goldene Fluth der Haare von schwarzen Schleifen zurückgehalten ! Sie lag wie träumend im Sessel , während er zu ihr sprach ; von seiner Liebe sprach er , von seiner Sehnsucht , sie zu besitzen , von all ’ der Seligkeit , die sein Herz erfüllte . Ob sie es nur gar nicht gehört hatte ? Der Blick , den sie auf ihn richtete , als er ihre Hand ergriff , war ihm wie kaltes Eisen in ’ s Herz gefahren , hatte die erste schreckenvolle Ahnung in ihm heraufbeschworen ; sie hatte sich im Laufe des Gespräches plötzlich erhoben , und er sah sie hinter der Portière verschwinden ; die wundervollen goldenen Haare leuchteten noch einmal auf , als sich der Vorhang durch die Zugluft der geöffneten Thür hob ; dann war er allein mit seinem übervollen , traurigen Herzen . Sie habe ihn nie geliebt ! ließ sie ihm sagen , sie habe sich ihm nur auf Wunsch der Tante verlobt ! – Und da drüben jene falben wirbelnden Blätter im Lindengange , die hatten es gehört , wie sie ihm Treue schwur , wie sie so tausendmal versichert , daß sie ihn liebe , mehr liebe als Alles auf der Welt , und nun – nun war alles dahin . Verkaufen sollte er sich – verkaufen , wie Großmama gerathen . „ Nein , lieber doch eine Kugel – eine Kugel ! “ Er stöhnte auf und biß die Zähne aus einander ; wo war doch das Glück geblieben , an das er so stolz geglaubt ? Der alte Spruch fiel ihm ein : „ Nur nit verzag ’ ! Glück kumbt all Tag “ . Lächerlich , wie hatte es ihn so schnell verlassen ! Da tönte ein leichter Schritt hinter ihm ; er wandte sich – ein über und über erglühendes Gesicht schaute zu ihm auf . „ Ihre Frau Mutter verlangt nach Ihnen , Herr Lieutenant , “ sagte halblaut eine klare Stimme . Er schritt an Lieschen vorüber in das Krankenzimmer , und sie trat an das Fenster , wo er bis jetzt gestanden . Draußen sprühte ein feiner Regen hernieber und hüllte die Gegend in feuchte Schleier ; sie spähte hinab zu dem Hause der Eltern , aber sie konnte es in der dunstigen Atmosphäre nicht erkennen . „ Was mögen sie jetzt thun dort unten , mein Mütterchen , der Vater und die Muhme ? Der Vater ist wohl auf der Jagd ? Ach nein , er mußte so viel im Comptoir arbeiten , seit Herr Selldorf so plötzlich abreiste . “ Wieder stieg ein dunkles Roth in ihre Wangen . Nebenan war es anfänglich still geblieben ; die Thür stand halb geöffnet ; Army kniete wohl am Bette der kranken Mutter , und jetzt klang seine Stimme : „ Mein gutes Mamachen , Du dachtest , ich wollte es machen wie der Junker von Streitwitz ? O nein , nein , ich habe Dich ja noch und Nelly . “ So weich klang es , so tröstend , und doch als ob zurückgedrängte Thränen die Worte undeutlich machten . Und dann der Mutter schwache Stimmen Lieschen konnte die Worte nicht verstehen , aber aus dem Tonfall der abgebrochenen Laute wehte ein süßes Trösten , ein freudiges Danke , daß sie den Sohn in ihren Arme hielt , die ganze überschwengliche Fülle der Mutterliebe , die helfen , stützen , rathen wollten so beruhigend , so versöhnend klang es , als gelte es ein krankes Kind in süße Schlummer zu wiegen . Und da auf einmal – war es wirklich möglich ? Das klang wie Weinen , gewaltsam unterdrücktes Schluchzen . Sollte Army – ? Lieschen kehrte sich plötzlich um und lauschte mit erbleichendem Gesicht – weinen denn Männer auch ? Sie eilte zur Thür ; sie wollte fliehen ; er durfte nicht wissen , daß sie gehört , wie er – Da trat er aus dem Zimmer der Mutter , das Gesicht ernst und die Lippen auf einander gepreßt , aber die Augen – ja , die waren noch feucht von den Thränen , die er geweint – um seine verlorene Braut . Sie stand dicht vor ihm , die Hände auf die Brust gefaltet , als wolle sie ihn um Verzeihung bitten , daß sie ihn so gesehen . Auch er hemmte den Schritt ; er schaute zu ihr hinüber und las das innige Mitleid in ihren Augen . Kam ihm die Erinnerung an die Zeiten wieder , als das kleine Mädchen den wilden Knaben oft so getröstet , wenn er im kindischen Spiele die Geduld verloren und im trotzigen Knabezorne heiße Thräne geweint ? „ Lieschen , “ sagte er weich und dankbar und reichte ihr die Hand . „ Army , lieber Army , “ klang es zurück , von Schluchzen halb erstickt ; er fühlte einen Augenblick eine kleine Hand in der seinen ; dann war sie verschwunden . 12. Das einförmige Leben war wieder eingekehrt in Schloß Derenberg . Army war abgereist . Nun war es ganz still in dem alten Schlosse geworden . Der Kummer schritt durch die öden Räume und mit ihm – die Sorge . „ Sie müssen rathen , Hellwig , “ hatte die alte Baronin dem bewährten Helfer in der Noth halb herrisch , halb bittend gesagt , „ Sie müssen ! Nur auf kurze Zeit schaffen Sie Geld , nur damit das Verhängniß jetzt nicht über meinen Enkelsohn zusammenbricht ! Das Weitere findet sich nachher ; kommt Zeit , kommt Rath . “ Und der alte Mann hatte schweren Herzens das Versprechen gegeben , zu versuchen , „ dem Teufelsbengel , dem Army , aus der Patsche zu helfen , “ und sich zu gleicher Zeit erkundigt , wie denn die Frau Baronin das „ Weitere “ zu arrangiren beabsichtige ? Und als sie dann in ihrer nervösen Art dem treuen Berather ihrer Familie einige Andeutungen gemacht , worin sie die Rettung zu finden hoffe , da hatte er