sind , gewaltige und verruchte Sünder zu sein , - sind sie nicht wirklich beneidenswert ? Kerls , die sich noch geißeln können , muß man die nicht beneiden ? Und überhaupt dieses Behagen , sich in Versen auszuschwemmen . Es ist ganz sicher eine ejakulative Wollust . Und der Rhythmus ist das Leben , Und die Prosa ist der Tod ... Hol sie der Teufel ! Sie genieren mich . Sie erinnern mich an Zeiten , da ich gerade so dumm und pueril war wie sie , und ich finde , es ist ungerecht , daß ich leiden muß , weil ich klüger wurde ... Also : Ich leide ? Sehr schön gesagt . Ein dekoratives Wörtchen . Schon die Stimmgabel zum lyrischen Gesang . Ich werde mir auch so eine dicke schwarze Halsbinde kaufen , die Einem so was Biedermeierischhalbabgewürgtes giebt und zur lyrischen Livrée von heute gehört . « » Im Grunde genommen , werter Herr , sind Sie den Idealen Ihrer Jugend ein wenig untreu geworden . Fanden Sie nicht dermaleinsten , daß es die Gemeinheit der Gemeinheiten sei , ein Dichter sein zu können und um der besseren Speise- und Weinkarte willen ein Journalist zu werden ? Ganz richtig . Nur erlaubt sich irgend wer die Frage : Kann ich denn ein Dichter sein ? Lächerlich ! Höchst lächerlich ! Sind Sie ein Lump , daß Sie sich verstellen ? Wissen Sie nicht ganz genau , daß Sie ein Dichter wären , wenn Sie nicht , leider , es für bequemer hielten , ein Schubiak zu sein ? Hm ; vielleicht nehmen wir blos ein Schlammbad ! ... So zur Austreibung böser Säfte , wissen Sie ... Aber wer hat es Ihnen denn verschrieben ? Meine Natur , meine schlechte , niederträchtige , gemeine Natur . Durch Schlamm zum Rosenöl ! sagt sie . Reizend , in was für Tropen Ihre Natur lügt . Aber : Sie glauben ihr doch nicht ? Ich wo ! Ich kenne sie ja . « » Es fängt an , geschmacklos zu werden , wie unwohl ich mich fühle . Mein Ruhm stinkt zum Himmel , daß Pietro Arretino vor Neid semmelblond wird , meine Honorare könnten einem Cirkusklown den Schlaf rauben , mein Stil , dieses Gemächte aus Sprachnotzucht und Drehkrankheit , wird mehr kopiert , als die sixtinische Madonna , - und ich bin der Gelbsucht nahe . Was , zum Teufel , sitzt mir in der Leber ! ? Oh , ich fühls ! Es ist ein Ekel an dieser Comödie , die ich aus mir gemacht habe mit dem Vorsatz , sie vom Repertoire zu streichen , sobald ich genug an ihr hätte , und die ich nun Tag für Tag seit Jahren spielen muß , weil ich sonst hinter die Coulissen geschmissen würde . Ein schundgemeines Kassenstück , aber wehe , wenn ich ein anderes gäbe ! Es gilt nur die Frage : Verlohnt die Einnahme wirklich den Ekel ? Wäre es nicht besser , ich träte endlich einmal vor und spiee dem werten Publikum ins Gesicht ? Hollah ! Amende gäbe das erst recht einen Erfolg , und ich wäre obendrein die Ekelplage los ? Wie , wenn ich Va-banque spielte ? « » Ich sehne mich nach Unordnung , nach Verrücktheit , nach dem Gelächter derer , die nichts zu verlieren haben . Ah , Du altes , treues Wort : Bohème ! Ein gelangweilter Lump zu sein , ein Lump in Wohlsein und Ängsten vor dem bischen Daseinsgefahr , - wie schaal und schäbig ! Aber ein lachender Lump , ein königlich selbstherrlicher Lump mit leerem Beutel und den Taschen voll Hoffnung , ein dichtender Lump , ein Lump voll Laune und närrischen Plänen , ein freier Lump mit der Grazie des selbstbewegten Lebens , - wie köstlich und groß ! Bohème ! Bohème ! Der Gedanke läßt mich nicht mehr los : Heraus aus diesem behäbigen Lumpentum und hinein in freche Abenteuer ! Ich muß mich wieder berauschen können und nicht blos trinken . Ich muß wieder einen Kreis um mich haben , in dem man betrunken wird an sich selber . Diese schweren Weine machen faul , diese Champagner lügen blos von Räuschen , diese kostbaren Liköre sind wie Seidenpolster , in denen man versinkt , ohne daß man glaubt , Houri-Arme schlängen sich um Nacken und Brust . Was ist das für ein Leben ! Kein Ruck und Zuck , kein Taumeln und Drehen . Geradehin , auf Gummirädern , hinter verschlossenen Kaleschenfenstern , allein . Diese » Collegen « ! Wie ernst ! Wie bedeutend ! » Beamte der öffentlichen Meinung . Richter im Reiche des Schönen . Staatsanwälte des Geistes . Pioniere des Fortschritts . Enkel Lessings . Verantwortliche Redakteure der Moral . « Oh , ihr ... ! Na ! Ich kenne euch doch ? Ihr habt doch allerhand Respekt vor mir ? Ich unterstehe doch annoch makellos eurem Ehrengerichte ? Wißt ihr denn nicht , daß ich täglich Unzucht mit allen Lastern des Witzes treibe ? Warum werft ihr mich denn nicht hinaus ? Solltet ihr ... auch ... ? Blos nicht mit soviel Frechheit ... ? ... Wie , wenn ich einmal meine Comödie , die ja ein Stück der euren ist , ohne Schminke auf eure Papierbühne brächte ? Wenn ich die litterarischen Hungerleider , die von Gnaden des Elends noch anständig sind , aufriefe gegen die gewürdeten litterarischen Beutelschneider und Gaudiebe ? Wenn ich zeigte , was für Wäsche unter den schönen Röcken der Würdenträger der öffentlichen Meinung steckt ? ... Halt ! Das ist Stil für die Öffentlichkeit ; ich kann die Passage in meiner Brochüre verwenden , die ich wie einen Klotz in den Tintensumpf werfen will . Ah ! Da haben wir ja schon Plan und Titel : Eine Brochüre : Der Tintensumpf . Schon bin ich inspiriert ! Aber hier wollen wir doch lieber nach Möglichkeit ehrlich sein , - was habe ich also vor ! ?