fiel mir das Buch ein . Du siehst , er hat sich trefflich damit unterhalten . « Er blickte sie lächelnd an , indem er neben ihr durch die erleuchtete Halle schritt und in den Korridor einbog . » Sage einmal , Beate « , fragte er , » hast du die Warnung an der Tür dort geschrieben , als er schon drinnen saß , oder vorher ? « » Natürlich vorher « , erwiderte sie unbefangen , und dann ward sie rot . » Ich verstehe dich nicht ! « fügte sie ärgerlich hinzu . » Nun , weißt du , Schwester « , sagte er mit einem Anflug von Schelmerei , » Verbotener Eintritt ! schreibt man mitunter an Türen , die etwas verschließen , das man am liebsten ganz allein für sich behalten will . « » O du abscheulicher Mensch « , schmollte Beate verlegen und wischte eilig mit der Hand über die Kreideschrift . Und dann saßen sie alle drei in der Wohnstube beim Glase Wein und Joachim erzählte , an das Buch anknüpfend , von seinen Reiseerlebnissen . Er sprach und Beate vergaß alles , vergaß , daß die Wachskerzen auf dem Kronleuchter im Eßsaal unnütz verbrannten , vergaß , die Reste der Tafel in die Speisekammer zu verschließen und das Frühstück für morgen anzuordnen . Vor den Fenstern flüsterten die Linden in dem Abendwind und der Duft vom frisch gemähten Gras zog in das Gemach . Es war spät , als Lothar seinen Vetter durch den Wald nach dem Eulenhause fuhr . Auf dem Rückwege kam ihm der Wagen der Herzogin entgegen . In rasendem Tempo jagte er an dem Gefährt vorüber . Als er vor der Neuhäuser Rampe hielt , klirrte über ihm ein Fenster zu , und in dem Zimmer dort oben barg sich ein leidenschaftliches junges Gesicht wieder in die Kissen . Prinzessin Helene hatte ihn fortfahren sehen , dort hinaus , wo das Eulenhaus lag . Gottlob , jetzt war er daheim ! 14. Im Eulenhause war eine Veränderung eingetreten . Fräulein Lindenmeyer hatte Besuch . Es war erst ein mächtiges Hin- und Herschreiben gewesen , und dann war am Morgen nach dem Tage , als Klaudine mit der Herzogin spazieren fuhr , Fräulein Lindenmeyer mit verlegenem Gesicht in die Stube Klaudines getreten , einen offenen Brief in der Hand . » Ach , Fräulein Klaudinchen , gnädiges Fräulein , ich hätte so eine rechte Herzensbitte . « » Nun , meine liebe gute Lindenmeyer , dann ist sie bereits gewährt « , hatte Klaudine erwidert , indem sie für Joachims Frühstück Tee aufgoß . » Aber Sie müssen es ehrlich sagen , gnädiges Fräulein , wenn es nicht paßt . Ich werde alles tun , damit keinerlei Störung zu bemerken ist , aber – « » Nur heraus damit , Lindenmeyerchen « , hatte das schöne Mädchen sie freundlich ermutigt , » ich wüßte nicht , was ich Ihnen abschlagen könnte , es sei denn , daß Sie das Eulenhaus verlassen wollten , denn das würde ich nicht zugeben . « » Ich von hier ? O gnädiges Fräulein , das würde ich ja nicht überleben ! Ach nein , das ist es nicht . Ich erwarte – ich soll – ich bekomme Besuch , wenn es die Herrschaft erlauben will . « » Ei , wen denn , meine liebe Lindenmeyer ? « » Frau Försters Zweite , die Ida . Sie soll so ein bißchen Schick bekommen und feine Handarbeit lernen . Da hat sich nun die Försterin in den Kopf gesetzt , daß sie das bei mir altem Wurm am schönsten lernen würde . Ich tue es ja auch sehr gern , wenn Sie es erlauben . Sie könnte in dem Kämmerchen wohnen hinter meiner Stube , wenn – « Die alte gute Seele hatte die Hände über ihren Brief gefaltet und ihre Augen sahen mit gespannter Erwartung zu der jungen Herrin hinüber . » Na , das wird ja sehr hübsch für Sie « , lautete die freundliche Antwort , » lassen Sie das junge Mädchen nur bald kommen . Sie mag hier bleiben , solange es ihr gefällt . « So stand anderen Tages , als Klaudine in die Küche trat , eine kleine runde Mädchengestalt am prasselnden Herdfeuer und wirtschaftete dort mit Tassen und Teekessel umher , als ob es gar nie anders gewesen wäre . Ein Paar schelmische blaue Augen sahen über das Stumpfnäschen hinweg zu Klaudine hinüber , und die Besitzerin dieser Augen machte einen etwas unbeholfenen Knicks , als sie die schöne schlanke Gestalt über die Schwelle treten sah . » Aber , liebes Kind ! « sprach Klaudine verwundert . » Ach , gnädiges Fräulein , lassen Sie mich das tun ! « bat das Mädchen zutraulich . » Den ganzen Tag kann ich nicht bei Tante Doris in der Stube sitzen und sticken . Ich käme um dabei , wenn ich nicht ein bißchen Wirtschaft hätte . Bitte recht sehr , lassen Sie mich ! « » Aber das darf ich nicht annehmen , liebe Ida , gewiß nicht , ich verwöhne mich nur dadurch . « » Ida möchte so gern etwas lernen « , sagte das Mädchen und schlug die schelmischen Augen nieder . Klaudine lächelte . » Bei mir ? 0 , da sind Sie schlimm angekommen , ich bin selbst noch eine Lernende . « » Gnädiges Fräulein , dann will ich nur die Wahrheit sagen , ich kann schon etwas in der Wirtschaft , aber in so manchen anderen Dingen fehlt es mir . Ich möchte nämlich gern eine Stelle als Kammerjungfer in S. annehmen , und da dachte ich , ich könnte , hier so ein wenig wegbekommen , wie man seine Dame zu behandeln hat beim Ankleiden , und so weiter . Lassen Sie mich das bißchen Wirtschaft hier tun und sich dafür meine ungeschickte Hilfe gefallen beim Nähen , Ankleiden und Schneidern . « Die Blicke des Mädchens hingen