den Anwesenden war . Aber schließlich begann die Glocke wieder zu rufen , weil Herr Rehorst jetzt bestimmt Anordnung gegeben , um einer Bescherung seiner Beamten willen . Die Türen taten sich weit auf . Man ging in das geöffnete Weihnachtszimmer , wo die Tische mit Geschenken in Fülle , wie die herrlichsten , bunten Auslagen hingebreitet , unter der blendenden Lichterfülle sich häuften . Frau Rehorst war außer sich heimlich . Sie war ohne Acht in die Zimmer zurückgelaufen noch einmal . Herr Rehorst und Margit kamen Mutter entgegen , weil sie sie beide bei der Bescherung plötzlich gesucht hatten . » Nein , nein , « sagte Frau Rehorst , die nun so tat , als wenn sie nur nach dem Programm gesucht , was sie jetzt auch wie eine gewichtige Verfügung in der Hand hielt . » Nein , das ist wider die Verabredung , « sagte sie bestimmt auf den Zettel blickend . » Erst wollen wir jetzt doch das Weihnachtslied singen . « Man sang stehend , in dem hellerlichten Raum um die Weihnachtsbäume geschart , das alte , frohe Kinderlied : » Oh du selige - oh du fröhliche .. gnadenbringende Weihnachtszeit ! « .. Es klang im Chore . Frau Rehorst weinte gleich dabei . Aller Augen waren in Lachen sonst . Frau Rehorst war außer sich . Auch wie das Lied verklungen , war niemand weiter eingetreten . Sie hatte sich wieder umgesehen . Und war dann innerlich beschäftigt pflichtmäßig unter die Gaben getreten . Herr Rehorst hatte sie gütig am Arme an den schönsten Tisch geführt , den er ihr im letzten Augenblick selbst bereitet . » Oh mein Gott ... nein .. nur solche Sachen nicht ! « sagte sie fast hart . Aber küßte dann Herrn Rehorst mit Liebe . Einen herrlichen Schmuck brachte er . Seltsame , persische Opale mit schwarzen Brillanten . Etwas ganz Fernes , Seltenes . Und seidene Stoffe und echte Gewebe aus dem Orient , Handwirkerarbeit . Es war auch für Frau Rehorst zum Entzücken . Sie sah es an noch mit der Träne im Auge . Dann kamen die Kinder , beglückt die schönsten Dinge ihrer Weihnacht hinhaltend und der Mama die Hand und das Kleid küssend . Wie es besonders der liebebedürftige Junge tat . Margit kam und reckte sich auf und küßte der Mutter die Stirn viele , viele Male und lange . Und Grottfuß küßte ihr die Hand . Alles war ein Durcheinanderwogen von Licht und Duft und Lachen und frohen Gesichtern und Plaudern in die Luft hinein . Man bewegte sich durcheinander . Es war , wie wenn in allen ein Gesang der Freude noch ginge , eine Sucht sich immer wieder hinauszuwenden zu jedem ersten , der seine Augen hergewandt . Frau Rehorst war dann wieder , wie nun ein wenig beruhigt , hinausgeeilt . Fast unsicher jetzt . Sie war hinausgeeilt , weil sie noch einiges in der Küche anzuordnen vorgab . In Wahrheit lief sie doch , wie sie war , in einem ersten , besten Mantel , den sie ergriffen , auf die Straße und hatte nichts Törichteres tun wollen , als zu Einhart hinzuhasten . Draußen begriff sie die ganze Lage und kehrte zurück . Sie hatte sich in ihr Zimmer aufs Sofa geworfen , um plötzlich in ein hastiges , unstillbares Weinen auszubrechen . Herr Rehorst kam sie dort suchen , und Margit kam und küßte die Mutter . » Ach liebes Kind ... lieber Rehorst , « sagte sie gleich ganz ermannt , » sei nur nicht besorgt . Es kamen mir Gedanken , die mich ein wenig erregen . Das macht die viele Unruhe der letzten Tage . « » Ja , Geliebte , « sagte Herr Rehorst ganz bekümmert und küßte ihre Hände . » Ich habe es dir ja voraus gesagt , daß diese ganze Arbeit um all die Menschen für dich zuviel sein mußte . Aber hörst du denn , Kind ? Willst du niemals hören ? Sei nicht böse , wenn ich so schelte . Aber ich wußte es ja doch ! Es mußte ja so kommen ! « Frau Rehorst ermannte sich vollends und war an dem Abend dann heiter , daß alle dachten , sie lachte auch zu dem Weihnachtsfeste . Auch wie man an der langen Tafel saß , war sie wie mitten hineingehoben in den Festtrubel , ragte hoch , sah sich achtlos und sicher um und machte alle Trauer vergessen . 13 Einhart wußte jetzt genug in der Fülle seiner einsamen Aufwallungen , als daß er nicht hätte allmählich mit sich in Uneinigkeit kommen und in den Tagen vor Weihnacht sollen unentschlossen und unter mahnenden Stimmen innen an dem großen Gittertor des Rehorstschen Parkes stehen , ohne doch einzutreten . Auch am Weihnachtsabend war es nicht anders gewesen . Schon am Tage war er von der ruhelosen Geschäftigkeit , die in dem Mietshause bis in die Dachkammern herrschte , in sich tiefer als sonst aufgejagt , und hatte vergeblich versucht zu malen und dann zu lesen . Übrigens kannte er längst die Evangelien gut , und dachte , daß es ihm eine rechte Stimmung wecken könnte und ihn versinken machen , sich unter die schlafenden Hirten auf dem finsteren Nachtfelde neben den Herden zu mischen und den Stern im Tiefdunkel anzustarren , der über der Hütte mit dem heilbringenden Kinde schwebte . Aber was unter den Bauersleuten das Jahr vorher seine Seele in eine freie Weihnachtsfreude emporgehoben , das zerfloß jetzt in der Unrast seiner Begierden , die ihn schon am Nachmittag des heiligen Abends zu plagen angefangen . Angesichts des gescheitelten Grottfuß , der ihn am Nachmittag schon ins Rehorstsche Haus hatte mitnehmen wollen , und der sich jetzt nur im Vollgefühl der prunkenden Absichten fühlte , die man dort für den Abend hegte , und inmitten der Einigkeit der Menge , die er unten auf den Straßen , mit frohen Gesichtern eilen sah , faßte ihn ein solches Gefühl von