mochte . » Mache , daß du hinauskommst ! « befahl der Kleine in grobem , herrischen Tone , dem man aber doch die Angst um das eroberte Pulverhorn anhörte . » Oho – aus meiner eigenen Stube ? « versetzte der Jäger – das Blut stieg ihm in das braune Gesicht . Er ging auf den Erbprinzen zu , der , das Pulverhorn mit beiden Händen auf den Rücken haltend , in eine Ecke retirierte , und griff ohne Umstände über die Schulter des fürstlichen Knaben ; aber er kam schlimm an – Seine Durchlaucht trat mit den Füßen nach ihm ; der andere kleine Prinz zerrte ihn am Rockschoß zurück , und Leo sprang mit hochgehobener Gerte auf ihn los . » Warte , ich werde es machen , wie der Großpapa ! « schrie er . » Weißt du noch , wie er dich mit der Hetzpeitsche über das Gesicht geschlagen hat ? « Der Bursche wurde bleich bis an die Lippen – er hob die Faust , um den ungebärdigen Knaben zu Boden zu schlagen . » Brut ! « knirschte er , sich mühsam bezwingend . » Meinetwegen ! Thut doch , was ihr wollt ! Immerhin ! Für euch alle wär ' s am besten , man steckte einen Schwefelfaden unter euch an ! « Er ging hinaus und warf die Thür schmetternd in das Schloß . Die Kinder warteten in atemloser Spannung , bis seine Schritte auch hinter der Küchenthür verklungen waren , dann schlüpften sie hinaus . Wenige Minuten darauf kam die Beschließerin aus dem Hause gelaufen und sah , die Hand gegen den Sonnenschein über die Augen haltend , angestrengt über die Anlagen hin . Das geschah in dem Augenblick , wo Baron Mainau in Begleitung der Damen nach den Ahornbäumen zurückkehrte . » Was gibt ' s , Löhn ? « fragte er die sichtlich erregte Frau . » Im indischen Garten sind sie – die Kinder nämlich , gnädiger Herr – ich hab ' den kleinen Baron noch laufen sehen , « versetzte sie hastig . » Daß Gott erbarm – sie haben ja Schießpulver und Schwefelhölzchen mitgenommen ! Eben sagt ' s mir der Jäger . « Die Herzogin stieß einen Schreckenslauf aus und hing sich an Mainaus Arm , der sofort den Weg nach dem Thal von Kaschmir einschlug . Liane und die Hofdame folgten , und der Erzieher , der sorglos drüben durch die Spaliere schlenderte , setzte auf einen sehr ungnädigen Zuruf der Herzogin hin auch schleunigst seine langen Beine in Bewegung . Sie kamen eben recht , um jenes Entsetzen zu empfinden , das uns angesichts einer furchtbaren , an einem Haar schwebenden Gefahr schüttelt . Inmitten der Veranda des indischen Hauses , unmittelbar auf der schimmernden Palmriedmatte , hatten die Kinder das Schießpulver zu einem kleinen Haufen zusammengeschüttet , ihn in der Mitte vertieft und das Lichtstümpfchen hineingesteckt – da brannte das dünne Stengelchen lichterloh – die leiseste Erschütterung , ein starkes Ausatmen konnte es umwerfen , oder einen Funken vom Docht lösen . Die Pulvermenge hätte allerdings nicht genügt , um , wie es gewünscht wurde , » das Hexenhaus « in die Luft zu sprengen ; die Gefahr lag in der grenzenlosen Harmlosigkeit der Kinder , die sich selbst ganz und gar nicht in die Mitleidenschaft bei der Sache zu denken vermochten – sie hockten aneinander gedrängt um die sogenannte » Mine « , und die Gesichter darüber neigend , warteten sie atemlos auf den interessanten Moment , wo die Flamme so weit niedergekrochen sei , um an dem Pulver zu lecken . Leo kauerte zwischen den beiden Prinzen und konnte zuerst die Herbeieilenden sehen . » Still , Papa – wir sprengen die Hexe in die Luft ! « rief er bald flüsternd und die Augen kaum bewegend hinüber . Mit einem Sprunge stand Mainau vor der Veranda , und ohne die leicht zu erschütternden Stufen zu betreten , reckte er sich weit hinüber und zerdrückte die kleine Flamme in seiner Hand . Als er das Gesicht zurückwandte , war es fahl wie das eines Gespenstes ; die Herzogin aber sank unter einem hysterischen Aufschluchzen in die Arme der Hofdame . Sie erholte sich jedoch augenblicklich wieder . » Die Prinzen gehen heute ohne Abendbrot zu Bette und dürfen morgen zur Strafe nicht ausreiten , Herr Werther ! « befahl sie hart und streng , während Mainau seinen Knaben an den Schultern hielt und ihn unter heftigem Schelten derb schüttelte . Liane trat hinzu und legte beide Arme um das aufweinende Kind . » Willst du ihn wirklich für die Sünden seiner vorigen Erzieherin züchtigen , Mainau ? « fragte sie mit sanftem Ernst . » Ich meine , du darfst das so wenig , wie man das Volk für derartige Grausamkeiten verantwortlich machen kann , sobald es in seinen finsteren Wahnvorstellungen systematisch erhalten und bestärkt wird . « – Sie strich mit bebender Hand zärtlich über die wunderschönen Kinderaugen , die nur der entschlossene Griff der väterlichen Hand vor dem furchtbaren Geschick der Erblindung behütet hatte . Das Gesicht der Herzogin nahm plötzlich jene totenhafte Wachsweiße an , die Liane schon bei ihrer ersten Begegnung im Walde erschreckt hatte – die fürstliche Frau vergaß , daß der Erzieher der Kinder , die Hofdame , er selbst , dem so leicht das gefürchtete , triumphierende Spottlächeln auf die Lippen trat , um sie her standen ; sie sah nur , wie das junge liebliche Weib den Knaben an ihr Herz drückt , und das war sein Kind , sein Ebenbild , an welches diese gelassene junge Frau so ruhig und selbstverständlich ihre Mutterrechte geltend machte – das war nicht zu ertragen ! – Die mühsam niedergehaltene Eifersucht fiel sie an wie ein plötzlich eintretender Wahnsinn . So weit vermochte sie sich aber doch zu beherrschen , daß sie der Verhaßten nicht sofort mit höchsteigenen Händen den Knaben wegriß , wenn sie auch völlig aus der Rolle der gnädig und huldvoll