Lichtes fielen auf den Boden voll goldbraunen Laubes . Und allerhand geheimnisvolle Märchenlaute waren da hinter den Bäumen , ein Klopfen und Zirpen , und ein leises Huschen , und ein Knistern ; eine blitzende Fliege summte in einem schrägen Sonnenstrahl , und ein ganz großer Käfer flog mit tiefem Gebrumm rund um einen Baumstamm . Der Dichter erzählte von den Waldvögelchen , von den kleinen Meisen , die so klug schauen , und von den Finken , vom Zeisig und Hänfling und von den wunderlichen Spechten , und das kleine Mädchen schmiegte sich an ihn , ängstlich und voll Liebe , und das Herz tat sich ihr auf , denn sie hatte bis dahin den Wald noch nicht gekannt , weil ihre Eltern immer mit der Eisenbahn an vornehme Orte gefahren waren , bei denen es Bäume auf Rasenplätzen gab und sorgfältig geharkte Wege . Viele Stunden gingen die beiden , und sie wurde recht müde , denn sie war solcher Wege nicht gewohnt , er aber schritt immer freudig und zuversichtlich weiter , und deshalb mochte sie ihm nichts klagen , denn von selbst merkte er nicht ihre Ermüdung ; und so kamen sie am Ende vor das kleine Städtchen , wo Peters Heimat war , und gingen durch das alte Tor die große Straße hinunter , wo neugierige Gesichter hinter blitzenden Fensterscheiben ihnen nachsahen , und in Nebengäßchen , und in einem ganz versteckten Winkel da stand ein uraltes Häuschen , ganz schmal und niedrig , unter einem blühenden Lindenbaum , und war die obere Hälfte der Haustür geöffnet , und man konnte durch den dämmerigen Hausflur in ein Gärtchen sehen , wo rote Rosen an hohen Stöcken blühten . Da traten sie ein , und da kam Peters alte Mutter aus ihrem Stübchen , und trug ihre alten mageren Arme nackt , und legte die Hand über die Augen , um die Fremden zu betrachten , da umarmte sie schon ihr Sohn und küßte sie , und in ihrem ehrlichen Gesicht ging die Freude auf . Wie sie nun alle drei in dem heimlichen und sauberen Stübchen saßen , auf dem schwarzledernen Kanapee unter den bunten Öldruckbildern , und Peter erzählte seine Geschichte und Vorhaben , da schlug die alte Frau wohl immer nur die Hände zusammen vor Verwunderung und wiegte den Kopf und sah liebevoll das zarte Mädchen an ; aber nicht einmal kam ihrem braven Herzen der Gedanke , daß ihr großer Junge doch noch ein rechtes Kind sei , denn sie hatte eine besondere Hochachtung vor ihm . Deshalb war sie mit allem einverstanden , und jetzt lief sie nun eilfertig hinaus in die Küche , einen kräftigen Kaffee zu bereiten auf die Anstrengungen der Reise . Aber als die beiden jungen Leute allein waren , begann Luise plötzlich heftig zu weinen , und wie er sie trösten wollte und streichelte ihr die schwarzen Haare , da machte sie eine unwillige Bewegung mit der Schulter , daß er ganz ratlos dastand . Bald blickte sie wieder auf und sah in sein Gesicht , und da mußte sie plötzlich hell auflachen , aber das Weinen war noch nicht ganz vorüber , und das Böckchen stieß sie mitten im Lachen , und ihre Augen füllten sich wieder mit Tränen . Indem kam die gute alte Mutter wieder in die Stube und trug auf einem Präsentierbrett den Kaffee in einer sehr großen Kanne , und zwei Tassen , denn sie selbst wollte nicht mittrinken , weil sie sich für zu gering hielt , und eine rotlackierte Zuckerdose aus Blech stand bei der Kanne ; und wie sie die Weinende erblickte , fing auch sie an zu trösten und empfahl den Kaffee , indem sie eine lange Geschichte begann , wie er eine wunderbare Heilung einer Lahmen bewirkt hatte ; da lugten durch die Türspalte die beiden Mieterinnen , die sie in ihrem Häuschen hatte , das waren zwei uralte Weiberchen , sauber und ordentlich und über die Maßen neugierig . Wie die Mutter die beiden bemerkte , nötigte sie , daß sie hereinkommen mußten ; die entschuldigten sich vielmals und standen hintereinander , dann aber kamen sie in die Stube , indem sie sich die blanken Hände an den reinlichen blauen Schürzen abwischten und neugierig das Pärchen betrachteten . Aber bald wurden sie recht vertraut , prüften mit den Händen den Stoff von Luisens Kleid und fragten nach dem Preis , tranken vergnügt von dem schwachen Kaffee aus der großen Kanne , nachdem sie zuerst vielmals abgelehnt , erzählten von ihren Krankheiten und fragten , ob Luise auch die Kaiserin recht oft sehe . Peter war fröhlich und unbefangen zwischen den drei gutherzigen alten Frauen , lachte viel und erzählte so , daß die drei nicht aus dem Verwundern kamen ; Luise aber hatte inzwischen einen Entschluß gefaßt , zog Peter auf die Seite und bat ihn , daß er ein Telegramm an ihre Eltern schicke , das denen ihren Ort anzeige , welches der sehr richtig fand , und tat sofort , was sie begehrte . So geschah es denn , daß am nächsten Tage die Eltern des Kindes kamen , in großer Aufregung und Sorge ; aber wie sie den frohmütigen und harmlosen Dichter , die geschäftige und saubere alte Mutter und die braven andern Weiberchen um ihre Tochter versammelt fanden , die lachend ihrem Vater an den Hals flog , da vermochten sie nicht die empörten Reden an Peter zu führen , die sie sich vorgenommen , sondern die Mutter machte nur ein gekränktes und kaltes Gesicht , und der Vater brummte etwas , das nicht deutlich wurde durch die Liebkosungen der lachenden Tochter , und zuletzt , weil sie ganz ratlos waren , was das Ganze bedeutet habe , nahmen sie das Mädchen mit sich in ihr Gasthaus und luden den Dichter zum Mittagessen ein , das er ohne Schuldbewußtsein auch freundlich annahm . Nach diesem Anfang fanden die Eltern bald , wie sie das ganze Begebnis als einen Kinderstreich auffassen konnten