- Ich muß die andere Kundschaft bitten , sich zu gedulden - zu der wichtigsten reise ich selbst ... « Er fühlte die herzlichste Anteilnahme der klugen Frau . - Plötzlich dachte er : Wie so ein außergewöhnliches Ereignis die Menschen gleich näher aneinander bringt . - Und die Hausfrau sagte jetzt auch , daß sie darauf bestehe ! Allert und seine Mutter müßten hier heute abend essen , Allert sollte durchaus auch noch mit dem Senator sich aussprechen , den alles sehr interessieren würde . - Sein Haus habe doch unter seinem Großvater auch die Erschütterung durch einen Brand aushalten und überwinden müssen . Damals freilich seien nicht gleich Makler und Agenten mit Hilfsmitteln aus dem Boden aufgeschossen . - Alles sei schwerer gewesen , nicht nur weil das Unglück so viele traf und die ungeheure Ausdehnung hatte , sondern weil man damals diese auf Gelegenheit lauernden Allesvermittler im Geschäftsleben noch nicht kannte . Allert nahm die Einladung an . Er wußte selbst nicht , ob ungern oder mit heißer Freude . Er dachte : Ich sollte ihr aus dem Wege gehen - jetzt - jetzt auch das noch - diese Quälerei . - Das lenkt ab ! Das darf nicht sein . - Ich habe Sorgen - Arbeit . - So viel von beiden , daß er die nächsten Wochen manchmal dachte , es würde sich nicht bezwingen lassen , es gehe über seine Kraft . Und alle Augenblicke mal zu kurzen Reisen auf und davon - trotz Telefon und Draht , in gewissen Dingen war die Ueberredungskunst doch die beste Art zu verkehren . Und darüber kam es ihm eigentlich gar nicht zum Bewußtsein , daß er plötzlich für einen kleinen Kreis von Menschen eine Hauptperson und ein Mittelpunkt geworden war . Bei Dornes wußten es sogar schon die Dienstboten : das Kommen und Gehen des Herrn von Hellbingsdorf bestimmte die Toiletten der gnädigen Frau und die Gerichte auf dem Tische . Oft , wenn er am späten Abend von einer Reise zurückkam , suchte er noch seinen Teilhaber auf , um sich mit ihm zu besprechen . Dorne , unfähig , nach außen hin auch nur den kleinsten Schritt für ihr Unternehmen zu tun , arbeitete in seinem Laboratorium mit desto leidenschaftlicherem Eifer . So schienen sie sich auf das glücklichste zu ergänzen . Wenn diese kaum verhehlbaren Unruhen nicht gewesen wären , von denen Dorne oft mitten bei der Arbeit befallen ward ! - Und Frau Julia machte immer ein großes Wesen davon , wenn er so abends , manchmal etwas abgespannt , noch in wichtigen Sachen vorsprach . Dann tat sie , als sei es ihre Pflicht , sich in seiner Pflege zu erschöpfen , und als habe er zu ihrer aller Besten ungefähr Herkulesarbeit hinter sich . Es war ihm peinlich , daß seine Tätigkeit zu überschwenglichem Verdienst aufgebauscht wurde . Es genierte ihn vor dem Manne , der mit Worten beistimmte , in dessen helle Augen aber dann immer der seltsam schimmernde Funke trat . - Im Hause Amster war Allert auch plötzlich » der liebe junge Freund « geworden . Auf das ernsthafte Gesicht des Senators kam ein heller Schein , wenn er mit ihm sprach , und die klugen , scharfen Züge der Hausfrau milderten sich zur Zufriedenheit , so oft er sich bei ihnen als Gast , natürlich besonders eingeladen , zum späten Mittagessen einfand . Seine Mutter genoß es glückselig , ihrem Sohn die Achtung und Vorliebe dieser beiden hochstehenden Köpfe und Herzen zugewendet zu sehen - denn schließlich - sie hatten ja auch Herz . - Wie viel , das wußte Allert noch gar nicht . Aber seine Mutter , die hatte es erfahren . Nicht nur durch all die nahezu leidenschaftliche Protektion . Diese schätzte Sophie in ihrer feinen Menschenkenntnis sehr richtig ein . Da sprach das Herrscherbedürfnis der Senatorin . Sie hatte diese Malerin gewählt und hierher gebracht , nun sollten alle Menschen durchaus im Urteil und Geschmack mit ihr übereinstimmen , und indem sie der von ihr geladenen Künstlerin Auftrag über Auftrag verschaffte , bewies sie sich und anderen ihren machtvollen Einfluß . Nein , die Mutter hatte zur Mutter gesprochen . Etwa drei Wochen nach dem Brand . Es war nach einer Sitzung . Die kleinen Haimbrugks hatten mit ihrer Mama , der Erzieherin und einer älteren Schwester einen ziemlich geräuschvollen Abgang genommen . Sophie knöpfte sich gerade die Malschürze ab . Da betrat die Senatorin das Atelier . Sie war im Hut und Pelzpaletot , vornehm und stattlich sah sie aus . Sie kam aus einer Vorstandssitzung . Dann war sie immer besonders angeregt ; sie hatte dann ihre Ueberlegenheit voll ausgekostet und war mit sich zufrieden . » Wir haben Frau Doktor Dorne zur zweiten Schriftführerin ernannt - sie glaubt , daß sie sich dazu besser eignet als zur Tätigkeit draußen - ja , dazu gehört eine besondere Begabung - keine von meinen Damen kommt da Marieluis gleich . « » Es ist doch eine Freude für Sie , daß die angenommene Tochter so ganz Ihr Kind geworden ist . « » Und ob ! Aufrichtig - ich möchte mal ein vertrauliches Wort über Marieluis mit Ihnen sprechen ; « dabei zog sie mit Sorgsamkeit ihren kostbaren Mantel aus und legte ihn , voll Respekt vor seinem Wert , schonlich über den nächsten Stuhl . Sophie wurde etwas unruhig zumute . Vertrauliche Worte über Marieluis ? ! Und von dieser Frau , die trotz aller Gesprächigkeit und aller Lebhaftigkeit ihres Verstandes niemals eine vertrauliche Art hatte ? Die ganz , ganz geheimen Wünsche , deren Sophie sich bewußt war , gaben ihr plötzlich das Gefühl , als habe sie ein schlechtes Gewissen . » Sie wissen , « begann die eine Mutter zur andern zu sprechen , » daß Marieluis so erzogen ist , daß sie nicht zu heiraten braucht . Weder aus finanziellen noch aus ethischen Gründen . Sie ist versorgt und hat Lebensinhalt , gottlob ! das darf ich