lächerlich auf ewig . « » Wohlan , seien wir lächerlich « , erwiderte er fest und gab ihre Hand frei . Da platzte in seinem Innern ein schallendes Hohngelächter : » Tugendheld ! Tugendheld ! « Verächtlich über die Achsel blickend , gab er zurück : » Ehebruch-Pedanten ! « Ein gefährlicher Boden ! Und ziellose Pfade ! Wohin die junge Seligkeit wohl taumeln mag ? Wird sie , kann sie überhaupt währen ? Müßige Fragen ; seine Aufgabe war es jedenfalls nicht , der Seligkeit ein Bein zu stellen . Ein jähes Ende Am Morgen des Lichtmeßtages , wo die Menschen die ersten Knospen zu grüßen pflegen , die noch nicht da sind , begab er sich wie gewöhnlich zu ihr . » Mein Mann ist im Studierzimmer ; wollen Sie , bis ich mit dem Aufräumen fertig hin , einstweilen ihm Gesellschaft leisten ? « Er stutzte . Was für eine neue Sprache ! Schickt mich zu ihrem Mann ! Hat sie etwa gebeichtet ? Eine Auseinandersetzung ? Meinetwegen ; laß hören ; ich bin immer so eingerichtet , daß ich jederzeit jedem Menschen ins Auge sehen darf . Der Eintritt in das rauchdurchqualmte Stübchen beruhigte sein Blut ; so raucht kein Richter . » Aha , willkommen , Sie sinds « , scholl es ihm treuherzig entgegen . » Sehen Sie , da schickt mir der Buchhändler soeben wieder so einen Weiberfresser von Philosophen . Sie machen ja doch wahrscheinlich auch nicht mit ? Oder was ist denn nun eigentlich Ihre Meinung von den Frauen ? « Eine schwierige Frage ! und ein verfängliches Thema ! Immerhin , besser an dem Fittich der Theorie gefaßt zu werden als persönlich , denn der ist ziemlich unempfindlich . Die Gerichtsverhandlung über die Frauen nahm denn auch einen friedfertigen , würdigen Verlauf , mit ordentlichen Gedankenschritten , gemessenen Urteilen und willigen Zugeständnissen von beiden Seiten . Wie jedoch Viktor im Eifer seines Frauenlobes den Satz fallen ließ : » Ohne die Frau möchte ich überhaupt nicht leben « , bemerkte der Statthalter trocken : » Aber jeder mit seiner eigenen Frau , nicht wahr ? « Was war das ? Ein Merks ? Einige Redereihen später , als die Grenzen des weiblichen Horizontes abgesteckt wurden und Viktor eben darauf hinwies , welch ein beschämendes Urteil in der Tatsache verborgen liege , daß alle Welt , auch die weibliche , es für selbstverständlich erachte , die Rolle einer jungen Frau in einem Theaterstück könne einzig eine Liebesrolle sein , öffnete Frau Direktor behutsam die Tür . » Verzeihen Sie , meine Herren , wenn ich Sie in Ihrer gelehrten Unterhaltung störe « , hauchte sie zaghaft ; » erschrecken Sie übrigens nicht , ich verschwinde im Augenblick . « Mit diesen Worten trippelte sie zum Bücherschrank , kauerte in anmutiger Haltung zu Boden , kramte , ab und zu die ungefügen Locken zurückwerfend , unter den Folianten , und schnellte dann plötzlich , ein Büchlein in der Hand , mit federndem Schwung wieder empor . » So ; jetzt sind Sie erlöst « , tröstete sie , während sie in ängstlichen Sprüngen auf spitzen Zehen zur Tür hinausflüchtete . » Jedenfalls ihre einzige Rolle « , schmunzelte der Statthalter , » spielen sie gut ; im Leben wie auf der Bühne . « Gleich darauf ertönte ein weicher Klavieranschlag , und ihre Stimme verklärte das Haus . Davor überquoll dem Viktor das Herz . » O mein Gott « , stöhnte er , » ist das schön ! ist das rein ! ist das edel ! « Und unversehens stürzten ihm die Tränen über die Wangen , so daß er hastig aufsprang und sich am Bücherschrank zu schaffen machte . » Das kann ich nun gerade nicht finden « , versetzte der Statthalter , » daß das rein und schön sei , wie sie das singt ; man sollte sich eben überhaupt nie an ein Stück wagen , das man nicht kann und das einem zu hoch liegt . « Darauf wollte er das Gespräch zurücklenken . Allein Viktor war von dem unsichtbaren Gesange dermaßen gebannt , daß er nichts andres sonst wahrnahm . » Wenn sie doch nur endlich aufhörte ! sie singt einem ja das Herz aus dem Leibe . « Endlich hörte sie auf , und es gelang ihm , sich in geziemender Fassung zu verabschieden . » Kommen Sie morgen abend zum Tee « , begehrte ihre dringliche Bitte , während sie ihre Hand in der seinigen ruhen ließ , » ganz unter uns ; niemand als Sie und mein Mann ; meine Wenigkeit ungerechnet , die Sie schon mit in Kauf nehmen müssen . « Und bedeutungsvoll flüsternd fügte sie hinzu : » Es gibt nämlich Schlagsahne . « Das war mit einem Ton gesagt , als ob die Schlagsahne den Hauptanziehungsgrund vorstellen sollte . » Also morgen abend ! « wiederholte sie , mit dem Finger drohend , » ich zähle darauf . « Jetzt was ? hat er etwas gemerkt , der Statthalter , oder hat er nichts gemerkt ? Aus diesem behäbigen Pascha wurde er nicht klug . Übrigens nur um so besser , wenn er etwas gemerkt hat ( zuviel ist nicht nötig ) , so war er die leidige Geheimtuerei los und zugleich einer geschmacklosen Beichte enthoben . Nun kommts recht ; genau so hatte er sichs von jeher ausgedacht gehabt : eine einmütige Ehe zu dreien , wo er seinem getreuen Statthalter Imagos Leib und jener ihm zum Dank dafür Imagos Herz und Seele überließ ; so tat keiner dem andern Abbruch . Die Vormittage ihm , dem Statthalter die übrige Zeit ; der durfte sich wahrlich nicht beklagen , er wäre bei der Teilung zu kurz gekommen . Also morgen abend soll der Dreibund geschlossen werden . » Bei einem Teller voll Schlagsahne « , spöttelte ein Gedanke . » Nun , warum nicht ebensogut Schlagsahne wie Wein ? Oder hat man etwa zu einem ehrlichen Vertrage Gift