Augen an : er war in meiner Macht , mußte mir jede Frage beantworten , die ich ihm stellen würde nach irdischen oder jenseitigen Dingen , und er wartete nur darauf , aber der Durst nach dem Geheimnisvollen konnte nicht an gegen die Schwüle meines Blutes und versickerte im dürren Erdreich meines Verstandes . - Ich schickte das Phantom weg , es solle zum Spiegelbild Angelinas werden , und es schrumpfte zusammen zu dem Buchstaben » Aleph « , wuchs wieder empor , stand da als das Koloßweib , splitternackt , wie ich es einstens im Buche Ibbur gesehen , mit dem Pulse gleich einem Erdbeben , und beugte sich über mich , und ich atmete den betäubenden Geruch ihres heißen Fleisches ein . - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - Kam denn Charousek immer noch nicht ? - Die Glocken sangen von den Kirchtürmen . Eine Viertelstunde wollte ich noch warten - dann aber hinaus ! Durch belebte Straßen voll festtägig gekleideter Menschen schlendern , mich in das frohe Gewimmel mischen in den Stadtteilen der Reichen , schöne Frauen sehen mit koketten Gesichtern und schmalen Händen und Füßen . Vielleicht begegnete ich dabei Charousek zufällig , entschuldigte ich mich vor mir selbst . Ich holte das altertümliche Tarokspiel vom Bücherbord , um mir die Zeit rascher zu vertreiben . - Vielleicht ließ sich aus den Bildern Anregung schöpfen zum Entwurf einer Kamee ? Ich suchte nach dem Pagad . Nicht zu finden . Wo konnte er hingeraten sein ? Ich blätterte noch einmal die Karten durch und verlor mich in Nachdenken über ihren verborgenen Sinn . Besonders der » Gehenkte « , - was konnte er nur bedeuten ? : Ein Mann hängt an einem Seil zwischen Himmel und Erde , den Kopf nach abwärts , die Arme auf den Rücken gebunden , den rechten Unterschenkel über das linke Bein verschränkt , daß es aussieht wie ein Kreuz über einem verkehrten Dreieck ? Unverständliches Gleichnis . Da ! - Endlich ! Charousek kam . Oder doch nicht ? Freudige Überraschung : es war Mirjam . - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - » Wissen Sie , Mirjam , daß ich soeben zu Ihnen hinuntergehen wollte und Sie bitten , eine Spazierfahrt mit mir zu machen ? « Es war nicht ganz die Wahrheit , aber ich machte mir weiter keine Gedanken darüber . - » Nicht wahr , Sie schlagen es mir nicht ab ? ! Ich bin heute so unendlich froh im Herzen , daß Sie , gerade Sie , Mirjam , meiner Freude die Krone aufsetzen müssen . « » - spazierenfahren ? « , wiederholte sie derart verblüfft , daß ich laut auflachen mußte . » Ist denn der Vorschlag gar so wunderbar ? « » Nein , nein , aber - - , « sie suchte nach Worten , » unerhört merkwürdig . Spazierenfahren ! « » Durchaus nicht merkwürdig , wenn Sie sich vorhalten , daß es Hunderttausende von Menschen tun - eigentlich ihr ganzes Leben nichts anderes tun . « » Ja , andere Menschen ! « gab sie , immer noch vollständig überrumpelt , zu . Ich faßte ihre beiden Hände : » Was andere Menschen an Freude erleben dürfen , möchte ich , daß Sie , Mirjam , in noch unendlich viel reicherem Maße genießen . « Sie wurde plötzlich leichenblaß , und ich sah an der starren Taubheit ihres Blickes , woran sie dachte . Es gab mir einen Stich . » Sie dürfen es nicht immer mit sich herumtragen , Mirjam , « redete ich ihr zu , » das - das Wunder . Wollen Sie mir das nicht versprechen - aus - aus Freundschaft ? « Sie hörte die Angst aus meinen Worten und blickte mich erstaunt an . » Wenn es Sie nicht so angriffe , könnte ich mich mit Ihnen freuen , aber so ? Wissen Sie , daß ich tief besorgt bin um Sie , Mirjam ? - Um - um - wie soll ich nur sagen ? - um Ihre seelische Gesundheit ! Fassen Sie es nicht wörtlich auf , aber - : ich wollte , das Wunder wäre nie geschehen . « Ich erwartete , sie würde mir widersprechen , aber sie nickte nur in Gedanken versunken . » Es verzehrt Sie . Habe ich nicht recht , Mirjam ? « Sie raffte sich auf : » Manchmal möchte ich beinahe auch , es wäre nicht geschehen . « Es klang wie ein Hoffnungsstrahl für mich . - » Wenn ich mir denken soll , « sie sprach ganz langsam und traumverloren , » daß Zeiten kommen könnten , wo ich ohne solche Wunder leben müßte - - - . « » Sie können doch über Nacht reich werden und brauchen dann nicht mehr - , « fuhr ich ihr unbedacht in die Rede , hielt aber rasch inne , als ich das Entsetzen in ihrem Gesicht bemerkte , - » ich meine : Sie können plötzlich auf natürliche Weise Ihrer Sorgen enthoben werden , und die Wunder , die Sie dann erleben , würden geistiger Art sein : - innere Erlebnisse . « Sie schüttelte den Kopf und sagte hart : » Innere Erlebnisse sind keine Wunder . Erstaunlich genug , daß es Menschen zu geben scheint , die überhaupt keine haben . - Seit meiner Kindheit , Tag für Tag , Nacht für Nacht , erlebe ich - « ( sie brach mit einem Ruck ab , und ich erriet , daß noch etwas anderes in ihr war , von dem sie mir nie gesprochen hatte , vielleicht das Weben unsichtbarer Geschehnisse , ähnlich den meinigen ) - » aber das gehört nicht hierher . Selbst , wenn einer