, die ich meine , « sprach Rudolf weiter , » heißen Technik und Wissenschaft . Soviel könnende und soviel wissende Wesen , wie die Menschen zu werden jetzt im Begriffe stehen , müssen auch vernünftige Wesen mit vernünftigen Einrichtungen werden . Das ist der Zwang des Anpassungsgesetzes . Daß aber unsere Lebensführung und unsere aus unwissenden Zeiten überkommenen Einrichtungen vernünftig seien , wird man doch nicht behaupten wollen ? Um nur das eine hervorzuheben , das Unvernünftigste von allem : neun zehntel aller Hilfsquellen darauf zu verwenden , einander besser totschlagen zu können ... Sich die Heimat Erde in Beutestücke einzuteilen , um die man sich gegenseitig zerfleischt , statt sie in gegenseitiger Hilfeleistung in ein Eden umzuwandeln ... Wie murmelten Sie in den Bart , Freund Wegemann - Sozialistenphrasen ? Mein Gott , oft gesagte Wahrheiten - und solche , auf die sich eine nach Verbreitung strebende Partei aufbaut , werden immer zu Phrasen ... ich will hier aber nicht in sozialdemokratischem Parteigeist , sondern im weitern Sinn - in sozialem Geist gesprochen haben . Daß die soziale Frage in gewaltiger Bedeutung unsere Gegenwart erfüllt und nach Lösung drängt - das kann doch niemand leugnen ? Das Arbeitervolk ist es müde , zu leiden , und unter uns gibt es solche , die müde sind , es leiden zu sehen . Ich für mein Teil kann nicht länger müßig zusehen , bei all den unnützen Schmerzen , Lasten und Gefahren , unter denen meine Mitgeschöpfe stöhnen . Tat twam asi ... « Das indische » das bist Du « veranlaßte den poetischen Beifallsspender zu einem neuerlichen » Bravo ! « » Ein großes Erlösungswerk bereitet sich vor - davon wissen gar viele Zeitgenossen - und wohl auch viele meiner lieben Tischgenossen - nichts . Was sie allenfalls davon vernehmen , klingt ihnen wie das ferne Rauschen einer drohenden Sturmflut und sie rufen nach Deichen und Dämmen . Wir aber , die wenigen , die hingehorcht haben , wir hören das Rauschen einer neuen Zeit der gewaltlosen Zeit , der elendbefreiten Zeit . Wenn wir sie auch nicht erleben ... übrigens , wer weiß ? - ihr Kommen beschleunigt zu haben , das soll unsere höchste Genugtuung sein . Das habe ich mir zur Aufgabe erkoren . Nennen Sie solches Beginnen nicht vermessen und nennen Sie es nicht unnütz . Beugen Sie sich nicht jener bequemen Ansicht , daß sich die Kulturwandlungen von selber vollziehen . Das ist falsch - nichts geschieht von selbst . Es fällt doch niemanden ein , zu behaupten , daß sich alle technischen Fortschritte und Erfindungen von selber eingestellt hätten - unabhängig vom Studium und der Arbeit der Techniker und Erfinder . Daß studiert und daß gearbeitet wird , mag auf einen Zwang , der in den Naturvorgängen liegt , zurückgeführt werden , das will aber nicht besagen , daß die Kulturarbeit von selbst entsteht . Sie entsteht durch den Willen der Kulturarbeiter ... Diese Willenskraft mag man auch eine Naturkraft nennen - aber dieser persönliche Wille wird zum Motor der Entwicklung . Auch unter den Entwicklungsfeinden gibt es energisch Wollende und es gelingt ihnen gar wohl , den Gang der Kultur zu hemmen , sogar momentan zurückzuschleudern ... ihn aber gänzlich aufzuhalten , das gelingt ihnen nicht , denn daß dieser - wenn auch in der Spirallinie - unaufhörlich vorwärts und aufwärts führt : das ist Naturgesetz . Dies ist mein zuversichtlicher Glaube . Ein heißer Glaube , der mich oft mit einem Glücksgefühl durchströmt , mitten unter den Zorngefühlen , die mir die herrschenden Verkehrtheiten einflößen . Wenn ich auch weiß , daß Zorn eine unwissenschaftliche Regung ist - ärgert sich der Zoologe über Tigerbosheit und Schlangengift ? - so ist er doch auch eine nützliche Regung , denn er rüttelt zur Abwehr auf ... Ohne Leidenschaft wird nichts Kräftiges vollbracht . Das ist ' s auch , was ich Ihnen sagen wollte - mein Tun ist durch eine in tiefster Seele lodernde Leidenschaft bestimmt ... Ob ich Kräftiges vollbringen werde , das ist dahingestellt , aber was ich an Kraft besitze , das ist nun in meinem Wollen konzentriert . « Er hielt einen Augenblick inne . Wieder empfand er es deutlich , daß die Zuhörerschaft - mit Ausnahme der wenigen - ihm nicht gefolgt war . Und er gewahrte auch , daß ihm die Worte nicht zu Gebote standen , mit denen er gern die Fülle der ihn bewegenden leidenschaftlichen Gefühle und Gedanken ausgedrückt hätte . Das wäre ihm wohl nur möglich gewesen , wenn von seinem Feuer etwas auf die Widerstrebenden sich übertragen hätte und aus ihrer Mitte dann ein Funke der Begeisterung herübergesprungen wäre ... Er hatte die Vision eines großen Saales , gefüllt mit Männern und Frauen aus dem Volke ; Leute , die in ihren gramgedrückten Verhältnissen mit Sehnsucht nach Verheißungen besserer Zeiten aufhorchten : wie würde der Dank und die Hoffnung solcher Lauscher ihn gleichsam tragen , emporheben ... aber diese hier ? - auf der Höhe der Gesellschaft geborenen , alle Vorteile des Bestehenden genießenden - die mußten wohl jeden Gedanken an eine Änderung als ruhegefährdend und glücksbedrohend empfinden - wenn sie überhaupt zuhörten , wenn das Gesagte nicht vollkommen abprallte an ihrem Unverständnis und ihrer Kälte . Er ward sich bewußt , daß er nicht weiter reden sollte , noch konnte und suchte nach einem Schluß : » Meine Freunde - Ihnen das Ziel meines Wollens ganz klar zu legen , oder gar meine Überzeugung auf Sie übertragen zu wollen - das konnte nicht der Zweck meiner Rede sein , die ohnehin schon zu lang geworden ist ; ihr kurzer Sinn ist der : hier stehe ich , weil ich nicht anders kann . Und damit ist die Tafel aufgehoben - in Brunnhof die letzte Tafel , deren Wirt ich gewesen bin . « Er stand auf und erhob sein Glas : » Doch - damit wir mit einem Hoch abschließen können , trinke ich Dir noch einmal zu , lieber Mar -