von Tarent und den Herzog von Cleve und Philipp von Baden und den Herrn von Château-Guyon . Denn er wollte seinem Blut einreden , daß er Kaiser sei und nichts über ihm : damit es ihn fürchte . Aber sein Blut glaubte ihm nicht , trotz solcher Beweise , es war ein mißtrauisches Blut . Vielleicht erhielt er es noch eine Weile im Zweifel . Aber die Hörner von Uri verrieten ihn . Seither wußte sein Blut , daß es in einem Verlorenen war : und wollte heraus . So seh ich es jetzt , damals aber machte es mir vor allem Eindruck , von dem Dreikönigstag zu lesen , da man ihn suchte . Der junge lothringische Fürst , der tags vorher , gleich nach der merkwürdig hastigen Schlacht in seiner elenden Stadt Nancy eingeritten war , hatte ganz früh seine Umgebung geweckt und nach dem Herzog gefragt . Bote um Bote wurde ausgesandt , und er selbst erschien von Zeit zu Zeit am Fenster , unruhig und besorgt . Er erkannte nicht immer , wen sie da brachten auf ihren Wagen und Tragbahren , er sah nur , daß es nicht der Herzog war . Und auch unter den Verwundeten war er nicht , und von den Gefangenen , die man fortwährend noch einbrachte , hatte ihn keiner gesehen . Die Flüchtlinge aber trugen nach allen Seiten verschiedene Nachrichten und waren wirr und schreckhaft , als fürchteten sie , auf ihn zuzulaufen . Es dunkelte schon , und man hatte nichts von ihm gehört . Die Kunde , daß er verschwunden sei , hatte Zeit herumzukommen an dem langen Winterabend . Und wohin sie kam , da erzeugte sie in allen eine jähe , übertriebene Sicherheit , daß er lebte . Nie vielleicht war der Herzog so wirklich in jeder Einbildung wie in dieser Nacht . Es gab kein Haus , wo man nicht wachte und auf ihn wartete und sich sein Klopfen vorstellte . Und wenn er nicht kam , so wars , weil er schon vorüber war . Es fror diese Nacht , und es war , als fröre auch die Idee , daß er sei ; so hart wurde sie . Und Jahre und Jahre vergingen , eh sie sich auflöste . Alle diese Menschen , ohne es recht zu wissen , bestanden jetzt auf ihm . Das Schicksal , das er über sie gebracht hatte , war nur erträglich durch seine Gestalt . Sie hatten so schwer erlernt , daß er war ; nun aber , da sie ihn konnten , fanden sie , daß er gut zu merken sei und nicht zu vergessen . Aber am nächsten Morgen , dem siebenten Januar , einem Dienstag , fing das Suchen doch wieder an . Und diesmal war ein Führer da . Es war ein Page des Herzogs , und es hieß , er habe seinen Herrn von ferne stürzen sehen ; nun sollte er die Stelle zeigen . Er selbst hatte nichts erzählt , der Graf von Campobasso hatte ihn gebracht und hatte für ihn gesprochen . Nun ging er voran , und die anderen hielten sich dicht hinter ihm . Wer ihn so sah , vermummt und eigentümlich unsicher , der hatte Mühe zu glauben , daß es wirklich Gian-Battista Colonna sei , der schön wie ein Mädchen war und schmal in den Gelenken . Er zitterte vor Kälte ; die Luft war steif vom Nachtfrost , es klang wie Zähneknirschen unter den Schritten . Übrigens froren sie alle . Nur des Herzogs Narr , Louis-Onze zubenannt , machte sich Bewegung . Er spielte den Hund , lief voraus , kam wieder und trollte eine Weile auf allen Vieren neben dem Knaben her ; wo er aber von fern eine Leiche sah , da sprang er hin und verbeugte sich und redete ihr zu , sie möchte sich zusammennehmen und der sein , den man suchte . Er ließ ihr ein wenig Bedenkzeit , aber dann kam er mürrisch zu den andern zurück und drohte und fluchte und beklagte sich über den Eigensinn und die Trägheit der Toten . Und man ging immerzu , und es nahm kein Ende . Die Stadt war kaum mehr zu sehen ; denn das Wetter hatte sich inzwischen geschlossen , trotz der Kälte , und war grau und undurchsichtig geworden . Das Land lag flach und gleichgültig da , und die kleine , dichte Gruppe sah immer verirrter aus , je weiter sie sich bewegte . Niemand sprach , nur ein altes Weib , das mitgelaufen war , malmte etwas und schüttelte den Kopf dabei ; vielleicht betete sie . Auf einmal blieb der Vorderste stehen und sah um sich . Dann wandte er sich kurz zu Lupi , dem portugiesischen Arzt des Herzogs , und zeigte nach vorn . Ein paar Schritte weiterhin war eine Eisfläche , eine Art Tümpel oder Teich , und da lagen , halb eingebrochen , zehn oder zwölf Leichen . Sie waren fast ganz entblößt und ausgeraubt . Lupi ging gebückt und aufmerksam von einem zum andern . Und nun erkannte man Olivier de la Marche und den Geistlichen , wie sie so einzeln herumgingen . Die Alte aber kniete schon im Schnee und winselte und bückte sich über eine große Hand , deren Finger ihr gespreizt entgegenstarrten . Alle eilten herbei . Lupi mit einigen Dienern versuchte den Leichnam zu wenden , denn er lag vornüber . Aber das Gesicht war eingefroren , und da man es aus dem Eis herauszerrte , schälte sich die eine Wange dünn und spröde ab , und es zeigte sich , daß die andere von Hunden oder Wölfen herausgerissen war ; und das Ganze war von einer großen Wunde gespalten , die am Ohr begann , so daß von einem Gesicht keine Rede sein konnte . Einer nach dem anderen blickte sich um ; jeder meinte den Römer hinter sich zu finden . Aber sie sahen nur den Narren , der herbeigelaufen kam ,