wehrend die Hände . Da lachte Malimmes . Und fragte : » Hast du keinen lieb , für den du dich aufheben möchtest ? « Unbeweglich stand sie in der Nacht . Ein mühsamer Atemzug . Und sie schüttelte den Kopf . » Ich bleib , wo der Vater ist . « » Gut ! « sagte Malimmes ruhig . » So bleib ich halt auch . Und stell mich hin vor dich , vor meinen Herren und vor das Totenbrett . Und rührt euch einer an , so schlag ich zu mit dem Bidenhänder . « Doch statt das Eisen blank zu ziehen , koppelte er das lange Schwert vor der Brust an den Riemen , als hätte er den Wunsch nach freien Händen . » Das wird eine grobe Blutsuppe geben . « Er faßte mit festem Griff ihr Handgelenk . » Zum Vater - « Jula versuchte ihre Hand zu befreien . » Ich will zum Vater . « Lauschend hob Malimmes den Kopf , stand eine Weile unbeweglich und flüsterte : » Lus ! « Im Rauschen der Ache hörte Jula von der Straße herauf ein Geräusch , das sie nicht zu deuten wußte . Malimmes zischelte : » Das müssen an die zwanzig sein , die neben der Straß im Gras laufen . Und drei Gäul . Zwei treten hart . Die tragen . Einer geht leer . Das ist der Gaul , auf dem dein Vater reiten soll . Und lus ! Da steigt ein Bub über den Hag . « » Laß aus ! « Jula rang gegen die eiserne Kraft des Soldknechtes . Er packte sie mit beiden Armen . » Wehr dich , gutes Maidl ! Wehr dich , wie du kannst ! Bloß schreien tu nit ! Sonst bringst du deinen Vater um . « Während er sie mit dem linken Arm an seine Brust klammerte , preßte er die rechte Hand auf ihren Mund und riß sie mit sich fort , in die Nacht hinaus . Das Hagtor quiekste ein wenig , als es von dem Buben geöffnet wurde , der vorsichtig über den hohen Zaun geklettert war . Dunkle Gestalten mit grauen Gesichtern drängten sich in das offene Tor . Vom rötlichen Licht , das herausfiel aus den Fenstern , blinkten die Spießklingen , als wären sie schon mit Blut gefärbt . Leis befahl eine rauhe Stimme : » Zwei zu jedem Fenster , vier an die Haustür , sechs in die Ställ . Nit eher , als ich im Haus bin . Der Reiter mit mir . « Rasch gingen die zwei auf das Haus zu . Sie zogen das Eisen nicht . Der vorausging , hatte einen Steithammer in der Faust und war gut gewappnet . Seine Platten klirrten , als er über die Schwelle trat . Das klang so laut , daß auch Runotter in der Taubheit seines Schmerzes dieses Klirren hören mußte . Er hob den Kopf . Doch er konnte die Augen vom Jakob nicht losbringen . Als die zwei schon bei der Stubentür standen , sah Runotter noch immer seinen Buben an , der starr und mißförmig auf dem Totenbrette lag , umzittert vom Licht der Talglampen und von der roten Glut des halbverbrannten Wacholders . Wuschelig hingen die schwarzen Haare in das schmerzlose Gesicht des Toten , der vom unruhigen Licht noch eine Farbe des Lebens auf den Wangen hatte und mit geschlossenen Augen über eine schwer begreifliche Sache nachzudenken schien . » Runotter ? « Der Bauer wandte den Kopf . » Der Vogt ? Bei mir ? « Er deutete auf den Toten . » Weiß der Fürst schon , wer ' s getan hat ? « » Mir hat er ' s nit gesagt . Da ist jetzt auch nit die Red davon . « » So ? « Das Gesicht des Bauern verzerrte sich . » Schickt mir der Fürst den neuen Richtmannsstab ? « Langsam erhob er sich . » Runotter ? « Der Vogt , ein schweres , breitschultriges Mannsbild , tat einen Schritt in die Stube , und hinter ihm drängte sich der andre nach . » Arg still ist ' s heut im Dorf . Die Häuser zwischen dem Windbach und deinem Hof sind leer . Wo sind die Ramsauer ? « Die Brauen des Bauern zogen sich hart zusammen . » Was geht mich an , wo die Ramsauer sind ? Ich bin , wo ich sein muß . « Der Vogt schmunzelte ein bißchen und deutete auf den Toten . » Läg der da nit auf den letzten Laden , Bauer ? Wo wärst du denn nachher jetzt ? Auch auf der frommen Wallfahrt ? « Runotter streckte sich . » Da wär ich beim Fürsten . Jetzt . « » So komm ! Der Fürst will reden mit dir . « » Das Leben hat viel Recht . Der Tod hat auch eins . Dein Fürst wird mir Urlaub lassen bis morgen . Ich muß meinen Buben in geweihten Boden tun . « » Das wirst du nit können . Der Pfarrherr ist im Gaden draußt . Ich weiß nit , wie lang er bleibt . Dein Bub und die andern werden warten müssen . Der Fürst hat Eil . Komm mit ! Ich will dir raten , du tust es in Gut und Ruh . « Lange schwieg der Bauer . Er musterte die zwei Männer , sah unter schweren Atemzügen den Toten an , und dann irrte sein Blick über die Stubendecke . Er nickte . Seine Stimme war tonlos . » Gut . Ich mach mich fertig . « Mit raschen Schritten trat er in die Kammer hinaus und drückte hinter sich die Türe zu . Der Spießknecht wollte springen . Aber der Vogt hielt ihm den Arm vor . Über den Toten , der mit Lampen und Glutpfanne den Weg sperrte , wollte er nicht hinüber . » Bleib ! Der kommt wieder . Das ist