in der kurzen Zeit seltsam gealtert , es war spitz und gelb geworden . Der Doktor beugte sich über ihn , da öffnete er die Augen , ließ seinen teilnahmslosen , kalten Blick durch das Zimmer irren , wandte den Kopf zur Seite und machte mit der Hand eine müde , abwehrende Bewegung . Er schien etwas zu murmeln , Doktor Hansius beugte sich näher zu ihm , richtete sich dann auf und flüsterte Egloff zu : » Ich denke , Sie gehen . « » Was sagt er ? « fragte Egloff . » Er sagt Lydia « , erwiderte der Doktor . Egloff verließ das Zimmer . Draußen stieß Bützow zu ihm . » Hier ist schlechte Luft , « meinte er , » draußen wird es besser sein . « Sie gingen hinaus und schritten vor dem Hause in dem leise niederrinnenden Regen auf und ab . Bützow machte anfangs Redensarten über die fatale Affäre , bald ging er auf die vielen Hasen über , die es hier geben mußte und auf die kleinen , struppigen Bauernhunde , die so glänzend auf der Hasenjagd waren . Ab und zu schauten sie zur Krugstüre hinüber , als erwarteten sie eine Nachricht . Plötzlich blieb Bützow stehen . » Hören Sie , Egloff , « sagte er , » das ist nun so , wie es ist , aber essen muß der Mensch , ich habe einen Wolfshunger , Sie nicht ? « Egloff hatte an seinen Hunger bisher nicht gedacht . » Gleichviel , « beschloß der Graf , » kommen Sie zu meinem Wagen , dort habe ich was zu essen . « Sie gingen zu Bützows Automobil und stiegen hinein . Bützow packte seine Vorräte aus . » Sehen Sie , da ist Leberpastete , da ist kalte Pute , hier etwas Kaviar , da ist Schnaps und Rotwein « ; und sie begannen zu essen , Egloff fühlte erst jetzt , daß er hungrig war , und das Essen bereitete ihm ein intensives Vergnügen . Es war auch wirklich gemütlich hier in dem hübschen gepolsterten Raume , der Regen knisterte an den Fensterscheiben , Bützow wurde ordentlich heiter , er sprach von seinem Koch , der eine Perle war , kritisierte das Essen auf den Schlössern . Bei Ports aß man schlecht , aber sie hatten eine Spezialität , kleine Speckpasteten , die waren delikat . Bei Teschens war die Fischsuppe gewöhnlich gut . Egloff berichtete von Speisen , die er auf seinen Reisen gegessen , von einer gefüllten Pute , die in einem griechischen Haushalt serviert worden war , gefüllt mit Reis , Pistazien , Mandeln und trockenen Feigen . Als die Mahlzeit jedoch beendet und Egloff satt war , fiel die gemütliche Stimmung sofort wieder von ihm ab . Der Raum wurde ihm zu enge , und Bützow mit seinem Geschwätz und seinem zu starken englischen Parfüm war ihm unerträglich . » Steigen wir aus « , schlug er vor . Draußen kam ihnen der Leutnant von Klette entgegen , ernst und feierlich . » Es ist aus « , murmelte er . Man stand schweigend beisammen , bis Bützow sagte : » Sehr traurig , sehr traurig , aber dann können wir wohl fahren , ich bringe Sie zur Station , Egloff . « Allein Egloff wollte den Toten sehen . Dachhausen lag da im kleinen Krugzimmer , das bleiche Gesicht hatte jetzt wieder seinen friedlichen , harmlosen Ausdruck , an den Augen die Linien , welche die freundlichen Falten seines stets bereiten Lachens eingegraben ; es war wieder das gute Gesicht , auf dem nichts von Leiden , nichts von einer Geschichte geschrieben stand . Egloff schaute ihn an mit einer wunderlichen Mischung von Mitleid und Verachtung . Es schien fast widersinnig , daß er so streng und bleich dalag , der arme Junge konnte selbst im Tode nicht ernst genommen werden . Egloff wandte sich ab , verabschiedete sich von den Herren mit einem kühlen Händedruck und ging hinaus , um zu Bützow in das Automobil zu steigen . Nun kam die Reise mit ihrem traumhaften Wiedererleben des Erlebten ; es war Egloff unmöglich , an das zu denken , was kommen würde , immer wieder stand das Vergangene ihm vor Augen , und mitten darin immer wieder Dachhausen , Dachhausen sich breit und wichtig auf die Mensur stellend , Dachhausen , wie er hilflos mit den Armen durch die Luft fuhr und zu Boden fiel , Dachhausen , wie er bleich und still im Bette lag . Und ein Ingrimm erwachte in Egloff , wie einfach und klar wäre die Lösung gewesen , wenn er , Egloff , gefallen wäre . Ja , er wußte es jetzt , er hatte bestimmt darauf gerechnet , und nun kam dieser Mensch und verwirrte alles wieder . Dort in der kleinen weißen Krugstube wie Dachhausen dazuliegen , welche Ruhe ! Ja , welche Ruhe , Egloff streckte sich auf seinem Sofa . Draußen vom Saale her klangen die Töne eines Harmoniums herüber , Egloff entsann sich , es war heute Sonnabend , und da pflegte stets eine Abendandacht mit den Leuten stattzufinden . Er erhob sich und ging hinaus . Fräulein Dussa saß am Harmonium , die Baronin neben ihr , die Bibel auf den Knien , in der Tür standen die Mägde und die Diener und der Koch . Egloff setzte sich am anderen Ende des Saales in einen Sessel , dort hatte er schon als Kind während dieser Andachten gesessen , damals waren ihm die Augen vor Schläfrigkeit zugefallen , und die Flammen der Kerzen hatten sich in krause Bündel kleiner goldener Blitze aufgelöst . » Aus tiefer Not schrei ich zu dir « , wurde angestimmt . Starke , ein wenig heisere Stimmen riefen die feierliche Leidenschaftlichkeit der Melodie in den Saal hinein und mischten in die Andacht die Schläfrigkeit des Feierabends . Wie einst als Kind , empfand Egloff diese Töne als große , ruhige Wellen , die