Bundesgenosse geworden war , die Fingerspitzen , bereute dies aber sofort wieder , denn Max machte es wie der Teufel im Sprüchwort ; er nahm die ganze Hand , die er in der herzhaftesten Weise drückte und schüttelte . Textdaten zum vorherigen Teil < < < > > > zum nächsten Teil zum Anfang Autor : W. Heimburg Titel : Um hohen Preis aus : Die Gartenlaube 1878 , Heft 20 , S. 323 – 326 Fortsetzungsroman – Teil 12 [ 323 ] Am nächsten Morgen , als die Glocken des Domes läuteten , schritt Hofrath Moser , seine Tochter am Arme , langsam und würdevoll nach der Kirche , um dort seinen gewohnten Platz einzunehmen . Die Aufmerksamkeit des frommen alten Herrn war natürlich nur auf den Gottesdienst gerichtet , und deshalb bemerkte er nicht , daß Agnes nicht wie sonst mit niedergeschlagenen Augen andachtsvoll im Kirchstuhl saß , sondern halb ängstlich und halb erwartungsvoll umherspähete . Sie brauchte nicht allzu lange zu suchen ; kaum zwölf Schritte von ihr entfernt , in der Nähe der Kanzel , stand Doctor Brunnow und spähete gleichfalls erwartungsvoll umher . Die beiden Augenpaare , die sich mit solchem Eifer suchten , mußten sich nothgedrungen begegnen . Das geschah denn auch , und als Max sah , wie das blasse , zarte Gesichtchen in freudigster Ueberraschung aufleuchtete und von einer förmlichen Rosengluth übergossen wurde bei seinem Anblick , als er einen dankbar innigen Blick der dunklen Augen auffing , die ihm noch nie so ausdrucksvoll erschienen waren , wie heute , da dachte er weder an sein Programm noch an dessen Paragraphen ; er dachte nur , daß dieser Kirchenbesuch doch auch seine großen Annehmlichkeiten habe , und setzte sich mit einer Energie nieder , die seinen Entschluß , die ganze Predigt von Anfang bis zu Ende auszuhalten , auf das Deutlichste bekundete . Er hörte nun allerdings die Predigt , ob mit oder ohne Andacht , mochte dahingestellt bleiben , aber dafür hatte er einer der eifrigsten Kirchgängerinnen alle Andacht geraubt . Es ließ sich wirklich schwer entscheiden , wer von den Beiden eigentlich der Bekehrte war . – Am Nachmittage desselben Tages fand nun wirklich die beabsichtigte Zusammenkunft statt , die der Zufall außerordentlich begünstigte . Hofrath Moser hatte die Einladung eines Collegen angenommen und befand sich in der Stadt . Frau Christine war gleichfalls ausgegangen ; es bedurfte also nicht einmal eines Vorwandes , und der Besuch Gabrielens bei Agnes Moser einerseits und das Eintreffen des Assessor Winterfeld , der seinen Vorgesetzten verfehlte , andererseits machten sich so zwanglos , daß beides immerhin für einen Zufall gelten konnte . „ Verzeih , daß ich zu diesem Mittel griff ! “ sagte Georg hastig , sobald er sich mit Gabriele allein sah . „ Mir blieb keine Wahl , und ich habe es dem Freiherrn offen erklärt , daß ich es auch gegen seinen Willen versuchen werde , Dich noch einmal zu sehen und zu sprechen . Ich komme , Dir Lebewohl zu sagen – vielleicht auf Jahre . “ Gabriele war bleich geworden , und ihre Augen hafteten mit dem Ausdruck des Schreckens auf dem Redenden . „ Um Gotteswillen – was ist geschehen ? “ „ Nichts von meiner Seite , was Dich beunruhigen könnte . Es ist die Hand Deines Vormundes , die uns so unerbittlich trennt . Er kündigte mir gestern meine Versetzung nach der Residenz und an das Ministerium an . Du siehst , wie weit sein Einfluß reicht und wie er ihn zu brauchen weiß , wenn es gilt , uns von einander zu reißen . “ „ Nein , nein , Du darfst nicht fort , “ rief Gabriele angstvoll und schmiegte sich , wie Schutz suchend , an ihn . „ Du darfst mich jetzt nicht verlassen , Georg . Nur jetzt laß ’ mich nicht allein ! “ „ Weshalb nicht ? “ fragte er betroffen . „ Quält man Dich so sehr um meinetwillen ? Freilich , ich hätte es ahnen können ! Raven ist hart und rücksichtslos bis zur Grausamkeit , sobald man sich gegen seinen Willen auflehnt . Du wirst mit Vorwürfen , mit Quälereien und Drohungen verfolgt , nicht wahr , Gabriele ? Man bietet Alles auf , Deinen Widerstand zu brechen ? Sprich , ich muß die Wahrheit wissen . “ Das junge Mädchen machte eine matte , verneinende Bewegung . „ Du irrst , davon ist keine Rede . Mein Vormund hat seit jenem Tage , wo er mir erklärte , daß er unwiderruflich bei seinem Nein bleibe , Deinen Namen nicht wieder genannt und auch die Mama veranlaßt , mich mit den Vorwürfen zu verschonen , mit denen sie anfangs auf mich einstürmte , aber er geht seitdem mit einer Eiseskälte an mir vorüber , und ich – Georg , ist es denn nicht möglich , daß Du in meiner Nähe bleibst ? “ „ Ich kann nicht , “ sagte Georg , der selbst nur mit Mühe seine tiefe Erregung beherrschte . „ Ich muß dem Rufe folgen ; es ist unmöglich , ihn abzulehnen . Unter anderen Umständen würde ich diese neue Lebensrichtung ja mit Freuden begrüßen ; sie eröffnet mir eine ganz andere Zukunft als meine Stellung hier in R. , wo das Uebergewicht , das der Freiherr nach allen Richtungen hin ausübt , jede selbstständige Regung und jedes eigene Streben unterdrückt , aber ich weiß nur zu gut , daß diese sogenannte Beförderung nur den Zweck hat , mir mein Höchstes , Theuerstes , Deine Liebe , zu rauben und Dich mir auf immer zu entreißen . Dein Vormund hat zwei mächtige Bundesgenossen zu Hülfe gerufen , die Zeit und die Entfernung . Vielleicht verhelfen sie ihm doch zum Siege . “ [ 324 ] „ Niemals ! “ brach Gabriele leidenschaftlich aus . „ Er soll und wird nicht siegen . Ich habe es Dir versprochen , ich halte Wort . “ Georg hörte nicht die verhaltene Angst , die