und in sich gekehrt , daß sie sich ihm nicht gern nähern mag . Sie scheuert daher ihre neue Küche mit großem Eifer , putzt ihre Töpfe , Tassen und Krüge , wischt den Ziegelboden täglich mit Wasser ordentlich auf , vernichtet das Ungeziefer , wo sies nur findet , kocht und näht , singt und wäscht , klopft die Teppiche , die sie sich in Bagdad kauften , mit größtem Geräusch jeden Morgen aus , pflanzt Bohnen und Salat , begießt die weißen Rosen und melkt ihre Ziege - die berühmte Köchin ist geschäftiger denn je - steht nie still . Allerdings - ihre Küche kommt ihr recht klein und ärmlich vor - mit stillen Tränen denkt sie oft an Saids große Küche , in der so bequem die Pumpe gleich bei der Hand war - denkt auch an ihre Küche in der langen Straße mit Wehmut . Indessen - den Safur läßt sie davon nichts merken . Ja - die Einsamkeit ! Der Tarub ist oft so zu Mute , als wäre sie in ein Gefängnis eingesperrt worden - obwohl es doch am Tigris so frei und lustig ist wie selten wo - aber der Natur bringt die berühmte Köchin nicht eine besondre Liebe entgegen - es ist ihr zu still in der Einsamkeit . Dem Safur ist dagegen das Leben in der Natur beinahe zu laut - überall glaubt er Geisterstimmen zu hören - er spricht oft zu sich selbst - und schrickt zuweilen heftig zusammen - seine Augen blicken nicht mehr kühn gradaus - sie haben eher was Scheues . Als daher nach einigen Wochen auf flinkem Segelboot die beiden Geographen Kodama und Hamadany der Lehmkate einen Besuch abstatten , werden sie ganz freundlich empfangen . Bei einem guten Becher Weins lenkt Kodama , der eigentlich in Osmans Auftrage gekommen ist , das Gespräch vorsichtig auf die alte Sphinx der Ägypter . Indeß - Safur will von der Sphinx nichts mehr wissen , der Dicke hat sie ihm verleidet ; das Zwitterhafte in der Sphinx , das der Dichter anfänglich garnicht sah , berührte ihn sehr unangenehm , als ers bemerkte . Seine Dschinne hat mit der Zeit wieder ein andres Gesicht bekommen - das ähnelt jetzt eher dem einer ägyptischen Prinzessin , deren Seele verdammt ist , immerfort auf der Erde herumzuwandern und um einen verlorenen Ring zu klagen - Safurn ists oft schon so gewesen , als habe sie ihn gebeten , den Ring zu suchen - was er dann auch tat - sehr zum Ärger der Tarub - denn wenn er den Ring suchte , pflegte er nie ein Stück Wild heimzubringen ... Der dicke Kodama hört also nichts Besondres , wie er von der Sphinx spricht , wird demnach allmählich deutlicher , will was von der Antarsage wissen und kommt so schließlich zu Safurs Dschinnengedicht . Seltsamerweise ist da der Safur gleich Feuer und Fett , die Flammen der Begeisterung lodern hoch empor , und der Dichter redet mit einem Eifer von dem Gedicht , daß der ziemlich vertrauensselige Kodama gleich glaubt , Safur habe wirklich angefangen , das große Gedicht zu schreiben . Dem ist natürlich durchaus nicht so . Safur redet nur über das Dichten im Allgemeinen , führt aus , daß eine wahrhaft treffliche dichterische Arbeit so wirken müsse wie ein feines Brokatgewand , das von jedem andren Standpunkt aus ein andres Gesicht - eine andre Farbenstimmung - zeige - - - das sei auch der Grund , weswegen ihm jetzt so oft seine Dschinne mit einem ganz andren Kopfe , mit ganz andren Händen - ganz anders gekleidet erschienen sei . Kodama ist bald der Meinung , daß Safur ein schier unendliches Gedicht geschrieben habe , und fährt höchst befriedigt nach Bagdad zurück , um dem Osman diese freudige Botschaft mitzuteilen . Hamadany bleibt als Gast in der Lehmkate noch über acht Tage , und als auch er nach Bagdad zurück will - kommt grade der Abu Hischam mit dem Abu Hanifa an , und die Beiden verhindern natürlich den Hamadany , nach Hause zu fahren . Der alte Philosoph Abu Hischam ist in so prächtiger Laune , daß es bald wieder hoch hergeht - wie früher zu Bagdad in der langen Straße . Alles , was in der Kate eßbar und trinkbar ist , wird an zwei Tagen vertilgt - und dann ist wieder - die Not da . Diesmal hat aber die Not einen recht lustigen Anstrich . Wie am dritten Tage die Tarub den drei Gästen und ihrem Dichter - Ziegenmilch , Bananen , Feigen , sieben Möveneier und weiter nichts vorsetzt - verschwindet das alles furchtbar schnell - Safur ißt nur ein einziges Ei , sieht sich verwundert nach mehr um - sagt aber nichts . Jedoch die Tarub fragt mit ganz ernstem Gesicht : » Nun , seid Ihr schon satt ? « Da werden die Gesichter der vier Männer ganz anders - und - und - nach einer Pause brechen plötzlich alle Vier in ein so fürchterliches Gelächter aus , daß sie Magenschmerzen bekommen - nur vom Lachen . Es wird wieder gemütlich bei der Tarub . Die drei Gäste gehen nicht fort , sie gehen mit Safur auf die Jagd - und des Abends hocken sie vor der Tür auf den roten Ziegelsteinen , essen und trinken , was da ist - reden tiefsinniges Zeug ! Das Gespräch wird stets von den jüngeren Gelehrten - von Hamadany und Abu Hanifa - in Fluß gebracht . Die Tarub redet oft altklug mit ; die jungen Leute wollen so Manches wissen , was die Tarub weiß . Safur ist gemeinhin sehr einsilbig . Abu Hischam ist zumeist zu lachlustig . Trotzdem spricht er zuweilen noch über die schwierigsten Fragen . Er erklärt den jungen Gelehrten , daß diese Welt garnicht wirklich da sei , daß kein Mensch wirklich da sei , daß nichts da sei , daß Alles nur Trug und Schein sei , und empfiehlt , diese Weisheit immer im Kopfe zu