, vor verzehrender Ungeduld funkelnden Augen , daß sie dem Momente nahe gekommen sei , wo sie „ endlich das Joch abschütteln wolle , abschütteln um jeden Preis “ . Durch die Seele der jungen Schwester zog es wie ein inbrünstiges , angstvolles Gebet , daß nur hier , im eigenen Heim des unglücklichen Mannes , die furchtbare Entscheidung nicht erfolgen möge . Zum Glück bemerkte die alte Frau Flora ’ s häßliches Gebahren nicht ; sie trug , ahnungslos , daß über ihrem hellen friedlichen Stillleben eine schwarze , unglückbringende Wolke hing , das Geschirr wieder hinaus , nachdem Käthe eine Tasse Thee dankbar angenommen hatte . Das glühende Abendlicht verblaßte allmählich . Alle Purpurfarbe zog sich aus dem Krankenzimmer zurück und blieb zuletzt nur noch auf der schönen Dame im Fenster liegen – wie ein von dämonischem Feuer umzüngelter böser Engel saß Flora dort . Die Kranke wurde unruhiger . Sie zupfte und zerrte an der grünseidenen Bettdecke und war sichtlich bemüht , sie fortzuwerfen . „ Im Grün ist Arsenik – fort damit ! “ flüsterte sie mit der ganzen unheimlichen Hast und Angst des Fiebers vor sich hin . Käthe vertauschte sogleich die seidene Decke mit der kühlen , weißleinenen des Gastbettes und glättete sie über dem armen hageren Körper , den sie heute im Walde „ den Zwerg “ genannt hatten . In den wunderschönen Augen der Kranken lag in diesem Augenblicke keine Spur von Verständniß . Sie rollten wild und wirr unter den halb zugesunkenen Lidern . „ Das tut gut , “ sagte sie , sich unter der Decke streckend . „ Und nun lasset sie nicht wieder herein , wenn sie mich mit der vergifteten , heißen Seide ersticken will ! Die Großmama ist falsch , wie Alle , die sich im Salon anlügen – sie und der alte Giftmischer , die große Autorität . Ich werde nach ihm schlagen , wenn er seine abscheulichen Finger auf meine Brust drückt , “ zischte sie erbittert durch die Zähne . Sie setzte sich plötzlich auf und ergriff Käthe ’ s Hand . „ Nimm Dich vor ihm in Acht , Bruck ! “ warnte sie mit aufgehobenem Finger , „ und vor der Großmama auch ! Und sie – Du weißt schon , wen ich meine ; sie raucht Cigarren und fährt wie toll mit den neuen wilden Pferden , weil Du es verboten hast – sie ist die Falscheste von Allen . “ „ Sehr verbunden ! “ flüsterte Flora halblaut mit einem bösen Lächeln und schmiegte sich noch enger in den Polsterlehnen zusammen . Eine unbeschreibliche Bangigkeit überschlich Käthe , deren Hand mit so innigem Drucke festgehalten wurde . Sie vermied es , den Doktor anzusehen , für den die Fiebernde sie hielt , und welcher , von dem chinesischen Schirme halb verdeckt , am Kopfende des Bettes stand . „ Weißt Du noch , wie es früher war , Doktor ? “ fuhr Henriette fort . „ Weißt Du noch , wie sie die Lakaien durch Wind und Wetter jagte , Dir nach , mit Briefen , vier , fünf an einem Tage ? – Weißt Du noch , wie sie , fast toll vor Sehnsucht , Dir entgegenlief , wenn Du nicht zur versprochenen Minute gekommen warst ? Und wie sie dann draußen die Arme um Deinen Hals schlang , wild und stark , als wollte sie Dich nie wieder lassen ? “ Jetzt fuhr Flora jäh empor ; ihre seidenen Gewänder rauschten und zischelten , und sie war so rot im Gesicht , als breite sich noch einmal das ebenversunkene grelle Abendlicht über ihre weißen Wangen . „ Gieb ihr Morphium ! “ rief sie herüber . „ Das ist schon mehr Verrücktheit , als fieberhafte Aufregung , sie muß schlafen . “ Der Doktor hatte der Kranken kaum erst einen Löffel voll Medicin gereicht ; er beantwortete Flora ’ s Aufforderung nur mit jenem halben , flüchtigen Lächeln , mit welchem man über ein thörichtes Verlangen der Unwissenheit hinweggeht , und veränderte seine Stellung nicht im Geringsten ; auch die Glut , die bei Henriettens letzten Worten über sein braunes Gesicht hinflammte , erlosch rasch wieder ; er sah ruhig und kalt aus , wie vorher . Flora sank zornig in ihren Stuhl zurück , wandte sich ab und ließ ihre Augen funkelnd und rastlos über die Gegend draußen hinschweifen . „ Hättest Du damals gedacht , daß sich das ändern würde , Bruck ? Daß sie je sagen könnte , es sei ein schwerer Irrtum gewesen ? “ hob Henriette von Neuem an und umklammerte nun auch mit der anderen brennend heißen Hand Käthe ’ s Rechte . Dem jungen Mädchen stockte fast der Herzschlag ; auf den Lippen der Kranken schwebte es , woran bis jetzt Niemand , selbst die Schuldige nicht , mit dem lauten , klaren Wort zu rühren gewagt hatte . Sie bog sich rasch über die Fiebernde und legte ihr instinctmäßig die kühlen Finger auf die Stirn , als könne sie damit den unheilvollen Gedankengang in eine andere Bahn leiten . „ Ah , das kühlt ! “ seufzte Henriette auf . „ Aber weißt Du noch , wie Flora damals Deine Hand von meiner schmerzenden Stirn stieß ? Sie war tödtlich eifersüchtig . “ Ein halb unterdrücktes höhnisches Auflachen klang aus der Fensterecke herüber . Henriette hörte es nicht . Sie war der Außenwelt völlig entrückt . „ Mich läßt der Schmerz über das , was kommen wird , nicht schlafen , “ klagte sie und schlang jetzt ihre Finger in einander und drückte sie leidenschaftlich gegen die kranke Brust . „ Dann wirst Du unser Haus meiden und ein unglücklicher Mann sein , der nicht einmal unseren Namen mehr auf die Lippen nimmt . Ach , Bruck , was fragt sie danach in ihrer bodenlosen Eitelkeit , die sie Ehrgeiz nennt ! Sie wird sich losreißen um jeden Preis . “ Käthe hob unwillkürlich die Arme und streckte sie