und Schaffens berichte , zunächst das noch eine Stelle hier finden , was er – aus aller Chronologie herausgerissen und anknüpfend an die gelegentlichen Begegnungen einer späteren Zeit – über die französischen Maler überhaupt , insonderheit über ihren naiven Chauvinismus , also mehr über die Menschen als über die Künstler , und schließlich auch noch über die neueste Pariser Kunstrichtung geschrieben hat . » ... Ich war allezeit « , so schreibt er , » sehr gern in Paris und stand , was ich immer wieder und wieder betonen muß , mit den französischen Künstlern auf bestem Fuße , wennschon ihnen ihre › Superiorität ‹ über uns , und zwar nicht bloß für den Moment , sondern für alle Zeiten , unverbrüchlich feststand . Sie waren darin ganz naiv . Der Gedanke , daß sie von anderen überflügelt werden könnten , ist ihnen bis diese Stunde fremd geblieben . Und so ist es denn auch ein charakteristischer Zug jedes Franzosen , ohne weiteres anzunehmen , daß seine Nation von einer anderen nicht besiegt werden könne . Davon ein Beispiel . Als ich Gleyre im Jahre 1868 das letztemal sprach , lud ich ihn ein , mich in Berlin zu besuchen , ich wolle bei der Gelegenheit sein Führer durch die Museen , wie auch durch die Museen in Dresden usw. sein . › Ich nehme es an ‹ , sagte er , › doch zuvor müssen wir mit den Deutschen uns messen . ‹ Die Wut gegen uns datierte schon vom österreichischen Kriege her . › Aber ‹ , erwiderte ich ihm , › Sie sind ja gar kein Franzose , Sie sind ja ein Schweizer ; was geht Sie diese Rivalität an ? ‹ › Schweizer bin ich , aber durch meinen langen Aufenthalt in Paris mit den Franzosen identifiziert . ‹ › Nun wohl , dann kann ich Ihnen nur erwidern , daß Sie einen Krieg mit uns nicht herbeiwünschen sollten ; denn Sie werden , wie die Österreicher , zermalmt werden . ‹ › Das glaube ich nun freilich nicht . Sollten wir aber geschlagen werden , so würden wir ( setzte er lachend hinzu ) unsern Napoleon wenigstens loswerden ‹ . « » Und hier lasse ich « , so fährt Gentz in seinen Aufzeichnungen fort , » gleich noch einen zweiten anekdotischen Zug folgen , der angetan ist , den Chauvinismus der Franzosen und das Hochmaß ihrer gekränkten Eitelkeit in voller Beleuchtung zu zeigen . Ich hatte Leon Bonnat , der gegenwärtig als größter Porträtmaler der Franzosen gilt , schon 1846 in Madrid bei seinen Eltern kennengelernt . Er war damals erst vierzehnjährig und ich zeichnete sein Porträt . Später , als er seine Studien in Italien vollendet und besonders , wie er mir sagte , die deutschen Künstler dort schätzengelernt hatte , traf ich ihn bei Robert Fleury wieder . Ebenso ( 1878 ) auf der Pariser Weltausstellung , auf der ich Kommissar für Deutschland war . Ich führte ihn in unsere Abteilung , wo er sich besonders begeistert über Lenbachs Döllingerporträt aussprach . Auch Menzels und von Gebhardts Bilder wurden von ihm bewundert . Er riet mir aber ab , meinen Sohn nach Paris zum Studium zu schicken , weil er zwar väterlich für ihn sorgen wolle , leider aber nicht die Macht habe , ihn vor etwaigen Insulten von seiten seiner Mitschüler zu schützen . Das war 1878 . Ich bin auch später noch zum Besuch der Jahresausstellungen nach Paris gereist und war immer enthusiasmiert von dem , was ich sah . Heute haben sich ganz andere Richtungen geltend gemacht , als zu meiner Zeit . Wie in der Literatur die Zolas , so haben auch die Maler das Bedürfnis gefühlt , › qu ' on descende dans la rue ‹ , wie sie sich ausdrücken . Ich muß bekennen , daß viel Wahres darin liegt ; man darf nur nicht behaupten , daß das alleinige Gebiet der Kunst auf der Straße zu finden sei . « Hiermit schließen W. Gentz ' auf Paris und das Pariser Kunstleben Bezug habende Betrachtungen ab ; was sich sonst noch in seinen Aufzeichnungen findet , berührt andere Punkte . * Wilhelm Gentz war nun also wieder daheim und scheint , ehe er sich durch Hauskauf völlig seßhaft machte , seinen Aufenthalt zwischen Berlin und seiner Vaterstadt Ruppin geteilt zu haben . Das war von 1857 bis 1861 . In Ruppin , an das ihn ein ausgesprochener Familiensinn und im besonderen die herzlichste Liebe zu dem klugen und eigenartigen Vater kettete , war er mannigfach mit Ausschmückung all der Bauten beschäftigt , die sein Bruder Alexander damals in Stadt und Umgebung entstehen ließ . Einiges davon ( so z.B. die Wandbilder in der Gentzschen Stadtwohnung ) hat mir immer besonders gut gefallen . In Berlin , das selbstverständlich sein Hauptquartier blieb , bewohnte er vorläufig mietsweise das in der Feilnerstraße gelegene » Feilnersche Haus « . Von 1861 ab stabilisierte sich sein Leben immer mehr . In eben diesem Jahre verheiratete er sich mit Fräulein Ida von Damitz , Tochter des Kreisbaumeisters von Damitz , aus welcher Ehe ihm in den zwei folgenden Jahren , 1862 und 1863 , ein Sohn Ismael und eine Tochter Mirjam geboren wurden . Ismael , auf den sich das malerische Talent des Vaters vererbt hatte , zeigte schon früh eine hervorragende Begabung für das Charakteristische in der Kunst , und mehrere gute Porträts , darunter eine Serie bekannter Berliner Persönlichkeiten : Werner Siemens , Lothar Bucher , Minister Friedberg , Dubois-Reymond , Frau von Großheim , Fanny Lewald , Paul Meyerheim , Max Klinger , Amberg , Max Klein , Saltzmann , Geh . Rat von Bergmann , Geh . Rat Dr. Tobold , Bleibtreu , Albert Hertel , Gussow , Rangabé , Reichstagsmitglied von Benda , Prof. Vogel u.a.m. rühren von ihm her . Mirjam verheiratete sich 1883 oder 1884 mit dem Rittergutsbesitzer von Lambrecht-Benda auf Breitenfelde , Sohn des Reichstagsmitgliedes von Benda auf Rudow bei Berlin . Vom