Wagen ohnmächtig gewesen - Hippolyt kam wie ein zürnender Gott hinter dem Wagen her und wollte mich halten . Ach Mutter , was hab ' ich gelitten dabei . Ich gab ihm meine Hand , unendliche Wollust jagte sein Kuß darauf durch meine Sinne , aber mir war ' s , als hielte mich ein wilder Geist . Mein Mädchen , die etwas von unseren Gesprächen verstanden hatte , gab den Kutschern ein Zeichen , der Wagen flog davon , Hippolyt schrie auf , daß es mir Mark und Bein erbeben machte , er jagte uns nach , das Pferd brach unter ihm zusammen und stürzte auf ihn - Mutter , ich war zertrümmert , schrie Halt , wollte aus dem Wagen - ach - meine Kräfte hatten mich verlassen , ich war bewußtlos zurückgefallen , das Mädchen hatte fortfahren lassen . Sie erzählte mir , Hippolyt habe unverletzt geschienen , habe selbst uns fortgewinkt , sei aufgestanden und habe uns lange mit untergeschlagenen Armen dastehend , nachgesehen . Ach , es war sehr traurig , liebe Mutter , und ich werde wohl lange nicht froh werden . 31. Alberta an Kamilla . Ach , daß Du nicht mehr bei mir bist , meine arme geliebte Kamilla ! O wie wollt ' ich Dich küssen ! Du wunderst Dich , daß ich nicht traurig bin , weil Du von der Fürstin gehört hast , Julia sei fort , und Hippolyt sei ihr spornstreichs nachgereist . Nein , meine Liebe , ich bin gar nicht traurig , ich bin recht still , aber recht ruhig , ja sogar glücklich . Der ganze Schwarm ist fortgeflogen ; Du weißt , daß Konstantie William und Leopold mitgenommen hat , Graf Fips ist ein stummer Mann , wir haben nur den lieben kranken Valerius hier , und der ist mehr wert als alle . Man sagt mir , ich sei in Hippolyt verliebt gewesen , und er hätte mich sehr unglücklich gemacht ; das erste mag wohl wahr sein , ich glaube , es ist auch das rechte Wort getroffen . Geliebt ? Ach , nein , berauscht - , o bitte , erlaß mir das Zergliedern , Du weißt , ich kann das nicht , ich liebe das bewußtlose , ungeprüfte Hinträumen , ich frage nicht viel . Valerius nennt mich darum immer die romantische Dame , und hat mir versprochen , mit mir nach Paris zu reisen , und mich mit den dortigen Romantikern Viktor Hugo , Janin und wie sie heißen mögen , bekannt zu machen . Ja , ja , das hat er mir versprochen . Und sie würden mich sehr lieben , sagt er , der gute Mann . Gestern hat er mir Viktor Hugos Hernani vorgelesen - ach , wenn ich doch so lieben könnte wie Donna Sol , sterben könnt ' ich gewiß so für meinen Hernani . Aber Hernani gleicht in vieler Wildheit zu sehr dem Hippolyt , es ist in beiden zu tolles spanisches Blut . Ich habe Valerius gebeten , mir einen sanfteren Hernani , einen deutschen zu schreiben . Er lachte , als ich ' s ihm sagte , daß die Deutschen am liebenswürdigsten wären . Der Vater hat uns versprochen , daß wir drei , er , Valerius und ich im Spätherbst nach Paris reisen würden . Papa ist viel weicher als sonst , aber nicht mehr recht lustig . Du fehlst ihm , meine liebe Kamilla , o komm und mach uns munter mit Deiner guten Laune . Wenn Du bald kommst , kannst Du auch mitreisen . Valerius hat heut ' viel zu schön für Dich gebeten , und der Vater nickte still mit dem Kopfe und sah so unbeschreiblich gut dabei aus . Ach Gott ja , Du warst in der letzten Zeit gar nicht mehr vergnügt , das fällt mir erst ein . Gib doch Deinen garstigen Ludoviko auf . Dem Herrn Valerius darf man gar nicht davon sprechen , sonst wird er gleich betrübt . Die Fürstin wollt ' ihn gar zu gern mitnehmen ; der Vater sagte uns , sie hätte sich einen Scherz ausgesonnen , die jungen Leute mit ihren neuen Ansichten in den großen Gesellschaften auftreten zu lassen , welche sich jetzt aus ihrem Lustschlosse versammeln werden . Sie verspräche sich von diesem Turnier mit den alten Rittern sehr viel Spaß , aber William und Leopold hälfen ihr eigentlich nicht viel , jener , weil er zu fromm und legitim , dieser , weil er zu lustig , unsicher und nachgiebig sei . Beide würden ihr nur mit Poesie aushelfen können ; nur wenn Valerius mitkäme , sei auf vorteilhaften Kampf zu rechnen . Da er es bestimmt ausschlug , so hat er wenigstens versprechen müssen , feindliche Briefe hinzuschreiben , welche die ganze Gesellschaft besprechen , und bekämpfend durch den Sekretär William beantworten würden . Es ist gar nicht hübsch von Konstantien , daß sie unserem kranken Freunde soviel zu schaffen machen will - er soll ruhen , und geht ' s nach mir , so schreibt er keine Zeile . Aber das ein und alles meines Briefs ist : Komme - komme morgen , Herr Valerius bittet auch schön , und der Vater auch . Es ist jetzt ja hübsch still und heimlich auf Grünschloß , es wird Dir sehr behagen . Valerius darf noch nicht viel gehen , und da sitzen wir fast den ganzen Tag auf der Terrasse unter den Akazien und schwatzen und lesen und treiben allerlei . Herr Valerius trägt den Arm im Tuch und sieht noch blasser aus als sonst , aber viel sanfter , freundlicher , milder . Komm nur , komm , er will uns Geschichten erzählen , wenn Du da bist - hörst Du ? Komm ! Jetzt küss ' ich Dich ein- zwei- dreimal und bin Deine zärtliche Alberta . 32. Kamilla an Alberta . Ich soll zu Euch kommen ? Ach Du gutes , harmloses Kind weißt nicht , was Du bittest