er wich nicht von der Stelle . » Die Nebensächlichkeit interessiert mich . Ich will und muß aus Gründen Näheres wissen über das Mädchen , das auf dem Felde unverdrossen für Sie gearbeitet hat , in Wind und Wetter und Sonnenbrand – « » Ah bah – dummes Zeug ! So schlimm ist ' s nicht , « stotterte der Alte grimmig verlegen . » Gut denn ! « sagte Herr Markus – er trat unwillkürlich in brennender Ungeduld den Boden . – » Lassen wir es sein ! Ich werde mich an das Gerechtigkeitsgefühl Ihrer Damen wenden . « Er wandte sich nach der Stubentür , allein der alte Herr vertrat ihm erschrocken den Weg . » Herr , sind Sie des Teufels ! « raunte er heftig abwehrend . » Wollen Sie mir mein armes , krankes Frauchen mit Ihrer Untersuchungsrichtermiene in Aufregung bringen ? Die ganze Geschichte ist auch für sie eine abgetane Sache , und daran wird nicht wieder gerührt ... Ich bitte Sie , was schlagen Sie doch für einen Lärm um ein Frauenzimmer , das wie ein Schatten durch unser Haus gegangen ist und für uns nicht mehr vorhanden ist – « » Auch für Fräulein Franz nicht mehr , der sie eine treuergebene Dienerin gewesen ist ? – « » So ? Wer hat Ihnen denn das Märchen aufgebunden ? « fragte der Amtmann , ihn seltsam von der Seite ansehend – ein heimliches , schlaues Lächeln , gleichsam ein Aufhellen ging durch seine verwüsteten Züge . » Das Mädchen selber – « » Was der Tausend , sie hat mit Ihnen gesprochen ? Und hatte Ihnen selbst , wirklich selbst gesagt , daß sie eigens meine Nichte bedient habe ? « – Das fatale Lächeln wich nicht von seinem Gesicht . – » Sieh , sieh ! Na , meinetwegen auch ! Ich hab ' das nicht gewußt – bis in die Dachstube versteigt sich mein elendes Fußgestell niemals . Also die Kammerjungfer ! « – Er kicherte in sich hinein und zuckte die Achseln . » Ja , da wird sich meine schöne Nichte allerdings einstweilen behelfen müssen , bis sie wieder in die große Welt eintritt , oder , besser noch , bis mein Goldjunge wieder da ist ! Dann geht ' s freilich aus einem anderen Tone , Herr ! Der läßt sie nicht draußen , seine schöne Base , und wenn sie am Fürstenhofe lebte ! Bah , dann sind wir selbst Regierende , Regierende von Gottes Gnaden ! Dann fährt sie nicht mehr in fremder Kutsche , sondern in unserer ... Herr , ich weiß ein Paar Wagenpferde – wahre Prachtkerle an Feuer und Schönheit ! Aber in wessen Stalle sie stehen , das verrate ich Ihnen nicht – Sie wären imstande und kauften sie mir vor der Nase weg ! ... Ja , sehen Sie , das liegt alles schon fix und fertig da in meinem Kopfe – ein großartiges Programm ! Das macht mir so leicht keiner nach ! Und wenn in diesem Augenblick mein Sohn auf die elende Schwelle da träte – in ein paar Tagen wollte ich ihm eine Umgebung gleichsam aus der Erde stampfen , wie sie sich für einen reichen Mann ziemt – « Er kam nicht weiter . Der Gutsherr zog den Hut und schritt zur Haustür hinaus . 17. Verlorene Zeit ! Er biß die Zähne zusammen vor Grimm und Ärger , während er quer über den Hof zum Tor hinauseilte . » Herr , machen Sie , daß Sie in › Nummer Sicher ‹ kommen ! « rief ihm der Amtmann nach . Er war unter die Tür getreten und zeigte mit der Pfeife nach dem Himmel , an welchem eben die Sonne völlig hinter den dunkeln Wolkenmassen verschwand . Wie ein plötzliches Erlöschen ging es über die lechzende Erde hin , und ein schwach hauchender , heißer Odem strich an dem Gehöft vorbei und hob die spärlichen weißen Haare an den Schläfen des alten Herrn . » Und sollten Sie einem jungen Frauenzimmer in grauem Schleierhut begegnen , so jagen Sie es heim , hierher aufs Vorwerk ! « schrie er , die hohle Hand an den Mund legend . » Die vermaledeite Blumensucherei ! Nun sitzen die Alten daheim und ängstigen sich ! « Die letzten Worte hörte der Fortgehende nur noch über die Hofmauer hinweg , hinter welcher er schritt . Er lachte zornig in sich hinein ... Wenn er ihr nur begegnete , der schönen Nichte ! Er jagte sie nicht heim – ganz im Gegenteil , er vertrat ihr den Weg , und sie mußte ihm Rede stehen , ohne Gnade und Erbarmen , unter Blitz und Donner und strömendem Regen ! Die am Gehöft hinführende Fahrstraße verlief sich draußen im Felde oder vielmehr sie wurde zum schmalen , das Grafenholz durchschneidenden Gehweg ... Da war das Mädchen jedenfalls gegangen , nachdem es » mit Sack und Pack « das Vorwerk verlassen hatte – » in den Wald , in den grünen Wald ! « ... Hatte nicht auch der Amtmann vom » Herumzigeunern « gesprochen ? – Stieg nicht aus den Wipfeln dort ein dünnes Rauchsäulchen von dem Halbdürren , qualmenden Reisig , über welchem der Kessel des Nomadenvolkes hing ? – Lächerlich ! – die Wolken kämpften ; da und dort schossen weißgraue Dunstgebilde schleierhaft an der dicken schwarzen Gewitterwand empor . Ein Zigeunerlager wurde wohl auch schwerlich im wohlgepflegten Waldgebiet Seiner Hochfürstlichen Durchlaucht geduldet . Aber die Fahrstraße war frei – dem Wagen mit der Leinwandplane , begleitet von den braunen Männern zu Pferde , war der Weg durch das kühle , labende Buchendüster in die weite Welt hinein unverwehrt ... Nun , eine solche Fahrt ging langsam vonstatten – diese Heimatlosen reisen gemütlich – einem raschen Wanderer gelang es wohl , sie einzuholen und zu erforschen , ob unter dem weihen Leinendach wirklich die Schöne Unbegreifliche sitze , wieder eingefangen in den Bann der Zusammengehörigkeit , den auch das