Mönch gewesen , um zu wissen , welcher Rache ein Kloster , welcher Rache Deine Brüder fähig sind ? Und Du hast sie furchtbar gereizt , Bruno , Du hast ihnen den Fehdehandschuh ingeworfen – sie können Dir nicht verzeihen ! “ Der junge Caplan lehnte sich mit verschränkten Armen an den Stamm des Kreuzes und richtete das Auge fest auf den Sprechenden . „ Und was verlangen Sie denn , Herr Graf , daß ich thun soll ? Wollen Sie etwa , daß ich dem bestimmten Befehl zur Rückkehr offenen Widerstand entgegensetze und es auf Gewaltmaßregeln ankommen lasse ? “ Der Graf warf einen raschen Blick umher , Ottfried war weit genug entfernt , um keine Silbe des Gespräches auffangen zu können , dennoch sank seine Stimme zum Flüstern herab , aber sie bebte selbst in diesem Flüstern . „ Nein ! Dir bleibt nur eins übrig , die Flucht ! Schnelle , unverweilte Flucht – in ein anderes Land , wenn es sein muß , “ er schwieg einen Moment lang und ein schwerer Athemzug rang sich qualvoll aus seiner Brust empor , „ wenn es sein muß – in ein anderes Bekenntniß . “ Benedict fuhr auf . „ Und das sagen Sie mir , Graf Rhaneck ? Der Bruder meines Prälaten , das Haupt des alten , streng katholischen Geschlechtes , das von jeher seine Ehre darin suchte , eine Stütze der Kirche zu heißen ? Ein solcher Rath von Ihnen ? “ „ Wenn ich ihn Dir gebe , so magst Du die Größe der Gefahr daraus ermessen , “ sagte Rhaneck tonlos . „ Was er mich [ 150 ] kostet , das kannst Du nicht ahnen , Bruno , aber es gilt Deine Rettung , da ist mir kein Preis zu hoch . “ Es wehte aus diesen Worten wieder etwas von jener „ wahnsinnigen Zärtlichkeit “ , die der Prälat so oft schon seinem Bruder zum Vorwurf gemacht , auch Benedict fühlte das ; aber sie fand keinen Anklang in seinem Innern . Befremdet , mißtrauisch trat er einen Schritt zurück und wieder traf jener große , verwunderte Blick den Grafen , aber diesmal lag ein entschiedener Argwohn darin . „ Ehe wir weitergehen , Herr Graf , möchte ich Sie bitten , mir diese ungewöhnliche Theilnahme an meinem Schicksale zu erklären ! “ entgegnete er forschend . „ Ich habe mich oft genug gefragt , welcher Beweggrund Sie zu so langjähriger und eingehender Fürsorge für einen fremden , armen Knaben veranlassen konnte , und habe nie eine Antwort darauf gefunden . Jetzt aber , wo Sie Ihre eigene Ueberzeugung zum Opfer bringen , wo Sie mit allen Traditionen Ihrer Familie brechen um meinetwillen , jetzt , scheint es mir , habe ich ein Recht auf diese Antwort . Ich bitte dringend darum . “ Die Haltung des jungen Priesters verrieth hinreichend , daß er trotz alledem nicht die geringste Ahnung von der wahren Beschaffenheit des Geheimnisses hatte , in das er einzudringen versuchte ; der Graf sah ihn schweigend und unverwandt an . „ Du sollst es erfahren ! “ sagte er endlich . „ Es war beschlossen , ehe ich hierher kam , und es muß geschehen , ehe wir scheiden . Erst aber antworte mir , wirst Du fliehen ? “ „ Nein ! “ „ Bruno , ich beschwöre Dich – “ „ Ich bleibe ! “ Rhaneck machte eine heftige Bewegung . „ Dieser unselige Starrkopf ! Ich habe ihn so oft an mir selbst – “ er brach plötzlich ab . „ Warum willst Du das Mittel nicht ergreifen , das ich Dir biete ? Ich sage Dir doch , es ist das einzige . “ Benedict richtete sich hoch und fest auf . „ Weil es mir mein Gewissen und mein Eid verbieten ! Der Prälat mag mitleidlos sein bis zur Grausamkeit , aus gemeinen , aus persönlichen Beweggründen handelt er nie , und dem , was er im Namen des Ordens über mich beschließt , muß ich mich beugen . Ich habe den unseligen Schwur am Altare nun einmal geleistet , und wurde er mir auch längst zum Fluche , und stürzt er mich auch jetzt in ’ s Verderben , brechen kann ich ihn nicht ! Mit demselben Rechte könnte sich ja auch der Gatte von der Gattin reißen , der er an jenem Orte Treue geschworen , könnte jedes Wort gebrochen , jedes Band gelöst werden , das die Menschheit in Liebe und Vertrauen aneinander fesselt . Was auf der Welt ist noch heilig , wenn es Altar und Eidschwur nicht mehr sind ! Und müßte ich den meinen mit dem Leben bezahlen – ich bleibe und erwarte mein Geschick ! “ Es war ein stolzes leidenschaftliches Aufflammen in diesen Worten , etwas von jener Gewalt der Rede , mit welcher der junge Priester neulich die versammelten Wallfahrer hingerissen , aber auf den Grafen übte das einen anderen Eindruck . Er stand da wie ein Verurtheilter . Das Auge am Boden , die zuckenden Lippen fest aufeinandergepreßt , das Antlitz war todtenbleich , aber über die Stirn lief wieder jener flammende Schein , der dunkler und dunkler ward bei jedem dieser Worte , die den stolzen Mann bis in ’ s innerste Herz hinein zu treffen und niederzuschmettern schienen – es sah aus , als wolle er zusammenbrechen unter ihrer Wucht . Benedict fuhr mit der Hand über die Stirn und zog den Mantel , der bei der raschen Bewegung herabgeglitten war , wieder um die Schultern . „ Sie kennen jetzt meinen Entschluß , Herr Graf , er ist unwiderruflich . Und nun bitte ich meinerseits um die verheißene Antwort . “ Langsam hob der Graf das Auge vom Boden und heftete es mit einem unbeschreiblichen Ausdruck auf die gespannten Züge des Fragenden ; Schmerz , Scham , verzweifelnde Bitterkeit , das Alles lag in dem einen Blick , dann wandte er sich stumm zur Seite . „ Ich bitte Sie