurufen darf : Du sprichst von Recht und Ehre ? Denke an den Namen , den du selber trägst ! Ich habe schon diesmal schwer genug gekämpft mit diesem Bewußtsein , und da schwieg doch jeder Vorwurf . Das hängt wie ein Bleigewicht an mir und zieht mich immer wieder zu Boden , das verschließt mir auch jetzt die große Laufbahn , von der ich einst geträumt – Sie sehen , es bedarf keines Glückwunsches ! « Edith stand wortlos da , sie hatte stolzes Siegesbewußtsein , einen nur mühsam verhehlten Triumph erwartet und begegnete nun dieser düsteren Hoffnungslosigkeit , diesem völligen Verzicht auf die Zukunft . Ihr eigenes Urteil sagte ihr , daß Raimar recht hatte mit seinen Befürchtungen , sie kannte ja auch die Welt . Aber sobald sie ihn leiden sah , gingen Herbheit und Bitterkeit unter , ihre Stimme bebte hörbar , als sie erwiderte : » Ich